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Huawei: "Brauchen in Europa Daten- und Technologieunabhängigkeit"

In Kooperation mit der NGO Rainforest Connection, der Universität Wien und dem Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel hat Huawei vergangenes Jahr ein Forschungsprojekt am Schilfgürtel gestartet. Um mehr über die Biodiversität der Gegend zu erfahren und geeignete Schutzmaßnahmen zu eruieren, wurden Geräte zur Aufzeichnung der Geräuschkulisse aufgestellt.  Dieses Projekt war unter anderem Thema beim Huawei-Event „Tech for a green world“ in Wien. Die futurezone hat sich am Rande der Veranstaltung mit Radosław Kędzia, Vizepräsident des Telekommunikationskonzerns für Europa, über die laufenden Projekte, Nachhaltigkeit und den Umgang mit den US-Sanktionen gesprochen.

futurezone: Das Projekt am Neusiedler See läuft seit August. Was sind die bisherigen Ergebnisse?
Radosław Kędzia: Als Technologiepartner haben wir über 70 Geräte installiert, die die Geräusche der Vögel und Amphibien in diesem Gebiet aufzeichnen können. Bisher konnten wir ca. 11.600 Stunden Sound aufnehmen, 4.000 GB Daten bzw. 700.000 Dateien sammeln. Die wichtigste Phase wird aber die Beobachtung der Kommunikation der Fauna während der Fruchtbarkeitsperiode sein, die gerade beginnt. Die Ergebnisse kommen dann von der akademischen Einrichtung und der Nationalparkverwaltung.  Die ersten Phasen waren recht vielversprechend, aber das Projekt wird noch ein Jahr laufen und wir sind schon sehr gespannt auf die Fortschritte.

Wie funktioniert die Auswertung?
Die Datenbestände werden in die IT-Systeme eingespeist und können dank dem Einsatz von künstlicher Intelligenz und Algorithmen mit weniger Personaleinsatz verarbeitet werden, wobei ein Teil des Prozesses automatisiert wird. Das ist sehr viel effizienter, als diese Daten manuell zu sammeln und die Ergebnisse erst in den nächsten 7 bis 10 Jahren zu bekommen, was zu spät sein könnte. Die Technologie verkürzt die benötigte Zeit und macht die Daten viel zuverlässiger und aussagekräftiger, um die richtigen Entscheidungen für den Erhalt dieses Ökosystems zu treffen.

Fotos des Forschungsprojekts beim Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel

Gibt es vergleichbare Projekte von Huawei in anderen europäischen Staaten?
Wir konzentrieren uns auf eine Vielzahl von Projekten mit sozialer Wirkung. In Österreich liegt der Schwerpunkt auf dem Naturschutz des Nationalparks. Ähnliche Projekte haben wir auch in Polen und Norwegen. Auch in Griechenland existiert ein Projekt. Dort fokussieren wir uns auf die Prävention von Waldbränden.

Wie wird das technologische Wissen an Universitäten und Betriebe in Europa weitergegeben?
Wir sind einer der weltweit führenden Technologieentwickler, der zweitgrößte Forschungs- und Entwicklungsinvestor in Europa und die Nummer 1 bei den Patenten. Wir entwickeln also viele Technologien und Dinge, die für die akademischen Gremien vielleicht noch nicht sichtbar sind. Daher fühlen wir uns dafür verantwortlich, unser Wissen mit der jungen Generation zu teilen, die zu Unternehmer*innen und Geschäftsleuten in der neuen Welle von Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen heranwachsen wird. Wir tun dies durch unsere „Seeds for the Future“-Initiative und IKT-Akademien, die wir in jedem Land meiner Region betreiben. Außerdem arbeiten wir mit den Universitäten zusammen und teilen mit ihnen unsere Plattformen für künstliche Intelligenz sowie unsere Forschung. 
Wir haben auch eine große Anzahl von Partnern hier, von Vertriebshändlern bis zu Dienstleistungspartnern, denen wir helfen ihre Geschäftsprozesse zu modernisieren. Wir geben ihnen viel Know-how und Produkte. Außerdem unterstützen wir auch neue Start-ups dabei, ihre Ideen zu teilen und zu monetarisieren.

Wieso brauchen europäische Unternehmen und Bildungsinstitutionen diese Hilfe?
Europa hat viele kluge Köpfe und betreibt eine Menge großartiger Forschung, aber in der Regel ist man meist auf die Technologien anderer angewiesen. Wir brauchen in Europa Daten- und Technologieunabhängigkeit, um unsere eigenen Prozessoren, KI und eigene Cloud zu entwickeln. 
Derzeit konkurrieren der ferne Westen und der ferne Osten miteinander. Europa ist dazwischen ein kleiner Mitspieler, der ein großes Potenzial hat, das aber nicht voll ausgeschöpft wird.

Während der Veranstaltung wurde viel darüber gesprochen, wie der Einsatz von Technologie dem Umweltschutz nutzen kann. Ist es nicht auch notwendig, den Einsatz von Technologie zumindest in einigen Bereichen zu reduzieren?
Nicht unbedingt, dank der Technologie verwenden beispielsweise Eisenbahnen keine fossilen Brennstoffe mehr, sondern werden mit Strom betrieben. Wir müssen nur dafür sorgen, dass der Strom für die genutzte Technologie aus grünen Quellen stammt, um sicherzustellen, dass sie nachhaltig ist.

Wie verändert sich Huawei selbst, um nachhaltig zu arbeiten?
Alle unsere Produkte, die wir entwickeln, werden energieeffizient entworfen, hergestellt und geliefert. Ein Teil unserer R&D-Vorhaben ist auf die Erforschung von Rohstoffen ausgerichtet, um Materialien zu verwenden, die weniger Energie erfordern. In den letzten Jahren haben wir zudem unser Portfolio reformiert und können Stromversorgungs-Geräte anbieten, die wirklich erstaunlich sind. Zum Beispiel umfasst unser Angebot Photovoltaikanlagen und sehr effiziente Wechselrichter. Es geht uns nicht nur darum, wie man Strom erzeugt, sondern auch wie man ihn effizient erzeugt. Außerdem bieten wir Produkte, die Energie speichern, um eine kontinuierliche Energieversorgung zu sichern.

Ein Thema der technologischen Nachhaltigkeit ist das Recycling und die Möglichkeit der einfachen Reparatur defekter Geräte. So werden weniger Rohstoffe benötigt und es werden weniger Metallabfälle produziert. Welche Anstrengungen unternimmt Huawei in diesem Bereich?
Es ist ein Thema, das Technikunternehmen schon seit geraumer Zeit beschäftigt. Es tut mir leid zu sagen, dass es noch niemand vollständig geschafft hat. Wir forschen daran, wie man es am besten umsetzt. Wir haben einige Ideen und Fortschritte, aber noch nichts, das so umwerfend ist, um es zu präsentieren.

Huawei hat nach dem US-Embargo angekündigt, ein alternatives Betriebssystem für seine Smartphones anzubieten. Bis jetzt ist HarmonyOS nur in China verfügbar. Soll es auch auf Geräten in anderen Ländern angeboten werden?
Es wird nach Europa kommen, wenn wir denken, dass das Ökosystem reif genug und bereit ist. China ist der größte Markt der Welt – also denke ich, dass HarmonyOS dort ziemlich gut wächst. Auch unser HMS ist überall verfügbar und ist neben iOS und GMS eine sehr gute Alternative. Damit kein Duopol besteht, sehen wir es als Verantwortung die Entwicklung dieses Systems voranzutreiben.

Berichten zufolge plant Huawei seine Smartphone-Designs an andere Unternehmen lizenzieren, um zu wichtigen Komponenten Zugang zu erhalten. Hat das Unternehmen also einen Weg gefunden, die Sanktionen zu umgehen?
Nein, wir haben keine solche Intention oder verwenden Chip-Tricks, um die Sanktionen zu umgehen.  Wir konzentrieren uns auf unsere Forschung und unsere Kompetenzen, um unser Ökosystem auszubauen. Natürlich werden die Leute immer über Dinge spekulieren, bei denen sie sich nicht sicher sind, aber ich werde das überhaupt nicht bestätigen. Bezüglich dem Betriebssystem kann ich sagen: Android ist ein Open-Source-System. Wir haben es auch verwendet, bevor HarmonyOS zum Mainstream wurde. Viele Unternehmen haben Android auf ihren Handys lizenziert, weil es kostenlos ist. Wenn sich eines Tages andere Unternehmen dafür entscheiden, unser HarmonyOS auf ihren Telefonen zu lizenzieren – warum sollten wir sie daran hindern?

Ein weitere Konsequenz der US-Sanktionen ist, dass Huawei den Zugang zu wichtigen Komponenten verloren hat. Die angebotenen Smartphones können daher keine 5G-Fähigkeit aufweisen. Welche Lösungen stehen dafür in Aussicht?
Wir wissen, dass wir das bewältigen müssen. Wir sind führend in der 5G-Technologie, daher glauben wir, dass es ein vorübergehendes Problem ist. Huawei arbeitet hart daran, dass unsere Kund*innen alle Funktionen auf ihren Telefonen nutzen können.

Huawei hat vergangenes Jahr in Kooperation erstmals ein Elektroauto präsentiert. Wie hebt sich dieses Fahrzeug von den anderen auf dem Markt ab?
Lassen Sie mich klarstellen, wir werden niemals Elektroautos herstellen. Wir haben einige Netzwerkprodukte, aber wir betreiben nie selbst ein Netzwerk. Wir unterstützen Lösungen für die Netzbetreiber und bieten Netzkomponenten an. Diese bauen darauf aufbauend ihre eigenen Netze auf, um das 4G/5G-Signal für ihre Endkunden bereitzustellen. Für das Auto-Ökosystem sind wir ein Unternehmen, das den Autoherstellern Lösungen rund um die elektrischen Fahrzeugsysteme wie den Batteriemotor und die Ladegeräte anbietet. Außerdem haben wir Computersysteme, Unterhaltungssysteme und Chips für künstliche Intelligenz an Bord der Fahrzeuge entwickelt. Huawei hat eine Kooperation mit manchen Autoherstellern in China, die Fahrzeuge auf der Grundlage unserer Technologie herstellen. Wir verkaufen sie aufgrund einer Vertriebsvereinbarung in unseren Geschäften in China, aber wir stellen sie nicht her.

Werden sie diese Fahrzeuge auch in Europa verkaufen?
Ich kann das weder bestätigen noch dementieren.

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Armin Nadjafkhani

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Redakteur bei der futurezone seit Oktober 2021 Interessiere mich für Wissenschaft, Technologie und Medien, aber auch für Hiphop und Filmwerke.

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