HoT-Chef Michael Krammer

© RGE-Press/Eckharter / Eckharter Rainer

Digital Life
06/05/2019

HoT-Chef über 5G-Panik: "Je gebildeter die Leute, desto anfälliger"

HoT-Chef Michael Krammer versteht die Angst vor 5G nicht und kritisiert die Registrierpflicht für Wertkarten.

von Martin Stepanek

Die Mobilfunk-Netzbetreiber springen nach und nach auf 5G auf. Während sie versuchen das Thema in der Bevölkerung, aber auch in der Wirtschaft und Industrie zu etablieren, konzentriert sich Hofer-Mobilfunker HoT aktuell auf klassische Produkte, wie den am Mittwoch vorgestellten unlimitierten LTE-Datentarif und Router. Wie schon bei LTE werde man nicht unter den ersten sein, sondern warten, bis leistbare 5G-Endgeräte und ein flächendeckendes Netz zu einem vernünftigen Preis für Kunden verfügbar sei, teilte HoT-CEO Michael Krammer in einem Pressegespräch mit.

Folien auf Fenster

Für Kunden relevant werde das Thema ohnehin erst Ende 2020, Anfang 2021, wenn die entsprechenden Frequenzen vergeben sind und von den Netzbetreibern genutzt werden. Die mancherorts herrschende Panik vor Gesundheitsrisiken durch 5G kann Krammer nicht nachvollziehen. Diese Angst gebe es schon seit den Anfängen des Mobilfunks. Schon zu Zeiten von T-Mobile-Vorgänger max.mobil sei er persönlich zu Menschen gefahren, die Folien auf die Fenster ihrer Häuser klebten, da sie über gesundheitliche Beschwerden durch Handymasten klagten.

"Das Problem dabei war: Die Masten waren noch gar nicht in Betrieb. Überhaupt kommt mir vor, je gebildeter die Menschen sind, desto anfälliger sind sie für so etwas", sagte Krammer auf Nachfrage der futurezone. Viel ändern werde sich auch durch 5G nichts: "Das sind ja die gleichen Frequenzen, die wir jetzt schon - etwa für WLAN - verwenden. Das Netz wird durch 5G effizienter und kann mehr Daten mit weniger Verzögerung übertragen, was für Cloud-Gaming oder selbstfahrende Autos interessant wird. Aber das ist eine normale technische Evolution, wie auch schon von 2G auf 3G bzw 3G auf 4G."

Kritik an Wertkarten-Registrierung

Weiterhin schleppend verläuft die seit 01.01.2019 gesetzlich vorgeschriebene Wertkarten- bzw. Prepaid-SIM-Karten-Registrierung. Krammer zufolge sind österreichweit immer noch 1,5 Millionen Kunden nicht registriert. Viele hätten es einfach nicht mitbekommen und glauben, dass die Regelung nur für Neuanmeldungen, aber nicht für Bestandskunden gelte. Bei HoT selber habe man trotz Informationskampagnen seit Jahresbeginn nur 21 Prozent der Bestandskunden dazu bewegen können, sich in einer Hofer-Filiale oder online zu registrieren.

Krammer appelliert deshalb an die jetzige Übergangsregierung bzw. den zuständigen Infrastrukturminister, die letztmögliche Registrierungsfrist von 01.09.2019 um zumindest ein Jahr zu verlängern. Nach diesem Zeitpunkt müssen Mobilfunker die SIM-Karten sperren. Ab dann können zumindest ein Jahr noch Anrufe empfangen, aber nicht getätigt werden. "Die meisten Leute, darunter viele ältere Kunden, realisieren es schlichtweg nicht. Das sind ja keine Verbrecher, die das bewusst umgehen wollen", sagte Krammer.

"Jetzt sogar unsicherer"

Die vom damaligen Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) forcierte Argumentation, Wertkartenhandys würden von Kriminellen verwendet und dass eine Registrierung eine Maßnahme gegen die Terrorbekämpfung sei, ist und bleibt für Krammer wenig überzeugend. "Abgesehen davon, dass das eine Quälerei der Menschen ist: Man erreicht damit doch genau das Gegenteil. Wenn ich zu einem kleinen Handyshopbetreiber gehe und dort zur Registrierung irgendwem meine Identität geben muss, ist das sogar unsicherer als vorher."

Dazu komme, dass wirklich kriminelle Personen auf andere Länder wie Slowenien oder Tschechien ausweichen können, wo es keine Registrierpflicht gibt. Dadurch seien österreichische Behörden im Gegenzug bei Ermittlungen nun sogar viel stärker von ausländischen Behörden abhängig, um Ermittlungen durchzuführen. Ein weiterer Punkt sei, dass in manchen Handyshops auch auf irgendwen registrierte SIM-Karten zu erwerben seien.

EU-Roaming wettbewerbsfeindlich

Kritik äußerte der HoT-Chef auch hinsichtlich der EU-Roaming-Regulierung, die große Netzbetreiber gegenüber kleineren und virtuellen Betreibern stark bevorzuge und so den Wettbewerb gefährde. Schuld daran sind laut Krammer die von der EU festgelegten Datenpreise, die ein Anbieter wie HoT an ausländische Netzbetreiber zahlen muss, wenn die Kunden im Ausland roamen.

Bei HoT habe sich das im Ausland genutzte Datenvolumen von 2017 bis 2019 um das 36-fache erhöht. Während die Umsätze aus EU-Roaming um 43 Prozent gesunken sei, stiegen die Kosten um 257 Prozent, kritisiert Krammer. Er fordert, die laut EU-Verordnung nur langsam sinkenden Einkaufspreis per 1.1.2020 auf zwei Euro pro Gigabyte zu senken. Derzeit muss HoT 4,5 Euro pro Gigabyte an ausländische Betreiber bezahlen. Für 2020 sind aktuell 3,5 Euro vorgesehen.