B2B 05.03.2018

Niu: "Autos sind nicht für Städte gemacht"

© Bild: Niu

Warum Österreich für den E-Roller-Hersteller aus China ein Sprungbrett nach Europa ist, erklärt Joseph Constanty von Niu.

Das chinesische Unternehmen Niu will mit Elektrorollern für die Generation der Millennials die Welt erobern. Das 2014 gegründete Unternehmen zählt heute zu den größten Anbietern von Zweirädern mit Elektromotoren in China und expandiert rasch im Ausland.

In Österreich arbeitet das Unternehmen mit dem Großhändler KSR Group zusammen, um Händler in halb Europa mit seinen Fahrzeugen zu versorgen. Joseph Constanty, Director International bei Niu, hat die futurezone besucht, um über die Motivation und die Zukunftspläne von Niu zu sprechen.

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Ein Teil im Mobilitätsbild

"Wien ist ein interessanter Ort für uns. Die Stadt ist nicht zu groß und es gibt hier jede Menge kaufkräftiger, aufgeschlossener Menschen", meint Constanty. Angesichts der eisigen Temperaturen am Tag seines futurezone-Besuchs fügt der in Shanghai lebende gebürtige US-Amerikaner hinzu: "Der Winter ist klarerweise nicht so gut für Roller." Das restliche Jahr 2018 werde allerdings ein sehr interessantes Jahr, ist Constanty überzeugt, "speziell im Sharing-Bereich." 

Niu arbeitet mit zwei Scooter-Sharing-Anbietern in Wien zusammen. Das Start-up GoUrban hat 50 Niu-Roller in seiner Flotte. Auch Konkurrent Sco2t verwendet Niu-Modelle. Der Verkauf von E-Rollern stehe nicht alleine im Fokus von Niu, meint Constanty. Das Unternehmen sehe sich eher als Teil einer multimodalen Verkehrslandschaft und unterstütze daher auch Sharing stark. "Einen Motorroller zu besitzen ist nicht unbedingt notwendig. Sie sind ein Teil eines größeren Bildes. Wir erwarten von unseren Kunden nicht, dass sie jeden Tag mit ihrem Roller herumfahren."

Gemeinsamer Gegner

Auch Bikesharing-Anbieter, deren Fahrrädern man in Wien immer öfter begegnet, sieht Niu nicht als Konkurrenz. "Wer die Zustände in China kennt, weiß, es kann noch viel mehr Bikesharing-Räder in einer Stadt geben. Unsere Verkaufszahlen hat das allerdings nicht beeinträchtigt." Klar sei nur eines: In Städten sei jedes Verkehrsmittel besser als ein Auto. "Autos sind nicht für Städte gemacht."

Smartphone-Verbindung

In Österreich bietet Niu derzeit zwei Produktlinien an. Die N-Serie mit dem Elektroroller N1s ist die derzeit beliebteste. Der N1s besitzt einen 1,74 kWh-Akku und einen 1500-Watt-Motor (von Bosch). Die Reichweite beträgt 80 Kilometer. Der 10 Kilogramm schwere Akku kann aus dem Roller entnommen und in der Wohnung an der Steckdose aufgeladen werden (Ladezeit rund 6 Stunden). Jeder Niu-Roller kann mit einer Smartphone-App verbunden werden, die Echtzeit-Diagnostik und ein Werkstättenverzeichnis liefert sowie den Roller per GPS auffinden und den Besitzer bei Diebstahl-Versuchen alarmieren kann.

Der Preis für den N1s in Österreich beträgt 2549 Euro. "3000 Euro war unsere Obergrenze", meint Constanty. "Wir haben alles getan, um den Preis niedriger zu halten." Wie bei einem Smartphone könne man sich bei Niu auch nach dem Kauf Over-the-Air-Updates erwarten. "Die App benachrichtigt den Kunden, wenn es ein Firmware-Update gibt. Der Vorgang wurde ein Jahr lang getestet und ist absolut sicher. Dein Roller entwickelt sich dadurch ständig weiter."

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© Bild: Niu

Datenschutz

Durch die Verbindung des Rollers mit der App werden ständig Daten an den Hersteller weitergeleitet. "In jedem Roller sammeln wir über 200 Datenpunkte, um unser Produkt weiterzuentwickeln", meint Constanty. Im Mai 2018 werde man voraussichtlich Daten zu insgesamt einer Milliarde gefahrener Kilometer mit Niu-Rollern besitzen. Die Datenübermittlung der App können Nutzer nicht abstellen. Constanty versichert allerdings, dass auf Datenschutz großer Wert gelegt wird. "Wir geben keine Daten an Dritte weiter. Das ist auch gesetzlich nicht erlaubt."

Rasantes Wachstum

Seit 2014 habe Niu weltweit insgesamt 350.000 E-Roller verkauft, meint Constanty. Der Großteil davon entfalle auf China. In Österreich sind die Verkaufserwartungen noch nicht allzu hoch. 2017 seien rund 100 Stück der Niu-Roller verkauft worden. 2018 erwarte man sich allerdings bereits eine Verdreifachung der Verkaufszahlen.

Beim Verkauf setzt Niu auf einen standortbasierten Ansatz. Constanty: "Den reinen Online-Verkauf, wie ihn etwa Unu macht, haben wir ausprobiert. Aber physische Niederlassungen halten wir für wichtig. Es geht dabei stark um Vertrauen und das Gefühl von Qualität." In China wurden alleine im Jahr 2017 mehr als 400 Niu-Geschäfte eröffnet. In Amsterdam wurde im Jänner 2018 der erste reine Niu-Store in Europa gegründet. In Wien sind vorerst keine Shops geplant, in denen ausschließlich Niu-Produkte angeboten werden. Stattdessen setzt man auf den Verkauf bei etablierten Elektromobilitäts-Händlern.

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© Bild: Niu

Von Krems nach Europa

Der After-Sales-Support sei Niu auch sehr wichtig. Die in Gedersdorf bei Krems ansässige KSR Group habe sich dafür als idealer Partner herausgestellt. "Sie bieten uns alles aus einer Hand: Ein Backend-System für Händler, Lagerung und Versand von Ersatzteilen, Service etc. - und das in allen Ländern." Von Österreich aus werden auch Deutschland, Frankreich, Italien und Belgien mit Niu-Rollern versorgt. Constanty: "Wien ist zwar weit weg von Westeuropa, aber KSR hat ein gutes Netzwerk und überall stationierte Mitarbeiter."

Die Zukunft der Elektromobilität im Allgemeinen sieht Constanty rosig. "Die Menschen werden sich schrittweise von fossilem Treibstoff abwenden", ist er überzeugt. Zur teilweise noch schwierigen Versorgungslage mit Ladeinfrastruktur für Elektromobile, gerade in Städten, meint er: "Die Ladenetze werden schon noch kommen."

( futurezone ) Erstellt am 05.03.2018