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Digital Life
06/14/2019

Sky verwendete Untertitel von „Raubkopierern“

Sky Schweiz wurde dabei erwischt, wie man bei der TV-Serie Chernobyl unerlaubt Untertitel einer Fansub-Community verwendete.

Der Pay-TV-Sender Sky hat in der Schweiz Untertitel der Fansub-Community Addic7ed.com verwendet. Diese kommen üblicherweise eher bei illegalen Kopien von Serien und Filmen zum Einsatz. In einigen Ländern, unter anderem Australien, blockieren daher auch Internetanbieter den Zugriff auf dieses Forum.

Der Fauxpas fiel dem Blog TorrentFreak auf, da die für die Community üblichen Credits des Erstellers am Ende eingeblendet wurden. Offenbar kamen die englischsprachigen Fan-Untertitel zumindest bei einer Folge der TV-Serie Chernobyl zum Einsatz, die kurioserweise gemeinsam von HBO und Sky produziert wurde. Sky Schweiz sagte auf Anfrage von TorrentFreak, dass man „einen sehr hohen Antipiraterie-Standard“ habe und der Einsatz der „raubkopierten“ Untertitel „inakzeptabel“ sei. Daher wurde dieser auch wieder aus dem Sky-Streaming-Angebot entfernt.

Ersteller: "Hut ab an Sky"

Die Ersteller der Untertitel sehen die Situation deutlich gelassener. „Als wir mit dem Projekt begonnen haben, wollten wir damit erreichen, dass Inhalte über Sprachbarrieren hinweg mehr Menschen erreichen können oder dass Menschen mit Hörbehinderung Untertitel bekommen, da sie ansonsten Videos nicht genauso genießen können. Wenn andere sich dafür an unserer Arbeit bedienen müssen, soll das so sein“, so Addic7ed gegenüber TorrentFreak. „Hut ab an Sky dafür, dass sie die Credits beibehalten haben.“

Sky Schweiz ist bei Weitem nicht der erste große Anbieter, der sich an der Arbeit der Fans bedient hat. Auch Netflix verwendete für die TV-Serie Andromeda finnische Untertitel, die von der Fansub-Community DivX Finland erstellt wurden. Wie Sky Schweiz ließ man die Untertitel entfernen, nachdem dieses Detail bekannt wurde. Laut Netflix habe man die Serie bereits mit den Fan-Untertiteln erhalten.

Fansubs: Beliebt und hilfreich, aber illegal

Fansubs gibt es bereits seit Jahrzehnten. Insbesondere in der Anime-Community sind diese aufgrund fehlender offizieller Übersetzungen beliebt, da diese Inhalte ansonsten dem Großteil des westlichen Publikums nicht zugänglich wären. Zugleich stehen diese auch – trotz ehrenwerter Absichten – auf rechtlich schwacher Basis da. Fansubs stellen aus der Perspektive vieler Gerichte eine unerlaubte Veränderung eines urheberrechtlich geschützten Inhalts dar.

Diese Ansicht wurde erst 2017 wieder von einem niederländischen Gericht bestätigt, das eine Klage der Free Subtitles Foundation abschmetterte. Diese verlangte Klarstellung, ob man für die Erstellung von Fan-Untertiteln die Zustimmung des Rechteinhabers braucht, wie von einer Lobby-Organisation der Filmindustrie behauptet wurde. Das Gericht stimmte dieser Ansicht zu, bei Missachtung drohen Geld- und Haftstrafen.