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Huawei P50 Pro im Test: Kann die Kamera noch immer überzeugen?

In diesem Artikel haben wir die Hardware des Huawei P50 Pro unter die Lupe genommen. Wie die Google-freie Software im Alltag funktioniert, haben wir in einem eigenen Artikel zusammengefasst.

Über den Launch des Huawei P50 Pro herrschte lange Zeit Verwirrung. Erwartet wurde das Spitzengerät bereits im Frühjahr 2021, vorgestellt wurde es dann im Sommer vergangenen Jahres - allerdings nur für den Markt in China. Mit ordentlicher Verspätung hat es das Huawei P50 Pro nun auch nach Österreich geschafft.

Wir haben uns angesehen, ob das P50 Pro das Zeug für ein absolutes Spitzengerät hat, wo man Abstriche machen muss und wie es mit dem Google-freien Betriebssystem aussieht.

Pro & Contra

Pro

  • Solide Hardware
  • Spitzen-Display
  • Eine der besten Smartphone-Kameras
  • Kamera mit herausragenden Zoom-Eigenschaften
  • Hohe Ladeleistung
  • Netzteil im Lieferumfang enthalten

Contra

  • keine eSIM
  • kein 5G
  • Prozessor aus dem Vorjahr
  • keinen Gorilla-Glass-Schutz
  • keine Google-Dienste
  • hoher Preis

Bekanntes, aber doch ungewöhnliches Design

Beim Design bleibt Huawei seiner bisherigen Linie weitgehend treu: Das Display zieht sich seitlich über die Ränder, die an der Längskante kaum mehr zu sehen sind. Die Selfie-Kamera ist zentriert angebracht und die Tasten - Volume und Power - befinden sich an den üblichen Stellen auf der rechten Seite.

Einen deutlichen Unterschied zu den bisherigen Huawei-Geräten und auch zur Konkurrenz gibt es beim Kameramodul auf der Rückseite. Im Gegensatz zum aktuellen iPhone oder den Samsung-Phones werden Beim P50 Pro die einzelnen Objektive nicht derart in Szene gesetzt. Huawei hat nämlich die insgesamt 4 Linsen in 2 große, kreisrunde Ausschnitte verpackt.

Technische Spezifikationen

Huawei P50 Pro

  • Maße und Gewicht: 158,8 x 72,8 x 8,5 mm, 195 Gramm
  • Display: 6,6 Zoll, OLED, 120 Hz, 1228 x 2700 Pixel, 450 ppi
  • Kamera:
    • 50 MP Hauptkamera, f/1,8, PDAF, Laser AF, OIS
    • 64 MP Teleobjektiv, f/3,5, PDAF, OIS, 3,5-facher optischer Zoom
    • 13 MP Weitwinkelkamera, f/2,2
    • 40 MP Monochrom-Kamera, f/1,6, (B/W)
  • Video: 4K mit maximal 60 fps, 1080p mit maximal 960 fps
  • Selfie-Kamera: 13 MP, f/2,4, 4K mit maximal 60 fps, 1080p mit maximal 60 fps
  • Prozessor: Snapdragon 888 4G (5 nm)
  • Speicher: 8/256 GB
  • Akku: 4.360 mAh, 60 Watt Charging, kabelloses Laden mit maximal 50 Watt
  • Software: Android 11, EMUI 12, keine Google-Dienste
  • Sonstiges: kein 5G, NFC, Wlan 802.11 a/b/g/n/ac/6, Bluetooth 5.2, microSD-Card-Slot bis 256 GB, kein Kopfhöreranschluss, Wasserschutz gemäß IP68
  • Farben: Golden Black, Cocoa Gold
  • Preis: 1.199 Euro

Hervorragendes Display

Am Bildschirm gibt es absolut nichts auszusetzen. Schon nach kurzer Zeit wird man den Display-Spezialist*innen von DxOMark recht geben: Auf Basis ihres Testverfahrens muss sich das Huawei P50 Pro im Display-Rankings nämlich nur von den aktuellen iPhones geschlagen geben.

Das OLED-Display hat eine Diagonale von 6,6 Zoll, eine Refresh-Rate von 120 Hz und eine maximale Auflösung von 1.228 x 2.700 Pixel. Helligkeitswerte in nits lässt Huawei außen vor.

Praktisch ist, dass in den Einstellungen zwischen den standardmäßigen 60 Hz, den 120 Hz und einer adaptiven Refresh-Rate gewählt werden kann. Auch bei der Auflösung hat man die Wahl zwischen High (1.228 x 2.700), Low (921 x 2.025) und Smart Resolution, bei der Auflösung, je nach Bildschirminhalt, dynamisch angepasst wird.

Kamera mit ungewöhnlichem Setup

Die Kamera und ihre Fotoqualität waren in der Vergangenheit immer das Steckenpferd von Huawei. Auch beim P50 Pro wird man nicht enttäuscht. Denn das Huawei-Flaggschiff hat wieder eine der besten derzeit verfügbaren Smartphone-Kameras. Das beweist auch der ausführliche Kamera-Test von DxOMark, bei dem das Huawei P50 Pro wieder auf dem 1. Platz landet.

Anders als die Konkurrenz setzt Huawei auf ein etwas ungewöhnlicheres Kamera-Setup: Eine Hauptkamera mit 50 MP (f/1,8) und optischer Bildstabilisierung (OIS), ein Schwarz-Weiß-Objektiv mit 40 MP (f/1,6), einem Weitwinkelobjektiv mit 13 MP (f/2,2) und einem Teleobjektiv für den 3-fachen optischen Periscope-Zoom mit 64 MP (f/3,5) und OIS.

Spitzen-Fotoqualität in allen Situationen

Schon nach den ersten Bildern wird man feststellen, dass die Fotoqualität des Huawei P50 Pro wirklich erstklassig ist. Die Bilder bestechen durch ihre detailreiche Klarheit und ihrer hohen Schärfe. Die automatische Nachbearbeitung holt dabei noch einiges aus den Ursprungsbildern heraus, hält sich aber meist zurück, sodass die Aufnahmen nicht zu poppig erscheinen.

Im Standardmodus mit der Hauptkamera erzielt man natürlich die beste Fotoqualität. Hier lassen sich sowohl bei guten Lichtverhältnissen als auch bei schwächerem Licht oder im Innenraum hervorragende Bilder aufnehmen.

Wechselt man in den Weitwinkelmodus, ist mit ganz kleinen Abstrichen zu rechnen. Bei idealen Lichtverhältnissen sind diese aber kaum zu vernehmen. Nimmt das Umgebungslicht ab, werden auch die Mängel bei der Weitwinkelkamera immer deutlicher sichtbar.

Beispielbilder: Standard, Portrait und Weitwinkel

Portrait-Mode

Auch der Portrait-Mode funktioniert einwandfrei: Neben der einer ausgesprochen guten Fotoqualität werden dabei auch die Konturen einer Person nahezu perfekt ausgeschnitten, während der Hintergrund unscharf dargestellt wird. Mit Sonnenbrillen, Kapuzen oder Hauben hat das P50 Pro keine Probleme und erkennt die Accessoires weitgehend korrekt.

Nutzt man das Sonnenlicht, ergeben sich erstklassige Bilder. Fotografiert man allerdings gegen das Sonnenlicht, hat das Huawei P50 Pro so seine Problemchen. Die Fotos werden nicht immer zufriedenstellend scharf und auch die Farbabstimmung reißt so manches Mal aus.

Beim Portrait-Mode kann man sich zwischen 1-, 2- oder 3-facher optischer Vergrößerung entscheiden - Weitwinkel ist nicht möglich. Im Nachhinein kann die Stärke der Unschärfe im Foto-Editor angepasst werden.

Brauchbarer Fotoeditor

Der Foto-Editor bietet im Grunde alles, was man zur schnellen Bildbearbeitung benötigt. Das Retuschierwerkzeug liefert je nach Bildkompositionen passable Ergebnisse, sodass man ohne weiteres mal versuchen kann, ein störendes Element per Wischgeste zu entfernen.

Im Standardmodus werden die Fotos übrigens mit einer Auflösung von rund 13 MP abgespeichert, selbiges gilt für den Weitwinkel und dem 3,5-fachen optischen Zoom.

Straßenlaterne (links) - Straßenlaterne mithilfe des Magic Erasers entfernt (rechts)

Herausragende Zoom-Fähigkeiten

Was beim Huawei P50 Pro tatsächlich überraschend gut abschneidet, ist die Zoom-Kamera. Optisch, mithilfe eines Periscope-Zooms ist eine 3,5-fache Vergrößerung möglich. Der 10-fache Zoom bedient sich optischer als auch digitaler Vergrößerung.

Während man bei der Konkurrenz beim Teleobjektiv meist einige Abstriche hinnehmen muss, bietet hier der 3,5-fache optische Zoom eine Fotoqualität, die jener der Hauptkamera nur in Details nachsteht. Dynamikumfang, Farbdarstellung, Kontrast und Schärfe sind quasi einwandfrei.

Eine wirkliche Überraschung ist beim Huawei P50 Pro aber der 10-fache Hybrid-Zoom. Die fotografischen Ergebnisse sind derart gut, dass man diese Einstellung ohne Weiteres im Alltag einsetzen kann, ohne dabei von der Fotoqualität enttäuscht zu werden. Trotz Digital-Zooms bleiben die Details der Bilder weitgehend erhalten und auch bei der Farbabstimmung und der Schärfe gibt es kaum etwas auszusetzen.

Der digitale Zoom lässt eine Vergrößerung bis zum Faktor 100 zu. Allerdings sind die Bilder, die mit dem 100-fachen Digitalzoom entstehen, unbrauchbar. Man erkennt zwar noch einigermaßen, um welches Motiv es sich handeln soll, die Fotos sind aber alles andere als ein Genuss.

Beispielbilder mit Zoom-Kamera

Night-Mode

Will man das Meiste aus dem Nachtmodus herausholen, sollte man ihn hauptsächlich mit der Hauptkamera nutzen. Dann ergeben sich brillante Fotos, die die nächtliche Stimmung entsprechend einfangen und kaum Details vermissen lassen.

Nutzt man das Weitwinkelobjektiv im Night-Mode, nimmt die Fotoqualität stark ab. Die Bilder sind zum Teil arg verschwommen und haben so manches Mal einen eigenartigen Rot-Stich.

Ähnlich sieht es beim Teleobjektiv aus: Solange eine gewisse Menge an Kunstlicht vorhanden ist, lassen sich mit dem 3,5-fachen optischen Zoom noch passable Bilder aufnehmen, die auch manches Mal einen gewissen Charme haben. In der Regel sind aber die Zoom-Bilder bei Nacht meist verschwommen und können nicht wirklich überzeugen.

Wie bei den allermeisten Handys lohnt es sich, mit dem Nacht- und Standardmodus ein wenig herumzuspielen: Manches Mal funktioniert der Standardmodus besser, ein anderes Mal lässt sich wiederum mit dem Night-Mode mehr aus den Bildern herausholen.

Beispielbilder im Nachtmodus

Videoqualität

Die Qualität der Videoaufnahmen kann sich auf alle Fälle sehen lassen: Das Bildrauschen hält sich meist in Grenzen, obwohl es so manches Mal schon deutlich zu sehen ist. Mit Licht-Schatten-Wechsel hat das P50 Pro keine Probleme und auch bei mäßigen Lichtverhältnissen geht die Videoqualität noch in Ordnung.

Die Videoqualität nimmt analog zum Umgebungslicht ab. Bei Nacht oder schlechten Lichtverhältnissen muss man sich mit einer passablen Videoqualität begnügen. Maximal möglich sind 4K-Aufnahmen mit 60 fps. Bei einer Auflösung 1080p schafft es sogar 960fps, allerdings sind hier beste Lichtverhältnisse die Voraussetzung für ein ansprechendes Ergebnis.

Auch wenn das Huawei P50 Pro eine wirklich gute Videoqualität bietet, kommt es an das aktuelle iPhone 13 Pro Max nicht heran. Wer also vor hat, ein Smartphone hauptsächlich für Videoaufnahmen zu verwenden, sollte am besten zur Apple-Konkurrenz greifen.

Selfie-Kamera

Die Selfie-Kamera löst mit 13 MP auf und bietet in der Kamera-App - neben dem Standardmodus - gleich 2 zusätzliche Weitwinkelmodi, um mehr Personen auf ein Bild zu bekommen. Im Vergleich mit der Hauptkamera zeigen sich bei der Frontkamera deutlich Unterschiede, sodass die Fotoqualität sichtbar schlechter ist.

Die Bilder wirken einfach nicht ganz so klar und scharf, manche Details sind verschwommen und die Farbdarstellung lässt einiges an Kontrast und Sättigung vermissen.

Zahlreiche lokale und regionale Apps sind mittlerweile in der Huawei App Gallery zu finden

Software

Die Software beziehungsweise das Betriebssystem sind bei den Huawei-Geräten ein eigenes Kapitel. Deswegen haben wir dazu auch einen eigenen Artikel verfasst, der hier zu finden ist.

In aller Kürze: Das Huawei P50 Pro läuft unter einer offenen Version von Android 11. Darüber liegt die Huawei-Benutzeroberfläche EMUI 12. Das hauseigene HarmonyOS ist auf der internationalen Version des P50 Pro nicht vorhanden. Google-Dienste sind dennoch keine verfügbar.

Prozessor ohne 5G

In der Vergangenheit waren die Huawei-Flaggschiffe in der Regel mit den hauseigenen Kirin-Chips ausgestattet. Durch die US-Handelsbeschränkungen ist dies allerdings nicht mehr möglich. Und so darf Huawei aufgrund einer Ausnahmeregelung auf die Snapdragon-Prozessoren von Qualcomm zurückgreifen - allerdings ohne 5G.

Angetrieben wird das Huawei P50 Pro also von einem Snapdragon 888 bei dem der 5G-Funk deaktiviert ist. Insofern kann lediglich im LTE/4G-Netz gefunkt werden. Das ist einem Spitzengerät im Jahr 2022 absolut nicht würdig - schade.

Davon abgesehen leistet der Qualcomm-Chip solide Arbeit und hat kein Problem mit ressourcenintensiven Anwendungen oder aufwendigen Kamera-Features. Die meistgenutzten Alltags-Apps laufen ohnehin wie geschmiert.

Akku und Ladeleistung

In der kurzen Testzeit ist es schwer ein abschließendes Urteil über die Akkulaufzeit zu fällen. Aufgefallen ist jedoch, dass das Huawei P50 Pro weder extra lang noch extra kurz durchhält. Über einen Tag kommt man mit dem Gerät ganz bestimmt.

Wer die höchste Auflösung und 120 Hz eingestellt hat, wird nicht über 2 Tage kommen. Reduziert man die beiden Einstellungen, könnten sich möglicherweise auch 2 Tage am Stück ausgehen

Das 66-Watt-Ladegerät ist im Lieferumfang enthalten

Wenn sich der Akku dem Ende zu neigt, ist das Huawei-Phone besonders schnell wieder aufgeladen. Kabelgebunden schafft das Gerät eine Ladeleistung von 66 Watt, kabellos sind es 50 Watt.

Im Alltag bedeutet das: Bei 5 Prozent an die Steckdose zeigt die Akkuanzeige nach 5 Minuten bereits 25 Prozent. Nach einer Ladezeit von ungefähr 15 Minuten ist der Akku zur Hälfte geladen. Besonders positiv ist, dass Huawei einen passendes 66-Watt-Netzteil samt Ladekabel im Lieferumfang bereithält.

Fazit

Mit dem Huawei P50 Pro bietet der chinesische Hersteller ein absolutes Top-Gerät. Auch nach dem Android-Bann überzeugt das Huawei-Flaggschiff mit seinen ausgezeichneten Kameraqualitäten, an die kaum ein anderes Smartphone herankommt. In praktisch allen Situationen kann die Fotoqualität des P50 Pro durch und durch überzeugen.

Das Display gehört zu den besten seiner Art und stellt so manche Konkurrenzgeräte in den Schatten. Auch am Fingerabdrucksensor, am Akku und der Ladeleistung gibt es nichts auszusetzen.

Schwierig wird es beim Prozessor und noch schwieriger wird es bei der Software. Der Snapdragon-Chip ohne 5G ist leider keineswegs zeitgemäß und fällt gegenüber der Konkurrenz zurück.

Die Google-freie Software lässt gleich mehrere Wünsche offen, die wir hier in einem eigenen Artikel zusammengefasst haben. Zwar werden die Huawei Mobile Services, die Huawei-Apps und das Betriebssystem im Allgemeinen immer besser, mit iOS oder dem Google-Android kann es bei weitem noch nicht mithalten.

Auch wenn das Gerät selbst in der obersten Liga mitspielt, wird die User-Experience durch das Betriebssystem stark reduziert. Für den Preis von 1.199 Euro bekommt man zwar ein Top-Smartphone, wird sich mit der Software aber leider einige Ärgernisse aufhalsen.

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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