Science

Klimawandel nach Atomkrieg könnte zu Hungerkatastrophe führen

Ein Atomkrieg würde höchstwahrscheinlich unmittelbar Millionen von Todesfälle verursachen. Doch nicht nur das: Rauch von dadurch resultierenden Bränden und Explosionen würde auch für einen Klimawandel sorgen, der die weltweite Nahrungsproduktion beeinträchtigt. 15 Jahre lang könnte der Klimawandel andauern, wie Wissenschaftler*innen der Rutgers University in einer nun erschienenen Studie schreiben.

Dass die Explosion einer großen Zahl an Kernwaffen zu einer Abkühlung der Atmosphäre führen könnte, ist bereits seit längerem bekannt. In diesem Zusammenhang wird von einem nuklearen Winter gesprochen.

Nun sind die Wissenschaftler*innen aber tiefer in die Thematik eingedrungen. So wurden erstmals mit einem modernen Klimamodell die Auswirkungen auf die Ozonchemie und das ultraviolette Licht simuliert, die durch die Absorption von Sonnenlicht durch den entstehenden Rauch verursacht würde. Es würde also zwar die Ozonschicht durch den Krieg zerstört werden, UV-Licht könnte aber durch den entstehenden Rauch dennoch nicht auf die Erdoberfläche treffen.

UV-Licht blockiert

"Obwohl wir zuerst vermutet haben, dass die Ozonschicht nach einem Atomkrieg zerstört werden würde und dies zu verstärktem ultraviolettem Licht an der Erdoberfläche führen würde, würde zu viel Rauch das ultraviolette Licht blockieren", sagte einer der Autoren der Studie, Alan Robock , Distinguished Professor am Department of Environmental Sciences der Rutgers University-New Brunswick, laut einem Bericht bei Phys.org.

Konkret wurde das Szenario eines Atomkriegs zwischen Indien und Pakistan durchgespielt. Dadurch könnten etwa 5 Megatonnen Ruß entstehen. Es würde etwa ein Jahr dauern, bis wieder verstärkt UV-Licht zum Erdboden durchdringen würde. Bei einem Krieg zwischen den USA und Russland mit einer Rauchmenge von 150 Megatonnen würde es etwa 8 Jahre dauern. Bei einem globalen Atomkrieg müsste man mit 15 Jahren rechnen.

„Unter dem Strich wäre ein Atomkrieg noch schlimmer, als wir dachten, und muss vermieden werden“, sagte Robock.

Zehntausende Sprengköpfe weltweit

Obwohl die Gefahr eines Atomkriegs in den vergangenen Jahren im öffentlichen Bewusstsein eher in den Hintergrund gerückt ist, sind viele Expert*innen nach wie vor diesbezüglich besorgt.

Das Stockholmer Internationale Friedensforschungsinstitut (SIPRI - Stockholm International Peace Research Institute) schätzt in seinem aktuellen Jahresbericht die Zahl an Atomsprengköpfen auf der Erde auf 13.080 zu Beginn des Jahres 2021. Das ist im Vergleich zu 2020 immerhin ein Rückgang von 320 Sprengköpfen. 3825 der Sprengköpfe sind demnach startbereit.

Über die meisten Sprengköpfe verfügt Russland (6.255), an zweiter Stelle kommen die USA mit 5.550.

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