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Digital Life
05/29/2019

Gesichtserkennung verrät Identität von 100.000 Pornostars

Die Technologie, die von einem Chinesen entwickelt wurde, sorgt derzeit auf Twitter und Weibo für Aufregung.

Ein chinesischer Entwickler behauptet, er habe mithilfe von Gesichtserkennung die Identität von mehr als 100.000 Porno-Darstellerinnen aus aller Welt herausgefunden. Dazu habe er mehr als 100 Terabyte an Videos von verschiedenen Porno-Plattformen ausgewertet und diese mit Profilfotos von Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und TikTok abgeglichen. Davon berichtet er in einem Blogpost auf der chinesischen Plattform Weibo.

Der in Deutschland lebende Entwickler behauptet, sein Vorgehen wäre legal, da er keinerlei Rohdaten geteilt und die Datenbank vorerst nicht öffentlich verfügbar ist. Das könnte sich aber rasch ändern, in naher Zukunft soll eine öffentliche Suche bereitgestellt werden. Er prüfe nach eigenen Aussagen derzeit, ob die Daten zuvor aus rechtlichen Gründen anonymisiert werden müssen. Gegenüber Motherboard bestätigte der Entwickler, dass er die Datenbankstruktur und weitere technische Details kommende Woche veröffentlichen will.

Kritik an Technologie

Das Posting sorgte rasch für Aufsehen auf Weibo und verbreitete sich in übersetzter Form auch auf Twitter. Auf Weibo wurde vor allem das Anwendungsbeispiel des Entwicklers bemängelt. Männer sollen mit der Technologie herausfinden können, ob ihre Partnerinnen einmal in einem Porno zu sehen waren – „weil beide Seiten einer Ehe das Recht haben, es zu wissen“, so die Begründung. Der Kommentar, der am meisten Zuspruch bekam, fragte danach, wann es eine derartige Datenbank für Männer geben werde. Nachdem sich die Kritik häufte, ergänzte er im Posting, dass die Funktion auch für Frauen gedacht sei, die damit rasch Porno-Filme ausfindig machen könnten, in denen sie vorkommen, um sie entfernen zu lassen.

Datenschützern und Sicherheitsforscher zeigten sich auf Twitter über die Ankündigung entsetzt. Porno-Darstellerinnen sind aus guten Gründen unter Pseudonymen aktiv, insbesondere um ihr Privatleben zu schützen. Bereits 2011 sorgte der Hack einer Klinik, bei der sich zahlreiche Darstellerinnen regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten testen ließen, für Aufsehen. Dadurch gerieten die echten Namen von mehr als 15.000 Porno-Darstellern und -Darstellerinnen an die Öffentlichkeit. 2016 missbrauchten zahlreiche Nutzer zudem die Plattform FindFace, die die Suche nach Social-Media-Profilen per Foto erlaubt. So machten viele Nutzer die privaten Social-Media-Profile von Pornostars und Sexarbeiterinnen ausfindig und belästigten diese.