Ein Foto von Jacklyn von Jänner 2021 (Ben T./Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

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Blue Origin gibt sein Landeschiff auf: Es wird verschrottet

Blue Origin verabschiedet sich von Jacklyn. Das Raumfahrtunternehmen von Jeff Bezos schickt das frühere Frachtschiff zum Schrottplatz – bevor es überhaupt eingesetzt wurde.

Blue Origin hat das Schiff Mitte 2018 gekauft. Der Kaufbetrag ist unbekannt, vermutlich waren es aber mehrere Millionen US-Dollar. Im Dezember 2020 wurde das Schiff umgetauft. Jeff Bezos verkündete, dass es ab sofort Jacklyn heißt – zu Ehren seiner Mutter.

Der Plan war, es als Landungsschiff zu nutzen, ähnlich wie es SpaceX macht. SpaceX setzt allerdings auf recht flache Schiffe. Die sind günstiger, aber empfindlich für Wellen und rauen Seegang. Blue Origins Jacklyn war früher ein RoRo-Schiff (Roll on Roll Off), mit dem etwa Pkw, Lkw oder Züge transportiert wurden. Die Bauform macht es weit unempfindlicher für Seegang.

Allerdings hat SpaceX bewiesen, dass Wellen bisher kein Problem waren. 107 Booster hat  SpaceX auf seinen flachen Schiffen bisher erfolgreich gelandet – nur ein Booster ging wegen Wellengang verloren. Ein so großes Schiff wie die Jacklyn ist also unnötig.

Die letzte Fahrt geht zum Schrottplatz

Dazu kommt noch, dass die Umbauarbeiten anscheinend schleppend vorangingen. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder kleine Bau-Teams an Bord der Jacklyn gesichtet. Große Fortschritte beim Umbau konnten aber nicht beobachtet werden.

Nach 3 Jahren verließ nun Jacklyn den Hafen von Pensacola in Florida. Ihr Ziel ist Brownsville, Texas. Es ist ihre letzte Fahrt: Dort wird sie nicht weiter umgebaut oder anders genutzt, sondern verschrottet.

Blue Origin dürfte jetzt SpaceX nacheifern. Im Juni wurde bekannt, dass das Unternehmen LAD Services damit beauftragt wurde, ein flaches, ferngesteuertes Landeschiff für Blue Origin zu bauen. Vermutlich wird es sehr stark den Drohnen-Schiffen von SpaceX ähneln -  Gerüchten zufolge ist LAD auch tatsächlich das Unternehmen, dass die SpaceX-Schiffe baut.

Langsamer Fortschritt bei Rakete New Glenn

Während Blue Origin mittlerweile regelmäßig Touristen mit seiner New-Shepard-Rakete in den Weltraum schießt, sind die Arbeiten an der größeren Rakete New Glenn verzögert. Der Erstflug sollte 2020 stattfinden, das ist bisher aber nicht passiert. Immerhin hat Blue Origin 2021 einen Testtank fertiggestellt – von einem Testflug ist man aber noch weit entfernt.

Wenn die Rakete fertiggestellt ist, soll sie 96 Meter hoch sein und einen Durchmesser von 7 Meter haben. Mit einer Nutzlast von 45 Tonnen (LEO – niedriger Erdorbit) reiht sie sich zwischen den SpaceX-Raketen Falcon 9 (23 Tonnen) und Falcon Heavy (64 Tonnen) ein. Der Booster (Erststufe) soll bis zu 25-mal wiederverwendbar sein und – wie bei SpaceX – aufrecht landen können.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

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