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Digital Life

Spam-Anrufe von Wiener Nummer: “This is the police”

Eine Betrugswelle, vor der die Meldestelle für Rufnummermissbrauch bereits Mitte Jänner gewarnt hatte, hat ihren weiteren Verlauf genommen. Nicht nur in Wien, sondern auch in der Steiermark und in Oberösterreich wurden vermehrt Fake-Anrufe gemeldet, bei denen sich Betrüger*innen in englischer Sprache und unter einer Wiener Nummer als Polizist*innen oder Kriminalbeamt*innen ausgeben.

Neben mehreren futurezone-Leser*innen wurde auch ein futurezone-Redakteur von einer solchen Nummer kontaktiert. Die vorgegaukelten Kriminalfälle können dabei unterschiedlich ausfallen. Neuerdings wird man häufig in einem ersten Schritt darüber informiert, dass die Identität der Angerufenen missbraucht worden sei.

Mit vermeintlichen Beamt*innen weiterverbunden

Nach dem Abheben sagt zunächst eine Tonbandstimme in englischer Sprache: „This is the Federal Police – your ID-Card has ceased“. In der Folge wird man aufgefordert, die Taste 1 zu drücken, um mit einem oder einer vermeintlichen "Interpol-Polizist*in" oder Parlamentsangehörigen verbunden zu werden.

Eine solche Nummer sieht auf dem ersten Blick echt aus, ist aber gefälscht. 

Haftbefehl wird vorgegaukelt

Geht man der Aufforderung nach, hebt eine englischsprachige Person ab. Im Fall unseres Tests war es eine Person mit Akzent. Sie fordert persönliche Daten wie Adresse, Bankverbindung oder gaukelt einen Haftbefehl vor.

Laut dem Bundeskriminalamt geben die Betrüger*innen unter anderem auch vor, dass eine Einbrecherbande in der Umgebung der Opfer ihr Unwesen treibe. Deren nächstes Ziel sei ein Einbruch bei der angerufenen Person. Um ihre Vermögenswerte zu schützen, werden die Opfer überzeugt, diese an die Fake-Polizist*innen zur Verwahrung zu übergeben.

Ziel ist eine Geldüberweisung

Bei der aktuellen Spam-Call-Welle ist das Ziel der Kriminellen, die Opfer zum Geldtransfer auf ein bestimmtes Bankkonto zu bewegen. Auch können die Betroffenen aufgefordert werden, eine verdeckte Schadsoftware auf ihr Smartphone zu installieren, durch welche die Kriminellen Zugang zu persönlichen und Bankdaten erhalten.

Zahlreiche Betroffene melden der futurezone, dass ein solcher Bot-Call mindestens einmal die Woche eingehen würde. In einigen Fällen wird sogar mehrmals täglich angerufen, immer von einer anderen, gefälschten Wiener Festnetznummer.

Schmäh seit den 50er-Jahren

"Die Betrugsmasche ,falscher Polizist' gibt es schon seit Jahrzehnten, selbst in den 50ern gab es die schon. Damals noch analog auf der Straße, in Zeiten der Digitalisierung verlagert es sich nun immer mehr ins Internet bzw. über Telefonie", berichtet die Landespolizeidirektion Wien der futurezone.

Die Vorgehensweise sei somit nicht neu, sie werde nur immer wieder adaptiert und dem Zeitgeist angepasst. "Solche Betrügereien werden sich nie komplett verhindern lassen, oftmals sitzen die Täter, die am Telefon sind bzw. E-Mails und Ähnliches verschicken, im Ausland und sind daher schwer greifbar", heißt es weiter.

Bei der aktuellen Version der Betrugsanrufe sei hinlänglich bekannt, dass die Köpfe der Tätergruppe in der Türkei sitzen und von dort täglich agieren. "Solche internationalen Ermittlungen sind oftmals sehr herausfordernd und schwer, da man auf die Kooperation eines anderen Landes angewiesen ist. Es gibt Länder, mit denen funktioniert das sehr gut und Länder, die weniger kooperativ sind", so die Polizeistelle. 

Sofort auflegen

Die Polizei weist Bürger*innen darauf hin, dass sie ihre älteren Verwandten über diese Masche informieren sollten, "da diese Generation eventuell nicht mehr so ,up to date' ist." Auch macht die Polizei darauf aufmerksam, dass sie weder per Telefon noch persönlich an der Haustür die Herausgabe von Bargeld oder sonstige Wertgegenstände fordere. "Genau so wenig würden wir Personen auffordern, in eine Bank zu gehen, um ihr Erspartes abzuheben", heißt es.

Bei solchen Anrufen gilt es generell, sofort aufzulegen. Ist man sich unsicher, ob der Anruf echt war (im Falle eines englischsprachigen Tonbands ist er das jedenfalls nicht), kann man eigenständig die Polizei (133) anrufen. Die Polizei warnt, dass man nie eine "Polizei"-Telefonnummern zurückrufen soll, wenn das in solchen Anrufen gefordert wird.

Hat man bereits mit der Person gesprochen und Daten herausgegeben, soll man umgehend Anzeige bei der Polizei erstatten.

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Andreea Iosa

Andreea Iosa beschäftigt sich mit neuesten Technologien und Entwicklungen in der Forschung – insbesondere aus Österreich – behandelt aber auch Themen rund um Raumfahrt sowie Klimawandel.

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