B2B
10.08.2017

Sexismus: 60 Frauen wollen Google klagen

Nachdem ein sexistisches Memo eines Google-Mitarbeiters für Wirbel sorgte, könnte nun eine Klage aufgrund ungleicher Bezahlung folgen.

Über 60 aktuelle und frühere Google-Mitarbeiterinnen wollen den Internetkonzern aufgrund von Ungleichbehandlung klagen, wie der Guardian berichtet. Der Anwalt James Finberg, der an dem Fall arbeitet, erklärt, dass Frauen bei Google im Vergleich zu Männern in ähnlichen Positionen weniger verdienen. Außerdem hätten es weibliche Mitarbeiter aufgrund der frauenfeindlichen Unternehmenskultur weit schwerer, in dem Konzern aufzusteigen.

Betroffene zeigten sich in Stellungnahmen gegenüber dem Guardian „demoralisiert“ und „verstört“ aufgrund ihrer Erlebnisse. Finberg verweist darauf, dass das Ziel der Klage nicht nur ein Umdenken bei Google, sondern ein Wandel der gesamten Kultur im Silicon Valley sei. Ein Google-Sprecher erklärte lediglich, dass 60 Personen eine „kleine Stichprobe“ seien. Unterschiede bei der Bezahlung würden einzig und alleine an Position, Leistung und Standort liegen, der Prozess sei jedoch völlig geschlechtsneutral.

Umstrittenes Memo

Erst Anfang der Woche sorgte ein zehnseitiges Memo eines Google-Mitarbeiters für Schlagzeilen. Darin hieß es unter anderem, dass Männer und Frauen „biologisch bedingt“ unterschiedliche Fähigkeiten und Präferenzen hätten. Es sei also nicht verwunderlich, dass in der Technologiebranche weniger Frauen in Führungspositionen zu finden seien. Der Mitarbeiter forderte Google auf, Programme einzustellen, die unterrepräsentierte Gruppen in dem Unternehmen fördern.

Kurz nach Veröffentlichung des Schreibens zog Google Konsequenzen für den dafür verantwortlichen Mitarbeiter und entließ ihn. Auch Google-Chef Sundar Pichai meldete sich persönlich zu Wort und schrieb an seine Mitarbeiter, dass die in dem Memo getätigten Aussagen beleidigend und „nicht OK“ waren. Der entlassene Mitarbeiter bekam in Folge ein Jobangebot von Wikileaks-Gründer Julian Assange.

Fall in den USA

Google hat aufgrund der möglicherweise ungleichen Bezahlung von Frauen und Männern bereits seit einigen Monaten mit dem US-Arbeitsministerium Schwierigkeiten. Die Behörde forderte das Unternehmen auf, die Gehaltsdaten seiner Mitarbeiter offen zu legen. Das verweigerte der Konzern aber mit Verweis auf die hohen Kosten der Aufbereitung. Der Fall gipfelte in einem Rechtsstreit, der dazu führte, dass ein Gericht Google verordnen musste, die Daten bereit zu stellen.

Google ist nicht der einzige Silicon-Valley-Konzern, der mit Sexismusvorwürfen zu kämpfen hat. Unter anderem Tesla und Uber sorgten für entsprechende Negativschlagzeilen. Auch verschiedene Studien und Statistiken unterstreichen die Problematik.