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Wie der Supermarkt der Zukunft aussehen könnte

Gleich beim Betreten merkt man, dass dieser „Supermarkt“ kein gewöhnlicher ist: Hier gibt es Mehl von der Hofer-Eigenmarke, Bio-Eier von Billa und „Teachnikum“-Schwarztee. Nicht nur die Produktpalette ist ungewöhnlich: Auf einem Einkaufswagen ist ein Tablet befestigt. Es verlangt nach einem Gesicht, das es scannen will.

Im Supermarkt-Labor

Dieses „Point of Sale“ genannte Geschäft ist ein experimentelles Praxislabor. Tatsächlich einkaufen kann man hier nicht: Mit der Einrichtung will die FH Technikum Wien junge Menschen für Softwareentwicklung begeistern. Ihr „Supermarkt“ soll zeigen, was sich mit alltäglichen Geräten wie Handy und Tablet alles anstellen lässt, wenn man gute Ideen hat.

„Uns war wichtig, dass wir nur mit Technologien arbeiten, die unsere Besucher schon kennen“, erklärt Projektleiter Lukas Aichbauer der futurezone. Die Möglichkeiten von Software seien für Laien oft schwer verständlich. „Mit dem Supermarkt wollten wir einen Raum schaffen, in dem Interessierte das Studiengebiet der Computer-Wissenschaften angreifen und ausprobieren können“, erklärt er.

Pfad für flottes Shopping

Die App auf dem Einkaufswagen-Tablet ist mit einem Computerserver verknüpft. Dort läuft ein Programm, das ein Gesicht mit einer Datenbank abgleicht und es den richtigen Kund*innen zuordnet. Das Foto für die Datenbank wird bei der Registrierung gemacht.

Dann geht es los: Ein Menü listet alle erhältlichen Produkte auf. Wird eines ausgewählt, blendet die App auf einer 3D-Karte den Pfad zum Produkt ein. Hat der Kunde oder die Kundin mehrere Artikel ausgewählt, wird die schnellste Route berechnet, um alles zu finden. Dazu haben Aichbauer und seine Kollegen ein 3D-Raummodell mittels gewöhnlicher iPhones erstellt. „Bei der Navigation durch den Supermarkt vergleicht die Kamera des Einkaufswagen-Tablets das Bild mit diesem abgespeicherten 3D-Modell“, erklärt er: „Dadurch kann es sich selbst lokalisieren und ist unabhängig von äußerer Sensorik.“

Nachdem man dann ein Produkt aus dem Regal genommen hat – z.B. eine Packung des eigens erfundenen „Teachnikum“-Tees, wird dieses vor das Tablet gehalten und abfotografiert. Eine Objekterkennung stellt fest, um welches Produkt es sich handelt und fügt es zur Rechnung hinzu. Praktisch ist, dass zu jedem Produkt wichtige Informationen eingeblendet werden, z.B. wie viele Kalorien es hat und ob es „Tierwohl“- oder „Bio“-Siegel besitzt. Auch warum etwa eine Paprika gesund ist, erfährt man. Nach dem Bezahlen direkt am Tablet wird die Rechnung an die hinterlegte E-Mail-Adresse geschickt – Bargeld würde man in diesem Supermarkt keines brauchen. Alles läuft rein über Tablet oder Handy.

Sogar einen eigenen Tee hat die FH Technikum für ihren "Point of Sale"-Supermarkt entwickelt. Er heißt "Teachnikum" und es gibt ihn als Grün- und als Schwarztee.

Lagerbestand jederzeit automatisch erfasst

Der Bestand der Filiale werde automatisch gezählt. Wird ein Produkt gekauft, verschwinde es automatisch aus dem Lagerbestand. „Jedes hat eine genaue Position, die auf dem Modell abgebildet wird. Dadurch weiß ich zu jedem Zeitpunkt, wo sich die Produkte befinden“, erklärt Aichbauer.

Viele „Point of Sale“-Besucher*innen würden skeptisch auf die Gesichtserkennung reagieren, gibt Aichbauer zu Bedenken. Man nehme den korrekten Umgang mit Daten aber sehr ernst. Ein Ziel vom Supermarkt-Labor sei auch, das Bewusstsein für mögliche Gefahren von hochtechnologischen Umgebungen zu schärfen. „Bei unserem Projekt werden die Daten nach jeder Benutzung gelöscht und sie werden nie bei Drittanbietern gespeichert“, beruhigt Aichbauer. Nur das Foto verbleibe in der Datenbank für zukünftige Besuche.

Technik für andere

Der Supermarkt wird laufend weiterentwickelt und Studierende dürfen ihre Ideen hier ausprobieren und den Raum verändern. Die Entwicklungen sollen aber nicht nur im Labor bleiben. Aichbauer wünscht sich, dass sie später in echten Supermärkten, Lagern oder Museen verwendet werden.

Bisher wurde der Supermarkt allein mit Technologien umgesetzt, die bereits in Handys und Tablets verbaut sind. Künftig könnte im „Point of Sale“ ausgefeiltere Sensorik dazu kommen. Ein Stichwort dabei ist „Augmented Reality“, also erweiterte Realität. Mithilfe spezieller Brillen werden virtuelle Objekte in die Umgebung eingeblendet. „Wir könnten etwas entwickeln, wo man mit einer Kamerabrille durch den Supermarkt geht und alle Produkte ohne Erdnüsse grün angezeigt werden. Das könnte Menschen mit Allergien helfen“, sagt Aichbauer. Das Supermarkt-Projekt soll jedenfalls noch einige Zeit weitergeführt werden.

Der Computerwissenschaftler Lukas Aichbauer verantwortet das Projekt.

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Jana Unterrainer

Überall werden heute Daten verarbeitet, Sensoren gibt es sogar in Arktis und Tiefsee. Die Welt hat sich durch die Digitalisierung stark verändert. Das interessiert mich besonders, mit KI und Robotik steigt die Bedeutung weiter enorm.

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