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Digital Life

7 Dinge die man beachten sollte, bevor man bei AliExpress bestellt

Online-Shopper*innen ist AliExpress in der Regel ein Begriff. Dabei handelt es sich um eine chinesische E-Commerce-Plattform, auf der eine nahezu unüberschaubare Anzahl an Waren angeboten wird. In der Regel sind es chinesische Unternehmen, die dort ihre Produkte für den Versand in die ganze Welt verkaufen. Festland-China selbst ist kein Zielmarkt für AliExpress, stattdessen soll dort die Alibaba-Plattform Taobao genutzt werden. 

AliExpress kann für Käufer*innen aus verschiedenen Gründen attraktiv sein. So bekommt man dort sehr kuriose Produkte. Helme für Hühner werden genauso angeboten wie Donald-Trump-Socken mit echter Frisur. Und wo sonst kann man einen Zahnbelag-Detektor kaufen? 

Auch abseits dieser schrägen Produkte kann AliExpress hilfreich sein. So gibt es dort oft Geräte, die man über lokale Händler gar oder zumindest noch nicht beziehen kann. Besonders stark ist AliExpress bei diversen Ersatzteilen, egal ob für den Staubsauger oder das Auto. Nicht selten bekommt man dort Kleinteile zu kaufen, die es hierzulande partout nirgends zu geben scheint.

Bevor man bei AliExpress bestellt, gilt es jedoch einige Dinge zu beachten:

1) Vorsicht bei den Preisen

Auf den ersten Blick werden Waren auf AliExpress sehr preiswert angeboten. Hier ist es  ratsam, einen zweiten Blick darauf zu werfen. Oft gibt es von den Produkten mehrere Varianten. Ein Beispiel: Wenn ein Set Sportkleidung, bestehend aus Hose und Oberteil zum Verkauf steht, kann es sein, dass auf der Artikel-Unterseite in einer Produktvariante nur das Oberteil angeboten wird. Wenn das die günstigste Option ist, wird dieser Preis prominent auf der Übersichtsseite platziert. Dazu ein Foto, wo jedoch der Zweiteiler abgebildet ist. Erst wenn man den Artikel aufruft und diese Version auswählt, sieht man den wahren Preis. 

Ebenfalls im Blick haben sollte man die Versandkosten. Zwar sind jene dafür, dass aus China versendet wird, oft überraschend günstig, aber eben nicht immer. Vor allem bei größeren, sperrigen Produkten können die Versandkosten oft in die Hunderte oder gar Tausende Euro gehen. 

Derzeit ebenfalls bedenken sollte man den im Vergleich zum Dollar schwachen Euro. Die Produkte werden bei AliExpress in US-Dollar eingestellt. Das heißt derzeit ist es teurer dort einzukaufen, als es noch vor einigen Monaten der Fall war. 

2) Einfuhrumsatzsteuer und Zoll beachten 

Ebenfalls beim Preisthema spielen Gebühren wie Einfuhrumsatzsteuer und eventuell Zoll mit. Wenn die Waren (wie es bei AliExpress meistens der Fall ist) aus einem EU-Drittland versendet werden, fallen unabhängig vom Warenwert 20 Prozent Einfuhrumsatzsteuer ein. Zollgebühren sind immer von der Art der importieren Waren abhängig und werden unabhängig von der Einfuhrumsatzsteuer ab einem Warenwert von 150 Euro verrechnet. Der Zollsatz reicht von 0 Prozent für Smartphones, bis zu 43 Prozent für E-Bikes im Rahmen von Anti-Dumping-Maßnahmen der EU.

AliExpress hat seine Logistik so aufgebaut, dass bei einem überwiegenden Teil der Waren die Einfuhrumsatzsteuer bereits während des Kaufprozesses verrechnet und auf den Gesamtbetrag addiert wird. In der Rechnung ist das in der Regel als “VAT” ausgewiesen, was für “Value Added Tax” steht.

Sollte keine VAT beim Kaufprozess verrechnet werden, muss man damit rechnen, dass Zusatzgebühren anfallen, wenn die Verzollung erst über die Post in Österreich erfolgt. Liegt eine korrekte Rechnung bei, sind das 5 bis 10 Euro. Fehlt die Rechnung oder sind die Angaben nicht nachvollziehbar, sind es 24 Euro.

4) Lange Lieferzeiten

Händler auf AliExpress versenden überwiegend aus China. Vereinzelt haben sie zwar auch Lager in europäischen Ländern, wenn, dann ist das bei den Produkten extra vermerkt. “Spain Warehouse” oder dergleichen findet sich dann bei der Produktauswahl. 

Wenn es keinen derartigen Vermerk gibt, muss man sich auf lange Lieferzeiten einstellen. Erfahrungsgemäß dauert es bei kleinen Sendungen ab Versand grob zwischen 2 und 6 Wochen, bis man sie tatsächlich in Händen hält. Vorausgesetzt, es geht am Postweg nichts schief.

Deutsche Post DHL - Pakete

5) Verschwundene Ware, Reklamationen und Garantie

Da die Händler, von denen man kauft, auf einem anderen Kontinent sitzen, können Probleme bei der Bestellung schnell kompliziert werden. AliExpress bietet zwar theoretisch einen Käufer*innenschutz, wenn es tatsächlich zu einem Disput kommt, ist es aber dennoch nicht garantiert, dass man berechtigte Ansprüche durchsetzen kann. 

Entspricht die Bestellung nicht den Erwartungen, hat man die Möglichkeit sie zurückzuschicken - allerdings nach China. Die Versandkosten dafür sind in der Regel so hoch, dass es sich kaum lohnt. Ein ähnliches Problem hat man bei etwaigen Garantieansprüchen

Zwar garantiert AliExpress, dass man eine Rückerstattung bekommt, wenn die Waren nicht nach einer bestimmten Frist eintreffen. In der Praxis funktioniert das aber nicht immer, sofern der Händler nachweisen kann, es verschickt zu haben bzw. wenn die Tracking-Informationen anzeigen, dass das Paket angekommen ist - obwohl es nie eingetroffen ist. Schlussendlich ist man hier auf ein Entgegenkommen der Verkäufer*innen angewiesen. 

Beim Verein für Konsumenteninformation VKI bestätigt man auf Anfrage der futurezone, dass es immer wieder zu Problemen kommt, wenn Waren aus Fernost bestellt werden. "Oft hat man gar keinen Ansprechpartner oder jener ist einfach nicht erreichbar", sagt Elisabeth Barth vom Europäischen Verbraucherzentrum im VKI. Auch kann es sein, dass man bei Anfragen lediglich Standard-Textbausteine zurückbekommt, die wenig hilfreich sind. Wenn es zu Problemen auf dem Versandweg kommt, muss man sich zusätzlich noch mit dem Logistikunternehmen auseinandersetzen.

Die Expertin rät auf Vorauskasse zu verzichten, sofern das möglich ist.  "Wenn man im Voraus zahlt, dann am besten über Kreditkarte", so die Konsumentenschützerin. "Dann hat man eventuell über Chargeback die Möglichkeit, den Kaufpreis einseitig zurückzuholen", erklärt Barth. 

6) Seriöse AliExpress-Angebote erkennen

Hat man sich entschieden das Risiko auf sich zu nehmen, bei AliExpress etwas zu bestellen, sollte man den Händler der Wahl bzw. das Produkt gut unter die Lupe nehmen.

Bei einem Shop ist zu beachten, wie lange er schon geöffnet ist, wie viele Follower*innen er hat und wie die Bewertungen sind. Daran lässt sich im ersten Moment schon relativ gut ablesen, wie vertrauenswürdig er ist. Die Informationen findet man auf der Startseite des Shops, direkt unter der Suchleiste. 

Alarmglocken sollten schrillen, wenn der Preis eines Produkts ungewöhnlich niedrig ist. Auch hier unbedingt einen Blick auf die Bewertungen und die genaue Beschreibung werfen.

7) Vorsicht vor Fakes

Ein Problem bei AliExpress sind Produktfälschungen. Zwar ging AliExpress in den vergangenen Jahren verstärkt dagegen vor, man findet sie jedoch immer noch auf der Plattform. Besonders, wenn Angebote verdächtig günstig sein, heißt es aufpassen vor möglichen Fakes. 

Im allerschlimmsten Fall droht zivil- und strafrechtliche Verfolgung, wenn man wissentlich gefälschte Waren im Internet bestellt. Das kann auch mit empfindlicher Geldstrafe geahndet werden. Dieses Risiko ist aber wohl in erster Linie theoretischer Natur, in der Praxis ist das beim VKI kein Thema, wie Barth sagt. 

Restrisiko

Entscheidet man sich bei Händler*innen aus Ländern wie China zu bestellen, bleibt laut Barth immer ein gewisses Restrisiko. Man müsse damit rechnen, die Waren unter Umständen nie zu bekommen, oder ihnen monatelang hinterherzulaufen, so die Konsument*innenschützerin. Bedenken sollte man auch, dass österreichische bzw. europäische Verbraucherschützer*innen bei Problemen im EU-Ausland lediglich beratend und nicht bei der Rechtsdurchsetzung zur Seite stehen können.

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Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Streaming genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, meistens aber mit dem Smartphone.

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