Science

Dunkle Materie stellt Physik in Frage

Eine neue und besonders genaue Weltraumkarte, die die Ausbreitung Dunkler Materie beschreibt, stellt Albert Einsteins Relativitätstheorie und damit große Teile der Physik in Frage. Zu diesem verblüffenden Schluss kommt das Forschungsteam, das an der Erstellung der Karte gearbeitet hat. Die Erkenntnis, dass Dunkle Materie gleichmäßig verteilt und weiter verbreitet ist, als es sämtliche Theorien vorhergesagt haben, hat zu diesem Schluss geführt.

Lag Albert Einstein falsch?

"Das Resultat ist ein echtes Problem für die Physik. Wenn dieses Missverhältnis stimmt, dann lag Einstein vielleicht falsch", sagte der Forscher Niall Jeffrey der Pariser École Normale Superieure zur BBC. Als Physiker sei diese Vorstellung extrem aufregend. Es bedeute, dass man etwas neues darüber herausfinden könne, wie das Universum wirklich funktioniere.

Dunkle Materie konnte bislang noch nicht direkt nachgewiesen werden, weil sie eigentlich unsichtbar ist. Um die detailreiche Karte zu erstellen, wurde ein Viertel des Nachthimmels der südlichen Hemisphäre mit einer 570-Megapixel-Kamera beobachtet.

Im Zeitraum 2013 bis 2019 wurden so 300 Millionen Galaxien erfasst und nach Entfernung klassifiziert. Durch komplizierte Berechnungen konnte so auch die Zeitdimension inkludiert werden. Über Berücksichtigung von Krümmungseffekten des Lichts durch Gravitationskräfte konnte die Dunkle Materie indirekt nachgewiesen werden.

Neue Physik denkbar

In Forschungskreisen sorgte die neue Karte für gemischte Reaktionen. Der Kosmologe Carlos Frenk, der auf Basis von Einstein viele Theorien zur Entstehung des Universums mitentwickelte, zeigte sich gespalten: Er habe sein ganzes Leben an seiner Theorie gearbeitet und wolle nun nicht, dass alles in sich zusammenstürzt.

Gleichzeitig würden die Berechnungen korrekt aussehen und man müsse sich der Möglichkeit stellen, dass es neue physikalische Grundlagen brauche. Andere Forscher*innen meinten, schon in der Vergangenheit habe sich die Theorie Einsteins nicht als perfekt erwiesen. Es sei auch denkbar, dass die Theorie geringfügig adaptiert werden müsse, um mit den neuen Erkenntnissen vereinbar zu sein.

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Martin Jan Stepanek

martinjan

Technologieverliebt. Wissenschaftsverliebt. Alte-Musik-Sänger im Vienna Vocal Consort. Mag gute Serien. Und Wien.

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