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3 Jahre ohne Google: So gut funktionieren Huawei-Handys heute

Nicht ganz 3 Jahre ist es her, als Huawei verboten wurde, Google-Dienste auf seinen Smartphones anzubieten. Als sich die allgemeine Verwirrung legte, schwelte noch einige Monate die Hoffnung, dass das US-Handelsembargo vielleicht doch aufgehoben wird.

Doch seit geraumer Zeit ist klar, dass es keine baldige Rückkehr der Google-Apps auf Huawei-Smartphones geben wird. Stattdessen arbeitet der chinesische Technologiekonzern intensiv an der Entwicklung eines eigenen Betriebssystems und am Aufbau eines hauseigenen Ökosystems.

Wir haben uns auf dem aktuellen Flaggschiff-Gerät - dem Huawei P50 Pro - angesehen, wie das Huawei-Ökosystem derzeit im Alltag funktioniert und wie es im Vergleich zu Apples iOS und Googles Android dasteht. Das Review des P50 Pro ist übrigens hier zu finden.

Das erfahrt ihr in diesem Artikel:

  • Welches Betriebssystem läuft auf Huawei-Handys eigentlich?
  • Wie lässt sich ein Huawei-Betriebssystem bedienen?
  • Wie installiert man Apps auf einem Huawei-Handy?
  • Welche Apps gibt es in der Huawei App Gallery?
  • Wie installiert man Apps, die nicht in der App Gallery vorhanden sind?
  • Was sind Quick-Apps?
  • Wie steht es um die Sicherheit von Apps aus der Huawei App Gallery?
  • Wie werden Apps aktualisiert?
  • Wie sieht es mit Maps aus?
  • Petal Search: Wie gut funktioniert die Google-Alternative?
  • Gibt es am Huawei-Handy auch einen personalisierten Feed?
  • Was haben Huaweis eigene Apps zu bieten?
  • Wie sieht es mit Datenschutz aus?

HarmonyOS läuft nur auf jenen Geräten, die in China verkauft werden

    Welches Betriebssystem läuft auf Huawei-Handys eigentlich?

    Bereits kurz nach Inkrafttreten des Android-Banns hat Huawei vollmundig angekündigt, dass man ohnehin auf eine solche Situation vorbereitet sei und ein nahezu fertiges, alternatives Betriebssystem in der Schublade habe.

    Das war wohl eher ein Bluff. Denn auf der internationalen Version des aktuellen Huawei P50 Pro ist von HarmonyOS keine Spur. Das Flaggschiff-Gerät läuft nämlich noch immer unter einer quelloffenen Version von Android - darüber liegt die Huawei-Benutzeroberfläche EMUI 12. Nur jene Handys, die in China verkauft werden, sind mit HarmonyOS ausgestattet.

    Gibt Unterschiede bei der Bedienung?

    Wer das Huawei-Handy erstmals in Betrieb nimmt, sich zunächst nur an der Oberfläche bewegt oder das Einstellungsmenü durchforstet, wird kaum Unterschiede zum herkömmlichen Google-Android feststellen. Die Handhabung der Benutzeroberfläche ist in diesem Sinne weitestgehend deckungsgleich.

    Auch das Pull-Down-Menü für einen Schnellzugriff auf WLAN, Bluetooth, Helligkeit oder Flugmodus ist nicht von anderen Android-Phones zu unterscheiden. Selbiges gilt für die Navigationsgesten.

    Huawei EMUI 12: Homescreen & Settings

    Wie installiert man Apps auf einem Huawei-Handy?

    Wenn nach einer ersten Inspektion die Installation von Apps ansteht, beginnt der Spaß - oder besser gesagt, die Verwirrung und der Ärger. Die erste Anlaufstelle, um neue Anwendungen zu finden und zu installieren ist die Huawei App Gallery.

    Die Navigation im offiziellen Huawei-App-Store ist weitgehend eine Frage der Gewohnheit und des Geschmacks. Auffallend an der Huawei App Gallery sind allerdings die häufig auftretenden Werbeeinschaltungen, die für meinen Geschmack etwas zu weit gehen – vor allem die Display-füllenden Werbungen, die man erst nach ein paar Sekunden wegschalten kann. Auch die Sortierung der einzelnen Anwendungen und die Einteilung in verschiedene Genres finde ich unübersichtlich und wenig durchdacht.

    Wer jedoch gezielt eine bestimmte App installieren möchte, wird ohnehin nur das Suchfeld benötigen. Doch bei den dort angezeigten Sucherergebnissen werden viele Nutzer*innen verwirrt und verunsichert werden.

    Unter der App-Bezeichnung wird angeführt, aus welcher Quelle die Anwendung installiert wird

    Welche Apps gibt es in der Huawei App Gallery?

    Es ist nämlich so: Hat man Glück, ist die App im offiziellen Huawei-App-Store vorhanden und kann wie gewohnt installiert werden. Was die Anzahl an Apps betrifft, hat sich in den vergangenen Jahren einiges zum Positiven entwickelt.

    So sind mittlerweile zahlreiche lokale und regionale Apps offiziell im der App Gallery zu finden: Beispielsweise die Apps der heimischen Banken, ÖBB, Post, ORF, Mobilfunker, Amazon, News-Seiten, ÖAMTC und viele andere.

    Obwohl die Anzahl an Anwendungen in der App Gallery stetig zunimmt und der App-Store bereits einiges zum Vorweisen hat, sind dort längst nicht alle Anwendungen verfügbar, die man vom Google-Android oder iOS gewohnt ist.

    Verfügbare Apps in der Huawei App Gallery

    Welche Apps gibt es in der Huawei App Gallery?

    Auf Pfeil klicken, um Liste zu öffnen / schließen

    Google-Apps

    • Google Chrome - aus externen App-Store / kein Login möglich
    • Google Maps - aus externen App-Store / kein Login möglich
    • Google Photos - aus externen App-Store/ kein Login möglich
    • Google Gmail - aus externen App-Store / funktioniert nur als Client für externe Mail-Adressen
    • Google Gboard - aus externen App-Store
    • Google News - funktioniert nicht
    • Google Calendar - funktioniert nicht
    • Google Drive - funktioniert nicht
    • Google Keep - funktioniert nicht
    • Google Family Link - funktioniert nicht
    • Google Docs - funktioniert nicht
    • YouTube - funktioniert nicht

    Social Media

    • Instagram - aus externen App-Store
    • TikTok - in App Gallery vorhanden
    • Facebook - aus externen App-Store
    • Twitter - aus externen App-Store
    • Reddit - aus externen App-Store
    • Twitch - Quick-App / aus externen App-Store
    • Snapchat - in App Gallery vorhanden

    Messenger

    • WhatsApp - APK von offizieller WhatsApp-Website
    • Signal - aus externen App-Store
    • Schoolfox - in App Gallery vorhanden
    • Kidsfox - in App Gallery vorhanden

    Musik

    • Spotify - aus externen App-Store
    • Mixcloud - aus externen App-Store
    • Sonos - aus externen App-Store
    • Shazam - aus externen App-Store
    • Soundcloud - aus externen App-Store
    • TuneIn - aus externen App-Store

    Video-Streaming

    • Netflix - aus externen App-Store
    • ORF TVThek - in App Gallery vorhanden
    • Disney+ - aus externen App-Store
    • Amazon Prime Video - aus externen App-Store
    • ZAPPN - in App Gallery vorhanden
    • Drei TV - in App Gallery vorhanden
    • ZDF Mediathek - in App Gallery vorhanden
    • VLC Player - in App Gallery vorhanden

    Shopping

    • Amazon - in App Gallery vorhanden
    • Zalando - nicht möglich
    • H&M - Quick App
    • IKEA - Quick App / aus externen App-Store
    • Willhaben - in App Gallery vorhanden
    • Geizhals - in App Gallery vorhanden
    • Jö - in App Gallery vorhanden

    Lieferservice

    • Mjam - nicht möglich
    • Lieferando - in App Gallery vorhanden

    Banking

    • Erste Bank - in App Gallery vorhanden
    • Raiffeisen Elba - in App Gallery vorhanden
    • Hypo Mein Elba-App - in App Gallery vorhanden
    • Bank Austria - in App Gallery vorhanden
    • Bawag P.S.K - in App Gallery vorhanden
    • Easybank - in App Gallery vorhanden
    • Revolut - in App Gallery vorhanden
    • N26 - nicht möglich

    Mobility

    • ÖBB - in App Gallery vorhanden
    • Wiener Linien - nicht möglich
    • VOR (AnachB) - in App Gallery vorhanden
    • Handyparken - aus externen App-Store
    • ÖAMTC - in App Gallery vorhanden
    • Bergfex - nicht möglich
    • VVT - in App Gallery vorhanden
    • Salzburg Verkehr - in App Gallery vorhanden
    • Uber - Quick App / aus externen App-Store
    • ShareNow - aus externen App-Store
    • Bolt - in App Gallery vorhanden

    News

    • Feedly - aus externen App-Store
    • Pocket - aus externen App-Store

    Produktivität

    • Slack - aus externen App-Store
    • Microsoft Teams - Quick App / aus externen App-Store
    • Microsoft Outlook - Quick App / aus externen App-Store

    Reise

    • Booking - in App Gallery vorhanden
    • Airbnb - Quick App / aus externen App-Store
    • Expedia - aus externen App-Store
    • Trivago - in App Gallery vorhanden
    • Vrbo - aus externen App-Store
    • Checkfelix - aus externen App-Store
    • FlixBus - aus externen App-Store

    Tools

    • Speedtest Ookla - in App Gallery vorhanden
    • Dropbox - aus externen App-Store
    • LastPass - aus externen App-Store

    Smart Home

    • Netatmo Energy - aus externen App-Store
    • Xiaomi Mi Home - aus externen App-Store
    • Kasa (Smart Plug) - aus externen App-Store

    Sonstiges

    • Grüner Pass - in App Gallery vorhanden

    Airlines

    • Austrian Airlines - in App Gallery vorhanden
    • Lufhansa - in App Gallery vorhanden
    • British Airway - Browser-App
    • Emirates - in App Gallery vorhanden
    • Turkish Airlines - in App Gallery vorhanden
    • Ryan Air - in App Gallery vorhanden
    • Wizz Air - Quick App / aus externen App-Store
    • Qatar Airways - in App Gallery vorhanden
    • KLM - in App Gallery vorhanden
    • AirFrance - in App Gallery vorhanden

    Wie installiert man Apps, die nicht in der App Gallery vorhanden sind?

    Um solche Apps dennoch für Huawei-Nutzer*innen zur Verfügung stellen zu können, greift Huawei auf Drittanbieter-App-Stores zurück und hat zum Teil deren Katalog in seine eigene Suche indexiert. Allerdings scheinen nicht alle Apps aus externen Stores in der App-Gallery-Suche auf. Daher ist es so manches Mal notwendig, direkt in den Drittanbieter-App-Stores nach Anwendungen zu suchen.

    Ein Beispiel: Wer nach der Dropbox-App sucht, wird sie in der App Gallery zunächst nicht finden. In den Sucherergebnissen scheint das Dropbox-Icon allerdings weiter unten auf, unter der Rubrik: "Results from Petal Search". Dort gibt es einen kleinen Hinweis darauf, dass die Anwendung aus dem Drittanbieter-App-Store APKPure installiert werden kann.

    Die ersten Schritte, um Dropbox zu installieren

    Zahlreiche Einwilligungen und Bestätigungen notwendig

    Klickt man auf "Installieren" wird man darauf hingewiesen, dass man nun den offiziellen Huawei-App-Store verlässt und sich die App aus einer anderen Quelle holt. Nach einer Bestätigung wird man an den APKPure-Store weitergeleitet und erneut gefragt, ob man die App auch wirklich installieren will.

    Daraufhin beginnt der Download der entsprechenden APK-Datei. Sobald dieser abgeschlossen ist, wird nochmals die Zustimmung eingeholt und darauf hingewiesen, dass es eigentlich gefährlich ist, Apps aus externen Quellen zu installieren.

    Anschließend wird die App automatisch auf Schadsoftware gescannt und es erscheint erneut ein Interaktionsfeld, bei dem man nochmals auf "Install" klicken muss. Schließlich ist der Installationsprozess fertig und die App befindet sich auf dem Smartphone.

    Die weiteren Schritte, um Dropbox zu installieren

    Manche Apps und Funktionen verlangen nach Google

    Ob die jeweilige App dann tatsächlich funktioniert, ist nicht garantiert. Manche Anwendungen verlangen die Google Mobile Services (GMS), um einwandfrei verwendet werden zu können. Dropbox beispielsweise verlangt zwar nach den GMS, wodurch etwa die Plus- beziehungsweise Premium-Features nicht funktionieren. Abseits der Premium-Funktionen lässt sich die App aber wie gewohnt verwenden.

    Manche Apps, beispielsweise WhatsApp, werden weder aus dem eigenen noch aus einem externen App-Store geladen. Hier verweist die Suche der App Gallery direkt auf die Website von WhatsApp, wo die APK der App heruntergeladen werden kann.

    Fragwürdige Quellen für Anwendungen

    Bei den Drittanbieter-App-Stores greift Huawei hauptsächlich auf APKPure oder auf APKMonk zurück. Dort werden auch Google-Apps zum Download angeboten. Allerdings lassen sich nicht alle davon auf einem Huawei-Handy installieren. Google Maps kann etwa installiert und genutzt werden. Allerdings ist ein Anmelden mit dem Google-Konto nicht möglich. Andere Google-Apps - Calendar, News, Docs, oder Drive - können zwar installiert werden, lassen sich allerdings nicht öffnen.

    Selbst wenn die Stores von APKPure, Aptoide und APKMonk als mehr oder weniger vertrauenswürdige App-Store-Alternativen gelten, kann man sich nie sicher sein, was man sich tatsächlich auf seinem Handy installiert. Besonders vorsichtig sollte vor allem bei jenen Apps sein, die ein Login verlangen, die zahlreiche persönliche Informationen beinhalten oder bei denen man gar seine Zahlungsinformationen hinterlegt.

    Quick-Apps werden mit einem blauen Zusatz-Symbol angezeigt

    Was sind Quick-Apps?

    Das ist aber noch nicht alles, denn es gibt noch eine weitere Möglichkeit, Apps auf einem aktuellen Huawei-Handy zu installieren, nämlich die Quick-Apps. Dabei handelt es sich laut Huawei um abgespeckte Anwendungen, die nur einen Bruchteil des Codes einer nativen App umfassen und ohne klassische Installation auskommen.

    Rein optisch handelt es sich hier in den allermeisten Fällen um eine bessere Browser-Version der jeweiligen Anwendungen. Diese Quick-Apps werden als Icon am Home-Screen hinterlegt und sind mit einem weißen Blitz auf blauem Hintergrund gekennzeichnet.

    Irritierende Angaben in der App Gallery

    Was mich in der App Gallery noch irritiert hat: Sucht man nach Apps, wird in den Sucherergebnissen angezeigt, wie oft die jeweiligen Apps bislang installiert wurden. Und diese Angaben können nie und nimmer stimmen.

    Die Jö-App beispielsweise wird niemand außerhalb Österreichs auf sein Handy laden. Die Huawei App Gallery zeigt allerdings an, dass diese App mehr als 3 Millionen Mal installiert wurde, aber nur 14 Bewertungen erhalten hat.

    Woher diese Zahl kommt, ist nicht herauszufinden. Mehr oder weniger ausgeschlossen ist, dass die Jö-App über die Huawei App Gallery mehr 3 Millionen Installs verzeichnet. Auch bei anderen regionalen Anwendungen ist die Angabe über die Anzahl der Installationen ähnlich überzogen.

    Das Problem dabei ist, dass man sich als User*in hinters Licht geführt fühlt und das Vertrauen in das neue Ökosystem darunter leidet. Und genau ein solches Vertrauen hätte Huawei mehr als dringend notwendig.

    Wie sicher sind Apps aus der Huawei App Gallery?

    Apple und Google werden bekanntlich nicht müde zu betonen, dass nur ihre App-Stores Sicherheit garantieren; nur diese quasi-monopolistische Infrastruktur würde uns Nutzer*innen vor dem "Wilden Westen" an Apps schützen. Und dennoch tauchen regelmäßig schadhafte Apps in den genannten App-Stores auf, die es auf die Daten von User*innen abgesehen haben oder irgendwelche anderen fragwürdigen Ziele verfolgen.

    Bei der Huawei App Gallery wird es wohl nicht viel anders aussehen. Im Großen und Ganzen dürften vertrauenswürdige Anwendungen aus dieser Quelle angemessenen Sicherheitsstandards unterliegen. Wie gut diese Qualitätskriterien tatsächlich sind, wird sich aber vermutlich erst zeigen können, wenn die Zahl der Nutzer*innen nach oben geht und die Apps dementsprechend mehr Beachtung finden.

    Wie werden Apps aktualisiert?

    Die Updates der einzelnen Apps werden in der App Gallery verwaltet. Jene Anwendungen, die direkt aus dem offiziellen Huawei-App-Store installiert wurden, können in der App Gallery aktualisiert werden - auch vollautomatisch.

    Gibt es ein Update für eine App, die ursprünglich aus einem externen App-Store stammt, wird das ebenso in der App Gallery unter dem Menüpunkt "Updates" angezeigt. Will man ein solches Update einspielen, wird man zum externen App-Store weitergeleitet. Dort muss dann die App allerdings komplett neu installiert werden.

    Apps aus externen Quellen müssen für ein Update komplett neu installiert werden

    Wie sieht es mit System-Updates aus?

    Eine offizielle Angabe von Huawei zu System-Updates gibt es nicht. Vielleicht deswegen, weil Huawei selbst nicht genau weiß, wie es mit den Betriebssystem-Chaos in den kommenden Monaten und Jahren weitergehen wird. Möglicherweise ändert sich das, wenn alle Huawei-Geräte standardmäßig unter dem hauseigenen HarmonyOS laufen.

    Aktuell sieht es leider ziemlich traurig aus, was System-Updates und Sicherheits-Aktualisierungen betrifft. Das Huawei P40 Pro, das in Österreich im März 2020 erschienen ist, hat nämlich noch kein einziges größeres System-Update erhalten und steht noch immer bei EMUI 10.1 beziehungsweise Android 10.

    Das Android-Sicherheitspatch-Level zeigt "1. Oktober 2020". Das 2020er-Flaggschiff ist also seit fast eineinhalb Jahren mit keinem Sicherheits-Update mehr versorgt worden.

    Wie sieht es mit Maps aus?

    Was auf herkömmlichen Android-Handys Google Maps ist, ist auf Huawei-Phones die Anwendung "Petal Maps". Das Kartenmaterial dafür stammt von TomTom und anderen Anbietern. Rein oberflächlich betrachtet, unterscheidet sich Petal Maps gar nicht sehr von Google Maps.

    Es gibt die Möglichkeit, Routen zu planen - sowohl mit dem eigenen Auto als auch mit dem Fahrrad, zu Fuß oder per öffentliche Verkehrsmittel. Auch die Meta-Informationen zu den Adressdaten scheinen recht reichlich vorhanden zu sein. Geht man allerdings etwas ins Detail, wird deutlich, dass Petal Maps noch lange nicht dort ist, wo Google Maps heute steht.

    Andere Apps greifen natürlich auch auf das Kartenmaterial von Petal Maps zu

    Fehleranfällig bei Adressangaben

    Die Routenplanung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zumindest was das Wiener Stadtgebiet betrifft, funktioniert im Grunde einwandfrei. Auch die Echtzeit-Verkehrsanzeige bei der PKW-Routenplanung sieht recht zuverlässig aus. Beim Auffinden von korrekten Adressen für etwaige Routenplanung wird es dann allerdings ziemlich fehleranfällig.

    Ein Beispiel: Plant man etwa von der Lugner City mit dem Auto zum KURIER zu fahren, wird man nicht dort ankommen, wo man hinwill. In Petal Maps ist nämlich die alte Adresse des KURIER hinterlegt, die mittlerweile seit fast 8 Jahren nicht mehr in der Lindengasse ist. Außerdem wird beim Straßennamen nicht "Lindengasse", sondern nur "Linden" angezeigt.

    Gut, gibt man halt die komplette Adresse ein: Leopold-Ungar-Platz 1, 1190 Wien. Von Petal Maps wird zunächst die Adresse ohne Hausnummer vorgeschlagen. Wählt man diesen Vorschlag aus, wird man erneut in die Irre geschickt.

    Nächster Versuch: Diesmal aber inklusive Angabe der Hausnummer. Auch wenn der nunmehrige Treffer näher am tatsächlichen Ziel ist, weiß Petal Maps selbst dann nicht genau, wo sich der Eingang zum KURIER-Gebäude befindet.

    Der rote Pfeil zeigt an, wo sich die gesuchte Adresse tatsächlich befindet.

    Verwirrende Suchergebnisse in Petal Maps

    Vielleicht ist das nur ein Zufall und ich habe beim Ausprobieren genau jene Adressen gefunden, die nicht wirklich korrekt indexiert sind. Also habe ich noch etwas weitergesucht. Eine solch arge Verfehlung konnte ich auf die Schnelle tatsächlich nicht mehr ausfindig machen. Allerdings habe ich noch eine Polizeiinspektion gefunden, die komplett falsch eingezeichnet ist, sowie einige Geschäfte und Restaurants, bei denen die Informationen nicht stimmen.

    Außerdem ist mir aufgefallen, dass die Suchvorschläge und Suchergebnisse ziemlich beliebig daherkommen. Die Suche nach "Zeiss Planetarium Wien" war nicht in der Lage, mir das richtige Planetarium anzuzeigen. Petal Maps hat stattdessen Planetarien in Tirol, Stuttgart und anderen deutschen Städten angezeigt.

    Auch die folgenden Suchanfragen nach "Planetarium Wien" beziehungsweise "Planetarium" waren wenig erfolgreich. Wüsste man nicht wie die korrekte Adresse lautet, wäre man auf ziemlich verlorenem Posten.

    Die Suche in Petal Maps hat noch größeren Aufholbedarf

    Petal Search: Wie gut funktioniert die Google-Alternative?

    Aus Nutzer*innen-Sicht ist die Petal Search stark an die mobile Suche von Google angelehnt. So können die Sucherergebnisse nach Web, Apps, Shopping, Images, News, Videos etc. sortiert werden.

    Was die Zuverlässigkeit der Suchergebnisse angeht, liegt die Petal Search eher im Bereich der Bing-Suche. An die Google-Suchergebnisse kommt die Huawei-Suche leider nicht heran.

    Petal Search

    Gibt es am Huawei-Handy auch einen personalisierten Feed?

    Wischt man am Home-Screen ganz nach rechts, kommt man zu einem personalisierten Feed. Ähnlich wie bei Googles Android erhält man dort einen Überblick über Wetter, zurückgelegten Schritte, Kalender-Einträgen und den tagesaktuellen News.

    Die dort angezeigten News werden in den allermeisten Fällen von der Squid-App, einem News-Aggregator, zur Verfügung gestellt. Die Auswahl der Quellen ist Geschmacksache, könnte meiner Meinung nach, aber etwas mehr Niveau vertragen. Außerdem finde ich das Design nicht wirklich gelungen.

    Will man einen Artikel lesen, landet man auf einer stark abgespeckten Artikel-Seite, die wohl den AMP-Seiten von Google nachempfunden sein sollen. Es gibt dort kein Logo zu sehen und das Layout des Inhaltes ist extrem reduziert, sodass es oft einfach nicht gut aussieht und man auf dem ersten Blick nicht genau weiß, auf welcher Seite man einen Artikel liest.

    Der personalisierte Feed auf einem Huawei-Smartphone

    Was haben Huaweis eigene Apps zu bieten?

    Mail, Kalender, Notizen, Browser, SMS, Health, Gallery, Wallet, Cloud, Wetter, Kontakte, Rechner ... Die nativen Apps des Huawei-Betriebssystems sind zahlreich vorhanden und lassen im Grunde keine Lücke offen. Über die Usability der jeweiligen Anwendungen lässt sich naturgemäß streiten, ein gewisses Maß an Benutzerfreundlichkeit ist bei den Apps aber weitgehend gegeben.

    Außerdem gibt es eine Wallet für Payment-Services, die sogar eine Krypto-Anbindung habe soll; es gibt eine eigene Video-App, die eine Mischung aus YouTube, TikTok und Instagram-Reels darstellt; und es gibt eine eigene Musik-App, die an Spotify angelehnt ist und ebenso ein Abo verlangt.

    Die hauseigenen Apps von Huawei

    Wie sieht es mit Datenschutz aus?

    Wie der Umgang Huaweis mit dem Datenschutz im Detail aussieht, lässt sich hier nicht beantworten. Natürlich wird an zahlreichen Stellen darauf hingewiesen, dass sich Huawei datenschutzkonform verhält und private Daten der User*innen sensibel behandelt werden.

    Im Einstellungsmenü gibt es einen übersichtlichen Überblick über die jeweiligen Berechtigungen der einzelnen Apps, die an dieser Stelle auch bearbeitet werden können. Personalisierte Werbung kann dort ebenso deaktiviert werden.

    Privacy-Einstellungen auf einem Huawei-Handy

    Fazit

    Der Android-Bann hat Huawei bestimmt auf dem falschen Fuß erwischt, von wegen man habe bereits eine fertige Android-Alternative in der Schublade. 3 Jahre nach Inkrafttreten des US-Handelsembargos müssen sich Huawei-Nutzer*innen immer noch mit einer Android-Version begnügen, die zwar bemüht wirkt, an vielen Stellen aber zahlreiche Schwachstellen offenbart.

    Die Auswahl an verfügbaren Anwendungen in der App Gallery hat in den vergangenen 2 Jahren tatsächlich stark zugenommen, sodass mittlerweile eine große Bandbreite internationaler und regionaler Apps zur Verfügung stehen.

    Der Rückgriff auf externe App-Stores wird den Nutzer*innen sehr einfach gemacht, wodurch man im Grunde auf kaum eine App verzichten müsste. Drittanbieter-App-Stores als Quelle für Anwendungen zu nutzen, kann an dieser Stelle allerdings nicht empfohlen werden.

    Auch wenn Huawei viel Energie in die hauseigenen Apps steckt und diese zum Teil raffinierte Funktionen haben, kommt die Usability des Ökosystems im Großen und Ganzen nicht an Google-Android und iOS heran.

    Mit den anfänglichen Verwirrspielen, den nicht gehaltenen Ankündigungen und irritierenden Angaben zum hauseigenen Betriebssystem, hat Huawei viel an Vertrauen verspielt. Und was ist bei einem Smartphone-Ökosystem wichtiger als das Vertrauen der Nutzer*innen? Bei einem Gerät, das ich ständig bei mir habe, wo ich private Fotos ablege und Zahlungsinformationen hinterlege, da kommt dem Vertrauen eine Schlüsselrolle zu.

    Ein solches Vertrauen muss sich das Huawei-Ökosystem erst erarbeiten. Das geht einfach nicht von heute auf morgen. Auch Google und Apple haben Jahre dafür benötigt.

    Unterm Strich stellt man sich als Konsument*in halt die Frage, was einem die Anschaffung eines neuen Produkts bringt. Niemand wird Geld für ein alternatives Produkt aufwenden, wenn dieses einen Rückschritt bei der Usability und einem reduzierten Funktionsumfangs mit sich bringt. Das kann die Spitzen-Hardware der Huawei-Smartphones leider nicht ausgleichen.

    Erst wenn der Wechsel von einem Google-Android-Handy oder einem iPhone zu einem Huawei-Phone eine ähnliche - wenn nicht bessere - Usability bringt, werden Konsument*innen den Schritt ins Huawei-Ökosystem wagen und diesen Schritt auch nicht bereuen. Bis dorthin ist es aber noch ein langer Weg.

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    Florian Christof

    FlorianChristof

    Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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