Norbert Hofer, Margarete Schramböck, Srini Gopalan (Deutsche Telekom), Sebastian Kurz und Andreas Bierwirth starteten das 5G-Netz per Knopfdruck

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Digital Life
03/26/2019

Österreich ist Europas erstes 5G-Land - für 200 Kunden

Zwar ist jetzt das erste kommerzielle 5G-Netz online, genutzt werden kann es aber nur von Auserwählten.

„Heute ist ein guter Tag für den Wirtschaftsstandort Österreich“, verkündigt Bundeskanzler Sebastian Kurz. Infrastrukturminister Norbert Hofer hat eine „Riesenfreude mit dem heutigen Tag“ und für T-Mobile-Österreich-Chef Andreas Bierwirth ist er „wahrhaft historisch“. Auslöser der Jubelstimmung ist, dass ab sofort 200 T-Mobile-Kunden einen 5G-Router in Betrieb haben.

5G ist die nächste Mobilfunkgeneration und, wenn es nach den Politikern geht, ein Allheilmittel. Dadurch sind laut Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck 32 Milliarden Euro mehr Bruttoinlandsprodukt bis 2030 möglich. Maria Zesch, CCO von T-Mobile Österreich, sieht damit neue Möglichkeiten für Landwirte und für Schulen im ländlichen Raum, um den Unterricht spannend und interessant zu gestalten. Laut Hofer erhalten Unternehmen mit 5G die Chance sich wieder im ländlichen Raum anzusiedeln, was gleichzeitig die Ballungszentren entlasten würde. Und: „Die Möglichkeiten, die 5G bietet, wird die Art wie wir leben komplett verändern.“

Einen Vorgeschmack auf diese neue Lebensart bekommen derzeit aber nur 17 Gemeinden und Städte in Österreich, die durch 25 Sendestationen versorgt werden. Neben Innsbruck und Villach gehören etwa Hohenau an der March und Wartberg im Mürztal hinzu. Das macht den Kanzler glücklich: „Es freut mich besonders, dass heute beim Start nicht nur Städte dabei sind, sondern auch ländliche Gegenden.“

Verteilt auf diese 17 Gemeinden sind 200 ausgewählte Kunden, die von T-Mobile einen 5G-Router erhalten haben. T-Mobile nennt diese „Friendly Customers“. Weil das offiziell Kunden sind, hat T-Mobile somit das „erste kommerzielle 5G-Netz im Echtbetrieb in Europa“ gestartet, so Bierwirth. Wie viel diese Kunden für 5G bezahlen, hat der Mobilfunker nicht gesagt. Preise wolle man erst bekannt geben, wenn man genügend 5G-taugliche Geräte für weitere Kunden habe. Derzeit seien aber die benötigten Router noch Mangelware und geeignete Smartphones werden erst im Sommer verfügbar sein. Tatsächlich massentauglich soll 5G erst 2020 werden.

Andere Anbieter

Das soll auch bei Drei so sein. Der Mobilfunker hat ebenfalls am Dienstag über 5G-Pläne gesprochen. Ab Mitte April seien dort die ersten 5G-Frequenzen nutzbar, ein „kleiner kommerzieller Marktstart“ folgt. 2020 wolle man in den Massenmarkt gehen, so Drei-Chef Jan Trionow. Dass der große Start nächstes Jahr statt heuer passiert, liege unter anderem an den hohen Preisen. Damit man trotzdem schon 2019 Kunden gewinnen könne, plane man „verschiedene Qualitäten“ anzubieten. Ähnlich wie beim Start der früheren Mobilfunkstandards, könnten Tarife mit unterschiedlichen Maximalgeschwindigkeiten angeboten werden.

A1 wollte auf Nachfrage nicht sagen, wann heuer ein kommerzielles 5G-Netz starten wird. Stattdessen verweist man auf einen Testbetrieb, bei dem Anfang des Jahres „die Gemeinde Gmünd erfolgreich mit 5G versorgt“ wurde. Laut A1 wird 5G erst 2020 interessant für Privatuser und den Kunden einen echten Mehrwert bieten. „Das Rennen um 5G wird nicht in den ersten zwei Monaten entschieden“, so ein Sprecher von A1.

Der bisher nur als virtueller Mobilfunker tätige Anbieter spusu hat ebenfalls 5G-Frequenzen erworben – für Niederösterreich. Welche Orte dort ab wann 5G bekommen, ist noch nicht bekannt.

Jahres-Pressegespräch von Drei

Ausbau

Das heißt aber nicht, dass 5G nächstes Jahr den derzeitigen Standard 4G ablöst. Aufgrund der geringen Netzabdeckung und der zu Beginn hohen Preise wird 5G vermutlich auch 2020 nicht für die breite Masse verfügbar sein – trotz der Ankündigungen von T-Mobile, A1 und Drei. Laut T-Mobile werde man bis Ende 2020 auf 300 5G-Sendestationen ausweiten, bis Ende 2021 sollen es 1000 sein.

Die anderen Mobilfunker haben sich noch nicht konkret zu ihren Ausbauplänen geäußert. Der Bundeskanzler konnte sich deshalb einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Durch den Start von 5G in Österreich wird jetzt auch Druck auf die anderen Anbieter ausgelöst. Es gibt auch Gespräche mit A1.“ Bis 2025 strebt die Bundesregierung an, 98 Prozent des Landes mit 5G zu erreichen.

Kurz und Hofer betonten erneut, dass die Frequenzauktion so gestaltet wurde, dass die Betreiber genügend Geld für den Ausbau der Infrastruktur übrig haben. „Außerdem wird alles, was bei der Auktion hereinkommt in den Glasfaser-Ausbau in Österreich gesteckt“, so Hofer. Das soll wiederum den Ausbau von 5G beschleunigen, denn die 5G-Sendestationen sind üblicherweise an Glasfaserleitungen angeschlossen.

Das Installieren neuer Sendestationen freut aber nicht alle Bürger. So gibt es Befürchtungen, dass dadurch die Belastung durch elektromagnetische Strahlung höher wird. „5G hat gerichtete Handystrahlen. Wir richten sie nur dort hin, wo sie gebraucht werden und können die Strahlung so optimieren. 4G strahlt hingegen überall hin“, sagt Trionow. Auch Hofer sieht keine Gefahr: „Die größte Strahlenbelastung ist, wenn man das Handy am Ohr hat. Durch 5G steigt die Strahlenbelastung nicht.“

Anwendungszwecke

Zu Beginn wird 5G primär in der Form von 5G-Routern zum Einsatz kommen, etwa in Haushalten und kleinen Unternehmen. Für Trionow ist das „die erste Killer-Applikation“ für 5G. Der Vorteil: Durch die größere Bandbreite von 5G surft man nicht nur schneller im Internet, sondern es können auch mehr Geräte gleichzeitig im Internet sein, ohne dass die Geschwindigkeit zu stark sinkt. Bei 4G kommt es hingegen immer wieder, besonders in Ballungsräumen, zu deutlichen Geschwindigkeitseinbußen in den Abendstunden.

Bierwirth und Hofer nennen autonome Autos als Beispiel für den zukünftigen Bedarf an 5G. „Wenn das Auto selbst fährt, steigt die Datenmenge. Weil die Leute nicht mehr lenken müssen, können sie auf der Autobahn hochauflösende Videos streamen“, sagt Bierwirth.

Durch die geringe Latenz soll 5G zukünftig in der Industrie verwendet werden. In der Fertigung könnten Roboter nahezu verzögerungsfrei miteinander kommunizieren. Auch wenn man dadurch für einzelne Aktionen nur im Millisekunden Zeit spart, ist es die Summe daraus, die schlussendlich effektivere Produktionsabläufe ermöglicht.

Für Trionow ist die geringe Latenz auch für Privatkunden interessant, etwa beim Cloud-Gaming. Da hier die fürs Gaming benötigte Rechenleistung an Server ausgelagert ist, müssen die vom User getätigten Eingaben mit möglichst geringer Verzögerung übermittelt werden. „Spielen wird zukünftig ohne teuren Gaming-PC gehen, einfach am Smartphone und über das mobile Breitband zuhause.“ Noch in weiter Zukunft, aber nicht unrealistisch, liegt eine weitere Prognose von Trionow: „DVB-T wird nicht mehr weiterentwickelt. Die Zukunft des terrestrischen Fernsehens ist 5G.“