Der A380 läuft Gefahr, in den Hangers zu verstauben

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B2B
12/12/2018

Warum die Airlines den Airbus A380 loswerden wollen

Er hätte ein neues Kapitel der Luftfahrt aufschlagen sollen. Stattdessen entwickelt sich das Prestigeprojekt immer mehr zu Sackgasse.

Zwischen 2014 und 2017 wurden lediglich fünf Modelle des Airbus A380 bestellt, 15 Bestellungen wurden in den vergangenen vier Jahren storniert. Air France hat erst kürzlich bekanntgegeben, die Hälfte seiner A380-Maschinen zu verabschieden, der Leasingvertrag für fünf der insgesamten zehn Air-France-Superjumbos wird nicht verlängert. Die Zukunft des Superjumbos des europäischen Luftfahrtkonzerns steht unter keinem guten Stern.

Bei seiner Einführung im Jahr 2005 wurde das Prestigeprojekt von Airbus als "Zukunft der Luftfahrt" gepriesen. Der hätte eine neue Ära einläuten sollen. Doch recht rasch stellte sich heraus, dass sich die Airlines schwer tun, die rund 600 Sitzplätze einer Zwei-Klassen-Konfiguration zu füllen.

Große oder kleine Flugzeuge

Auch wenn sich der A380 auf zahlreichen Strecken zu einem unrentablen Vehikel entwickelte, wurde mit seiner Einführung ein neues Kapitel der Luftfahrt aufgeschlagen: Der Trend hin zu kleineren, zweistrahligen Maschinen mit großer Reichweite.

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Einerseits sind die kleineren Flugzeuge für die Airlines einfacher zu befüllen. Das hängt wiederum damit zusammen, dass die Bedeutung der großen Luftfahrt-Hubs in den vergangenen Jahren stark abgenommen hat.

Drehkreuze wie London Heathrow, New York JFK oder Frankfurt stoßen an ihre Grenzen. Diese Hubs anzufliegen, kommt den Airlines wesentlich teurer als kleinere Flughäfen anzusteuern, weshalb sie oft auch kleinere Airports bevorzugen. Auch die Frequenz des Linienverkehrs ist gestiegen, was ebenso dazu führt, dass große Flugzeuge schwerer zu befüllen sind.

Flexibler einsetzbar

Kleinere Maschinen sind zudem flexibler einsetzbar. Weil sie nicht auf extrem lange Landebahnen und spezielle Gates angewiesen sind, können sie deutlich mehr Flughäfen anfliegen können als der Superjumbo.

So gesehen ist der A380 gegenüber einer Boeing 777 - in welcher Variante auch immer - unterlegen, ebenso dem A350 oder einer Boeing 787. Dazu kommt, dass auch die Reichweiten der kleineren Maschinen - etwa die A320-Familie beziehungsweise die Boeing 737 - ihre Reichweiten steigern konnten und damit auch bis zu einem bestimmten Grad mit dem A380 konkurrieren.

Eines der teuersten Teile bei Flugzeugen sind die Turbinen und deren Wartung, sowie der Treibstoffverbrauch. Und hier ist es für eine vierstrahlige Riesenmaschine schwer mit der Konkurrenz mitzuhalten, vor allem, wenn nicht alle Sitzplätze verkauft werden konnten.

747 vs. A380

Gerade mal elf Jahre nach seiner Einführung stand der A380 kurz vor dem Aus. Mit zwanzig Neubestellungen im Jänner 2018 hat Emirates, die nahezu die Hälfte aller aktiven A380 betreibt, der Maschine das Leben gerettet und die Produktion bis 2029 gesichert.

Airbus rechnet sich mit den stetig wachsenden Metropolen und Megacities neues Potenzial für den A380 aus. Aktuell gebe es 58 Megacities, die eine Bedeutung für die Luftfahrt haben, bis 2036 soll diese Zahl laut Airbus auf 95 anwachsen. Für die damit einhergehenden steigenden Passagierzahlen, sei der A380 ideal. Die Frage ist nur, ob sich der Superjumbo so lange wird halten können.

Der Airbus A380 hat die Boeing 747 als größtes Passagierflugzeug abgelöst. An den Glanz ihrer Anfangstage kam der europäische Superjumbo aber nie heran. Auch wenn viele Airlines ihre 747 mittlerweile ausrangieren, wird der Jumbojet seit 1969 heute immer noch produziert. Die älteste noch aktive 747 hatte ihren Jungfernflug übrigens am 13. Juli 1969, das ist genau eine Woche vor der ersten Apollo-Mondlandung.