B2B
31.01.2019

Tesla: Weniger Gewinn als erwartet, Model Y kommt im Sommer

Musk erwartet, dass man 2019 in jedem Quartal Gewinne verzeichnen wird. Dafür ist vor allem die effiziente Model-3-Produktion verantwortlich.

Der US-Elektroautobauer Tesla hat ein weiteres Quartal mit schwarzen Zahlen abgeschlossen, aber weniger verdient als erwartet. Zudem teilte Firmenchef Elon Musk am Mittwoch nach US-Börsenschluss mit, dass Finanzvorstand Deepak Ahuja das Unternehmen verlassen wird. Anleger reagierten nervös, die Aktie sank im nachbörslichen US-Handel um mehr als fünf Prozent. Tesla hat viele Baustellen: Während der Hoffnungsträger Model 3 nun auch China und Europa erobern soll, will man die Kosten stark senken.

In den drei Monaten bis Ende Dezember stand unterm Strich ein Gewinn von 139,5 Millionen Dollar (121,5 Mio Euro). Verglichen mit dem Vorjahr, als noch Verlust anfiel, ist das zwar ein großer Fortschritt. Dennoch hatten Analysten mit einem höheren Ergebnis gerechnet. Immerhin: Angetrieben vom reißenden Absatz des Model 3 stiegen die Erlöse um fast 120 Prozent auf 7,2 Milliarden Dollar.

Tesla soll 2019 profitabel bleiben

Nachdem Tesla im dritten Quartal mit 312 Millionen Dollar seinen bislang höchsten Gewinn erzielt hatte, warnte Musk Mitte Januar bereits, dass das Ergebnis diesmal geringer ausfallen dürfte. Seit der Unternehmensgründung 2003 hat Tesla bislang überhaupt nur viermal ein Vierteljahr mit einem Überschuss abschließen können. Im laufenden Quartal rechnet Musk nur mit einem „sehr kleinen Nettogewinn“.

Musk glaubt aber weiterhin, dass seine Firma dauerhaft profitabel wird. Tesla geht davon aus, 2019 zwischen 360 000 und 400 000 Autos auszuliefern - das würde einem Wachstum zwischen 45 und 65 Prozent im Jahresvergleich entsprechen - und jedes Quartal schwarze Zahlen zu liefern. Zum Vergleich: 2018 fiel fast eine Milliarde Dollar Verlust an, 2017 sogar fast zwei Milliarden. Um profitabel zu bleiben, soll vor allem die Produktion des Model 3 kräftig gesteigert werden, bis zum Ende des Jahres sollen 10.000 Fahrzeuge pro Woche hergestellt werden. Das soll mit dem neuen Standort in China und Effizienzsteigerungen am US-Standort erreicht werden. An der Gigafactory 1 in Fremont seien demnach bis zu 7000 Fahrzeuge pro Woche möglich, weitere 3000 sollen aus China kommen.

Unternehmen muss Kosten senken

Nach den Strapazen um den Holperstart des Model 3, der Tesla laut Musk kurz vor die Pleite brachte, hat Tesla sich zwar gefangen. Doch es bleiben viele Herausforderungen. „Der Weg vor uns ist sehr schwierig“, warnte Musk, als er jüngst ankündigte, sieben Prozent von Teslas Vollzeitstellen zu streichen. Im Brief an die Aktionäre und in einer Konferenzschalte mit Analysten betonte er jetzt erneut, wie wichtig es für das Unternehmen sei, die Kosten zu senken.

Auch Teslas Kapitalausstattung bleibt ein Thema. Im März werden 920 Millionen Dollar an Wandelanleihen fällig, die voll bedient werden müssen, wenn der Aktienkurs bis dahin nicht über die Schwelle von 360 Dollar steigt. Zuletzt lag er mit knapp 309 Dollar deutlich drunter. Immerhin stiegen die liquiden Mittel im Schlussquartal von 3,0 auf 3,7 Milliarden Dollar. Musk macht sich übers Geld ohnehin wenig Sorgen, er teasert stattdessen fleißig neue Produkte wie einen Pick-up-Truck an, der im Sommer erstmals präsentiert werden soll.

Warten auf Model Y

Das sagte Musk in einer Telefon-Konferenz mit Analysten, in der er die Quartalsergebnisse besprach. Bislang gab es lediglich Gerüchte, dass Tesla das lange angekündigte Model Y dieses Jahr öffentlich enthüllen konnte. Im Vorjahr veröffentlichte man bereits ein Teaser-Foto und Musk sprach von einem "Cyberpunk Blade Runner"-Design, bei dem "das Herz aussetzt". An technischen Details ist wenig vom Pick-Up-Truck bekannt, außer dass er mit drei Sitzreihen Platz für sechs Personen bieten, auf einen Allrad-Antrieb mit hoher Leistung sowie einen großen Akku mit hoher Reichweite setzen wird.

Euphorie an der Börse konnte der Tesla-Chef damit nicht auslösen. Anlegern schlug vor allem der Abgang von Finanzvorstand Ahuja aufs Gemüt, der seit 2008 bei Tesla ist, die Firma aber schon einmal zwischen 2015 und 2017 verlassen hatte. Einen genauen Zeitpunkt für den Rücktritt nannte Musk nicht. Zum Nachfolger wurde bereits Stellvertreter Zach Kirkhorn befördert. Für Tesla, das ohnehin von einem Manager-Exodus gebeutelt ist, ist der Verlust schmerzhaft. Ahuja führte das Unternehmen bereits durch einige schwierige Phasen, in denen die Mittel mitunter ausgesprochen knapp waren.

Tesla will nach eigenen Angaben noch dieses Jahr mit dem Planen der Produktionslinie für das Model Y beginnen. Die Serienfertigung soll Ende 2020 voraussichtlich in der Gigafactory 1 in den USA anlaufen. Darauf dürfte man sich aber nicht beschränken, laut Tesla soll das Model Y zum Teil auch in der Gigafactory 3 in China gebaut werden.