Digital Life
20.12.2018

Facebook sammelt auch Daten von Drittanbieter-Apps wie Tinder

Android-Apps wie Tinder, Grindr, Pregnancy+ und OK Cupid teilen sehr viele persönliche Informationen mit Facebook.

Die Informationen, die die Apps mit Facebook teilen, sind Dating-Profile, Gesundheitsdaten, Religionszugehörigkeit und andere intime Details. Eine Advertising-ID, die Facebook Apps von Drittanbietern zur Verfügung stellt, ist mit diesen User-Daten verknüpft. Das berichtet das öffentlich geförderte deutsche Sicherheits-Informationsportal Mobilsicher.

All diese Informationen laufen im Software Developer Kit (SDK) von Facebook zusammen, das Facebook den Anbietern von Apps zur Verfügung stellt, die ihre User mit Facebook einloggen lassen. Mobilsicher hat das bei Apps wie OKCupid, Migraine Buddy, Bible+ und Muslim Pro ausprobiert.

Daten werden geteilt

Facebook hat die Sammlung dieser Informationen nie versteckt, schreibt BuzzFeed. In der Datenschutzrichtlinie steht drin, dass sie Informationen von Drittanbieter-Apps über SDKs und APIs (Benutzerschnittstellen) sammeln. Eine Facebook-Verantwortliche hat aber gegenüber CNET angegeben, dass sie nicht zuordnen können, welche spezifischen Apps welche Daten sammeln würde. Allerdings kann Facebook über die Advertising-ID die gesammelten Daten über alle Apps hinweg einem User zuordnen.

Vielen Entwicklern mit denen Mobilsicher gesprochen hatte dachten, dass die Informationen, die Facebook bekommen, anonym seien, weil keine Namen in den Datensätzen enthalten sind. Aber die Informationen sind alles andere als anonym.

Wie der Deal funktioniert

Facebook stellt den App-Anbietern Daten zur Verfügung, wie lange sich Nutzer in einer App aufhalten und was sie anklicken. Im Gegenzug dafür bekommt das Netzwerk den Zugang zu den Daten, die die Apps gesammelt haben, um sich dann für Werbeanzeigen zu verwenden. Wenn eine Frau etwa die Pregnancy+ App nutzt, kann sie plötzlich mehr Werbung für Baby-Klamotten angezeigt bekommen.

Damit das funktioniert, reicht es, dass man sich einmal von seinem Smartphone aus auf Facebook eingeloggt hat. Man muss gar nicht permanent eingeloggt sein. Sogar wenn jemand kein Facebook-Profil hat werden die Information über die Drittanbieter-Apps in einer Advertising-ID gesammelt. Laut Facebook würden diese Informationen dann allerdings nicht verwendet oder nur dazu, um nachzuschauen, ob jemand die personalisierte Werbung abgedreht habe, heißt es in dem Bericht.

Partnerschaftsprogramm von Facebook

Erst einen Tag zuvor waren mehr Details über die Partnerschaften von Facebook mit Firmen wie Amazon oder Apple bekannt geworden, die sogar auf private Nachrichten der Nutzer zugreifen konnten. Obwohl die Features 2014 eingestellt worden waren, konnten Firmen teilweise bis 2017 auf die Daten zugreifen.

2018 geht für Facebook wohl als schwarzes Jahr in die Firmengeschichte ein: Zuerst erschütterte der Skandal um die Datenweitergabe an Cambridge Analytica das Online-Netzwerk. Die Reaktionen aus dem Unternehmen blieben zunächst aus, halbherzige Entschuldigungen und Auftritte von Unternehmenschef Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress und dem Europäischen Parlament machten es nicht besser. In Brüssel flüchtete Zuckerberg vor den kritischen Fragen der EU-Parlamentarier.