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Digital Life
07/06/2019

Polizeiliche Gesichtserkennung liegt in 81 Prozent der Fälle falsch

Das Gesichtserkennungssystem der Metropolitan Police in Großbritannien ist durch eine Untersuchung unter Beschuss.

Laut einem unabhängigen Bericht sind vier von fünf Personen, die von der Gesichtserkennungstechnologie der Londoner Metropolitan Police als mögliche Verdächtige identifiziert wurden, unschuldig. 

Die Forscher stellten fest, dass das umstrittene System in 81 Prozent der Fälle daneben liegt. Konkret meldete es Treffer bei Gesichtern, die gar nicht auf der polizeilichen Fahndungsliste sind.

Den Forschern hinter der Untersuchung wurde exklusiver Zugang zu Polizeiermittlungen gegeben. Sie haben sechs der zehn Testläufe, bei denen die Metropolitan Police das System genutzt hat, analysiert. Konkret schlug das System 42 Mal an, lediglich in acht Fällen war der Alarm korrekt. 

Demnach gäbe es "erhebliche Bedenken" hinsichtlich der Nutzung der Technologie durch Scotland Yard. In dem Bericht wird außerdem die Einstellung des Gesichtserkennungsprogramms gefordert. Außerdem gelangt der Bericht zu dem Schluss, dass die Nutzung des Systems durch die Met "höchstwahrscheinlich" rechtswidrig wäre, wenn es vor Gericht angefochten würde.

Polizei hält an Technologie fest

Die Polizei sieht die Sache anders: Demnach würde die Technologie nur in einem von 1000 Fällen einen Fehler machen. Diese Zahl basiert aber auf einer anderen Qualitätskontrolle. Dabei werden erfolgreiche und nicht erfolgreiche Übereinstimmungen mit der Gesamtzahl der vom Gesichtserkennungssystem verarbeiteten Gesichter verglichen. 

Ein Vertreter der Londoner Polizei zeigt sich mit der Untersuchung unzufrieden: "Wir sind äußerst enttäuscht über den negativen und unausgewogenen Ton dieses Berichts. Wir haben eine rechtliche Grundlage für diese Pilotphase und haben uns durchgehend rechtlich beraten lassen”, so Duncan Ball laut Sky

Österreich

Auch in Österreich will die Polizei künftig Gesichtserkennung einsetzen. Erst Ende Juni gab es erste Details zur verwendeten Software. Datenschützer kritisierten die Pläne damals scharf. 

San Francisco hat als erste Stadt in den USA den Einsatz von Gesichtserkennungstechnologien für Behörden bereits verboten. Als Grund wird angegeben, dass unter anderem rassistische Ungerechtigkeit dadurch verschärft werden könnte.