Romelu Lukaku (Belgien) bei der EM
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Digital Life

EM in UHD: Wie kommt das Match vom Stadion ins Wohnzimmer?

Nach langem Warten ist vor wenigen Tagen nun die Fußball-Europameisterschaft gestartet. Bedingt durch die Pandemie sind die meisten Stadien nicht ganz gefüllt, verfolgen kann man die Spiele aber dennoch live und in hoher Qualität.

In Österreich wird die EM vom ORF übertragen, 45 von 51 Spiele (Ausnahme sind sechs Parallelspielen am Ende der Gruppenphase) werden hierzulande im FreeTV übertragen.

Kameras im Stadion

Die Standard-Konfiguration in den EM-Stadien besteht aus 36 Kameras, darunter 8 Super-Slow-Mo-Kameras, 2 High-Speed Kameras, eine Kamera für Luftaufnahmen sowie Kameras in den beiden Toren. Insgesamt 8 der Kameras nehmen in nativem UHD-HDR auf, die Bilder der anderen Geräte werden hochskaliert. Bei der Fußball-WM in Russland 2018 wurden für den UHD-Feed im Vergleich zum HD-Feed zum Teil andere Bildausschnitte verwendet. So wurde etwa mit mehr Weitwinkel gearbeitet. Das ist diesmal nicht so, die Kameraeinstellungen bei HD und UDH sind die gleichen.

Insgesamt werden laut der Sports Video Group Europe 14 Feeds pro Match produziert. Dazu zählen HD-SDR, HD-HDR und UHD-HDR. Dann gibt es Feeds der beiden Mannschaften, ein „taktischer“ Feed, einer für Luftaufnahmen, einer für Außenaufnahmen der Stadien.

Die Signale aus den einzelnen Stadien werden von der UEFA in das International Broadcasting Center IBC in Amsterdam übermittelt. Dafür werden Glasfaserleitungen mit einer Länge von insgesamt 70.000 Kilometer verwendet – die längste Distanz erstreckt sich von Baku (Aserbaidschan) nach Amsterdam mit 6500 Kilometer.

Euro 2020 - Group E - Poland v Slovakia

Von Amsterdam nach Wien

Vom IBC in Amsterdam aus geht das Signal dann anschließend nach Wien. Dazu hat sich der ORF an die dort angebotenen SDI-Leitungen angeschlossen und das Signal mit JPEG200 auf 800Mb/s encodiert. Damit kommt man pro Match (reguläre Spielzeit) auf 540 Gigabyte, die nach Wien übertragen werden.

Das geschieht über ein IP-Glasfasernetzwerk der Eurovision. Das UHD Signal in den Stadien wird laut ORF in High Dynamic Range produziert. Auch in der ORF-Distribution wird HDR angeboten, das Verfahren ist durchgehend HDR10.

Im ORF Zentrum am Wiener Küniglberg wird das Signal von JPEG2000 anschließend decodiert und intern über vier 3G-SDI-Leitungen weiter verteilt. Dabei werden auch die gewohnten ORF-spezifischen Elemente eingebaut. So ergänzt ein Bildmischer die Grafiken sowie den Zusatz der Studiomoderation.

Zum Stream

Anschließend wird das Signal an den Encoder für das Online-Streaming weitergegeben. Dort wird der Feed in h.265 für UHD sowie in h.264 für alle anderen Feeds komprimiert.

Über die TVThek wird der UHD-Feed dann in folgenden Datenraten jeweils in p50 ausgegeben:

  • 24 Mbit/s in 3840x2160        
  • 16 Mbit/s in 2560x1440        
  • 10 Mbit/s in 1920x1080        
  • 7 Mbit/s in 1280x720       

Durchgehend in UHD sollte man nur dann streamen, wenn der Internetzugang über kein Transferlimit verfügt. Denn wenn man ein Spiel durchgehend in höchster Auflösung überträgt, fällt dabei ein Volumen von knapp 19 Gigabyte pro Match an.

Latenz

Viele Fußballschauer werden wahrscheinlich schon das Phänomen erlebt haben, dass die Nachbarn beim Tor deutlich früher jubeln, als man es selbst im Stream überhaupt erst gesehen hat. Das liegt an der Latenz, die beim Streaming auftritt. Augenscheinlich ist der UHD-Stream des ORF im Vergleich zum gewöhnlichen noch einmal einige Augenblicke verzögert.

Bei der WM 2018 konnte sich die futurezone davon auch im ORF-Zentrum ein Bild machen. Damals kam es im Vergleich zum Originalsignal zu einer Verzögerung von 35 bis 40 Sekunden beim UHD-Stream. Bei der aktuellen EM dürfte es ähnlich sein. Die geringste Latenz hat man in der Regel beim Signal per Satellit

UHD im ORF

Gesendet werden die Spiele in UHD auf der ORF-eigenen Streaming-Plattform TVThek. Dort kommt man – ein passendes Endgerät vorausgesetzt – in den Genuss des hochauflösenden Streams. Voraussetzungen für den Empfang der Spiele in UHD sind ein UHD-fähiger Smart-TV (die Probleme beim Streaming mit Smart-TVs von Samsung und LG sollten dank Update bald behoben werden) oder UHD-fähige Streaming-Boxen bzw. Sticks wie etwa ein Apple TV 4K oder Amazon Fire TV 4K.

Alternativ kann man den 4K-Stream auch in Edge oder Safari mit HEVC-Unterstützung (Plugin, Hardware) und einer Internet-Leitung mit „dauerhaft mindestens 25 MBit/s“ abspielen, wie es seitens des ORF heißt.

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Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Streaming genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, meistens aber mit dem Smartphone.

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