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Digital Life
04/25/2020

"Freie Mittelsitze verteuern Flugtickets um 50 Prozent"

Luftfahrtexperte Kurt Hofmann warnt vor unrealistischen Maßnahmen und einem Chaos wie nach 9/11.

von Martin Stepanek

Luftfahrtverbände und Behörden arbeiten bereits an Lösungen, wie der Luftverkehr trotz Corona-Pandemie wieder langsam aufgenommen werden kann. Im Interview mit der futurezone warnt Luftfahrtexperte Kurt Hofmann allerdings vor überzogenen Hoffnungen: "Egal, welche Lösungen wir in der Phase bis zu einem Corona-Impfstoff oder funktionierenden Medikamenten finden: Das ist und bleibt die größte Krise in der Geschichte der zivilen Luftfahrt. Die Pleitewelle kommt ja erst."

2,3 Millionen Jobs in Gefahr

Hofmann zufolge ist Europa der am schwersten betroffene Kontinent. 2,3 Millionen Jobs würden auf der Kippe stehen. Denn während größere Länder wie die USA, Russland oder China in der Übergangsphase zumindest mit Inlandsflügen den kontrollierten Betrieb wiederaufnehmen könnten, sei die Situation in Europa aufgrund der Vielzahl an kleinen Ländern und unterschiedlichen Fortschritten bei der Corona-Eindämmung ungleich komplizierter.

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Die von Luftfahrtverbänden vorgeschlagenen Maßnahmen wie Gesichtsmasken und mehr Abstand beim Boarding begrüßt Hofmann. Das Freilassen des Mittelsitzes bewertet er als unrealistisch. "Bei 15 bis 20 Prozent Auslastung, wie das bei einem Start Ende Mai oder Juni zu erwarten wäre, kann man das natürlich machen. Wenn Fluglinien auch bei größerer Nachfrage ein Drittel ihrer Plätze oder mehr freilassen müssen, werden auch die Flugtickets um bis zu 50 Prozent teurer werden müssen. Zumindest das Problem der Billigflüge hätten wir dann gelöst", sagt Hofmann.

Chaos von 9/11 vermeiden

Egal welche Maßnahmen und Vorschriften von Behörden beschlossen werden, müsse es gemeinsame, international gültige Lösungen geben. "Wenn jeder eigene Regeln verabschiedet, landen wir beim gleichen Chaos, das es unmittelbar nach 9/11 gegeben hat. Das gilt es in jedem Fall zu verhindern - schon allein aus Sicht von Fluggästen und deren Schutz", warnt Hofmann. Er plädiert für ein koordiniertes Vorgehen nationaler Luftfahrtverbände, Behörden und der internationalen Luftverkehrsvereinigung IATA.

Für den Rest des Jahres gehe es allerdings ohnehin nur mehr um Schadensbegrenzung. Hofmann geht davon aus, dass die Lufthansa ab dem 3. Quartal versuchen werde, wieder jede europäische Hauptstadt anzufliegen. Bei der Lufthansa-Tochter AUA rechnet der Luftfahrtexperte damit, dass bis Jahresende zwischen 20 bis maximal 40 Flieger eingesetzt werden können. Die aktuelle Flotte umfasst 80 Flugzeuge und soll bis 2022 auf 60 Flugzeuge reduziert werden.

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