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B2B
05/06/2020

Wie Wien die 5G-Hauptstadt Europas werden will

Die Stadt Wien fördert den raschen Ausbau des 5G-Netzes mit einem Millionenbetrag. Auch die 5G-Skepsis soll berücksichtigt werden.

von Florian Christof

"Wien soll die erste Stadt Europas mit einem flächendeckenden 5G-Netz werden." Dieses Ziel gab der Wiener Digital-Stadtrat Peter Hanke bei einer Pressekonferenz am Mittwoch vor. Mit einem 20 Millionen Euro starken Förderprogramm will die Stadt dafür sorgen, dass die nötigen Investitionen in den Netzausbau rasch vorgenommen werden.

Dafür unterstützt die Stadt Wien die Mobilfunker bei der Errichtung und Inbetriebnahme neuer 5G-Antennen. Konkret umfasst das Förderprogramm Antennentragemasten, die zwischen 1. Juli 2020 und 30. Juni 2022 in Betrieb genommen werden. Durch die zeitliche Befristung will man einen Anreiz dafür schaffen, so schnell wie möglich ein flächendeckendes Wiener 5G-Netz zu errichten.

Mehr als 700 neue 5G-Antennenmasten 

Pro Mobilfunkbetreiber können bis zu 240 Anlagen mit jeweils 27.500 Euro gefördert werden. Gefördert werden allerdings nur Standorte, die auf einer Liegenschaft der Stadt Wien platziert sind, etwa Gemeindebauten, Schulen oder U-Bahnstationen.

Aktuell betreibt A1 rund 60 5G-Stationen in Wien, wie A1-CEO Marcus Grausam bei der Pressekonferenz erklärte. Magenta und Drei haben aktuell rund 20 5G-Stationen in Wien. Drei-CEO Jan Trionow schätzt, dass der Mobilfunker im Rahmen der Förderung rund 200 neue 5G-Stationen in Wien errichten wird. Die 4G-Netze kommen langsam an ihre Kapazitätsgrenzen, so Trionow. Auch daher sei ein rascher 5G-Ausbau notwendig. 

Wie mit 5G-Skepsis umgehen?

Auf die Frage der futurezone, wie die Stadt und die Mobilfunkbetreiber beim 5G-Ausbau die Skepsis gegenüber dem neuen Mobilfunkstandard begegnen, meinte Stadtrat Hanke: "Mit den Sorgen der Menschen muss man korrekt umgehen". Die Stadt werde sich überlegen, wie man den Ausbau weiter vorantreiben, aber gleichzeitig auf eine mögliche Ablehnung gegenüber 5G eingehen könne.

Magenta-CEO Bierwirth richtet im Hinblick auf 5G-Verschwörungstheorien einen Appell an Journalisten, Medien und die öffentliche Hand. Man müsse die Bevölkerung verstärkt aufklären. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass das Thema 5G von Fake News getrieben werde. Es sei nicht wünschenswert, dass sich Teile der Bevölkerung von neuen und fortschrittlichen Technologien abwenden und diese verweigern. 

Auch beim Mobilfunker Drei nehme man die Skepsis sehr ernst, erklärte Trionow. Beispielsweise stelle das Forum Mobilkommunikation (FMK), die Interessenvertretung der Mobilfunker, zahlreiche faktenbasierte Informationen zum Thema 5G zur Verfügung. 

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Anwendungsbeispiele für 5G in den Fokus rücken

Neben dem Ausbau der 5G-Infrastruktur will die Stadt Wien den Nutzen der neuen Technologie in den Mittelpunkt stellen. Bei einem entsprechenden Ideenwettbewerb hat die Stadt 4 mögliche 5G-Anwendungen ausgezeichnet. Diese Projekte zielen unter anderem auf den Einsatz von Augmented Reality für virtuelles Lernen an Wiener Schulen ab.

Auch Anwendungen im Bereich der telemedizinischen Versorgung, der Verkehrssteuerung und der Kommunikation mit Drohnen wurden ausgezeichnet. So soll etwa die Verkehrssicherheit in Kreuzungsbereichen durch Video und Edge Computing erhöht werden. Auch die Wiener Feuerwehr wird bei der Lagefeststellung mithilfe von Drohnen von Magenta unterstützt.

Außerdem wolle man Projekte für das autonome Fahren mit der 5G-Infrastruktur intensivieren, erklärt Digital-Stadtrat Hanke: "Mit 5G werden wir dem autonomen Fahren ein Stück weit näher kommen."

Es sei erfreulich wie ambitioniert die Stadt Wien aus der Krise heraus den 5G-Ausbau beschleunige, sagt Magenta-CEO Bierwirth. "Der 5G-Infrastrukturausbau ist nicht nur eine wichtige Konjunkturstütze, sondern auch ein Standortvorteil. Die Kosten pro 5G-Standort sinken und damit werden auch Hürden für rasche Digitalisierung der Stadt beseitigt", so Bierwirth.