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30.01.2017

Schiebel: Drohnen für den Umweltschutz

Drohnenhersteller Schiebel will sein Geschäft in fünf Jahren verdoppeln - durch Dienstleistungen und neue Geschäftsfelder, wie Landwirtschaft oder Umweltschutz.

Der Camcopter S-100, das Aushängeschild des österreichischen Drohnenherstellers Schiebel, ist seit zehn Jahren am Markt. Der unbemannte Helikopter, der bis zu zehn Stunden lang in der Luft bleiben und 200 Kilometer weit fliegen kann, konnte sich in verschiedensten Einsatzszenarien bewähren. Unter anderem wird er zur Suche nach Flüchtlingsbooten im Mittelmeer eingesetzt, zur Früherkennung von Piratenangriffen vor der Küste von Somalia oder zur Überwachung des Waffenstillstandes in der Ostukraine im Auftrag der OSZE.

Flugvorführung mit dem Camcopter S-100

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Geschäft läuft

Das Geschäft von Schiebel läuft. Der Umsatz von derzeit rund 50 Millionen Euro pro Jahr soll in den nächsten fünf Jahren verdoppelt werden, wie das Unternehmen bei einer Pressekonferenz am Mittwoch bekanntgab. Erweiterte rechtliche Rahmenbedingungen, die Eroberung neuer Geschäftsfelder sowie die hohe Nachfrage im Dienstleistungsbereich sollen das erwartete Wachstum ermöglichen.

Schiebel wurde 1951 gegründet und stellte zunächst kleinste Elektronikteile her. In den 1980er-Jahren beschloss Firmenchef Hans Georg Schiebel, Minensuchgeräte herzustellen. Noch heute ist Schiebel Weltmarktführer in diesem Bereich. Die Überlegung, Minen aus der Luft aufzuspüren führte zur Entwicklung des Camcopter seit dem Jahr 1994. Die Helikopter-Drohne entwickelte sich laut Schiebel-CEO Hannes Hecher zum "Arbeitstier", das als fliegende Plattform für verschiedenste Sensoren eingesetzt wird. Bis zu 50 Kilogramm Nutzlast kann ein Camcopter S-100 aufnehmen. Die Minensuche aus der Luft konnte bis heute nicht mit ausreichender Genauigkeit bewerkstelligt werden.

Neue Einsatzgebiete

Der Camcopter S-100 hat sich zum Kernprodukt von Schiebel entwickelt. Laut Hecher wird sich dies in den kommenden Jahren nicht ändern. Die Drohne, deren Preis momentan "im niedrigen einstelligen Millionenbereich" liegt, soll in den nächsten Jahren in immer breiteren Gebieten fliegen dürfen. Derzeit läuft ein Zertifizierungsverfahren bei der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA. Je weiter dieses voranschreitet, desto umfassendere Bewilligungen erhält Schiebel.

"Wir könnten dann etwa die Erlaubnis erhalten, in ganz Niederösterreich Drohnenflüge durchzuführen, etwa um im Agrarbereich den Zustand von Feldern zu evaluieren", schildert Hecher einen potenziellen zukünftigen Geschäftsbereich. Als weitere mögliche Einsatzgebiete nennt er die Verkehrsüberwachung aus der Luft, den Tagbau oder die Grenzüberwachung. Firmenvorstand Hans Georg Schiebel sieht auch Drohneneinsätze im Namen des Umweltschutzes als Chance: "Mit Umweltverschmutzung schaufelt sich die Menschheit ihr Grab. Da gibt es unendlich viel, was getan werden muss." Aus der Luft könnte man etwa das Korallensterben beobachten oder Öllecks erkennen.

Drohnenflüge werden von Schiebel seit vier Jahren auch als Dienstleistung angeboten. Unternehmen buchen dabei etwa Flüge für einen bestimmten Zeitraum und ersparen sich dadurch unter anderem die Ausbildung von Piloten und Wartungstechnikern. Laut Hecher ist der Anteil des Dienstleistungsgeschäfts am Gesamtumsatz von Schiebel auf mittlerweile 15 Prozent angewachsen.

Heimatverbundenheit

Wie CEO Hecher betont, orientiere sich Schiebel stark an Kundenbedürfnissen und profitiere vom Status als relativ kleines, flexibles österreichisches Familienunternehmen. Die Nachfrage nach Schiebel-Produkten sei groß. Das Unternehmen, das seinen Sitz in Wien hat, produziert in Wiener Neustadt und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Wiener Neustadt werden derzeit pro Jahr rund 40 neue Camcopter S-100 hergestellt. Der Großteil der insgesamt 120 Zulieferer stammt aus dem Inland. Das soll auch so bleiben. Hecher: "Wir haben ein klares Bekenntnis zu Österreich."

Der Camcopter S-100 wird in seinem aktuellen Design wohl noch einige weitere Jahre existieren, wohl auch aufgrund der strengen Zulassungsverfahren im Luftfahrtbereich, die schnelle Produktzyklen verhindern. Die Drohne wird sich aber weiterentwickeln. Derzeit wird etwa am Betrieb mit unterschiedlichen Treibstoffarten getüftelt. In ferner Zukunft könnte es schließlich eine weitere, noch größere Version des Camcopter, mit höherer Zuladungskapazität und Reichweite, geben.