Digital Life
29.10.2018

Sollen selbstfahrende Autos Passagiere oder Fußgänger schützen?

Über zwei Millionen Menschen haben auf der Moral Machine abgestimmt, wie Maschinen in Extremsituationen entscheiden sollen.

In einigen Grundregeln scheint sich die Menschheit einig zu sein. Selbstfahrende Autos sollen Menschen vor Tieren, die Leben von vielen vor den Leben von wenigen und Jüngere vor Älteren schützen. Das ergibt die Auswertung von über zwei Millionen Umfragedaten der Plattform Moral Machine von Teilnehmern aus 233 unterschiedlichen Ländern. Sie wurden alle mit 13 zufällig ausgesuchten Situationen konfrontiert. Jede davon stellt den User vor die Wahl, die Autoinsassen oder die Fußgänger zu schützen. Diese unterscheiden sich aber jedes Mal in Anzahl, Alter, Geschlecht, Fitness und sozialem Status.

Unterschiede zwischen Kulturen und Regionen

Ein weiteres Kriterium war auch, ob die Fußgänger bei Grün oder Rot über die Straße gehen. Da von den Teilnehmern auch demokratische Daten abgefragt wurden, konnte das Ergebnis in mehrere Cluster geteilt werden. So würde man in östlichen Ländern wie China oder Japan eher Fußgänger schützen und diejenigen, die gesetzeskonform handeln. Teilnehmer aus südlichen Ländern wie Chile und Argentinien haben im Schnitt das Leben von Frauen, Jungen, aber auch sozial Höherrangigen als wichtiger angesehen. In westlichen Länder wie Deutschland und Österreich gibt es weniger deutliche Tendenzen. Dafür ist man hier vermehrt der Auffassung, dass das Auto gar nicht nach moralischen Werten eingreifen und seinen Weg einfach fortsetzen soll.

Die Forscher des Massachusetts Institute of Technology, die hinter der Moral Machine stecken, hatten vorrangig zwei Ziele: Dass Menschen über das Thema diskutieren und kulturelle Unterschiede in Moralvorstellungen herauszuarbeiten. Außerdem hoffen sie, dass es zu mehr Studien auf diesem Gebiet animiert, nachdem auch selbstfahrende Auto ein immer größeres Forschungsfeld werden. Die Moral Machine ist seit 2016 nach wie vor online.