© Barbara Wimmer

Digital Life

Badwasser aus Therme Wien heizt 1.900 Haushalte

Im Keller der Therme Wien gibt es nun einen eigenen Raum, in dem neben zwei riesengroßen Kesseln mit Thermalwasser seit kurzem auch 2 Großwärmepumpen und jede Menge Technik stehen: Denn seit Montag wird das Thermalwasser der Therme Wien verwendet, um grüne Energie für 1.900 Wiener Haushalte im Grätzl von Oberlaa zu erzeugen.

Die Inbetriebnahme der zwei Großwärmepumpen wurde am Montag feierlich eröffnet. In dem Raum, der völlig ohne Fenster auskommt, ist es am Tag der Eröffnung ziemlich warm. Es hat über 30 Grad. Alle Rohre blitzen sauber, alle Geräte, Hebel und Ventile sind gut beschriftet, so dass notfalls auch Laien mit der richtigen Anleitung rasch die richtigen Schritte setzen können, wenn es sein muss.

Zur Eröffnung kam etwa Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke. Er verkündete: „Mit den Großwärmepumpen kann viel zur Klimaneutralität beigetragen werden. Wir reden nicht nur drüber, sondern wir tun etwas." Es sei ein „wichtiger Schritt für mehr Unabhängigkeit von Gasimporten.“

So funktioniert die Technik dahinter

Bei der Anlage, der im Technikraum in der Tiefgarage der Therme Wien steht, handelt es sich um ein System, mit dem das Thermen-Abwasser in zwei riesigen Behältern gesammelt und im Anschluss mit der Wärmepumpe umgewandelt werden kann.

Die Wärmepumpen nehmen die Restwärme aus dem Abwasser mit einer Temperatur von rund 30 Grad Celsius auf und produzieren daraus Fernwärme mit bis zu 85 Grad Celsius. Diese wird dann in Folge direkt ins Fernwärmenetz der Stadt eingespeist. Die Leistung der Anlage zur Abwärmenutzung wird rund 2 Megawatt betragen, bei einer Jahresgesamtwärmeproduktion von 11 Gigawattstunden. Das ergibt Fernwärme für rund 1.900 Haushalte in Oberlaa und CO2-Einsparungen von 2.600 Tonnen pro Jahr.

Im Technikraum der Therme Wien

Wichtige Begleitforschung

„Wir produzieren grüne Wärme aus der Therme“, freut sich Michael Strebl, Geschäftsführer bei Wien Energie. Dafür hat der Wärmeerzeuger 3 Millionen Euro in das Projekt investiert, das außerdem aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert wird und zu dem es auch Begleitforschung gibt. Das außeruniversitäre Forschungsinstitut AEE Intec analysiert, wie die Abwärme ideal eingesetzt werden kann. Denn wie Forschungsleiter Joachim Kelz erklärt, sind die Bedingungen des Thermalwassers per se „nicht ideal“.

Das hat damit zu tun, dass das Wasser nicht gleichmäßig warm ist, wenn es im Kessel gesammelt wird und sich jede Menge unerwünschte Zusatzstoffe darin wiederfinden. Das sind neben Chlor etwa auch menschliche Hautschuppen oder Körperflüssigkeiten wie Schweiß, wie Kelz im Gespräch mit der futurezone erzählt. Hier müsse man daher „besondere Vorkehrungen“ treffen, um die eingesetzte Technik vor schnelleren Verschleißprozessen zu schützen.

Die Forschung rund um den Einsatz der Großwärmepumpen in der Therme Wien ist eingebunden in das Projekt ThermaFlex, das insgesamt mit 7,8 Millionen Euro vom Klimaschutzministerium gefördert wird. Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds freut sich, dass die Erkenntnisse aus dem Projekt bald „in ganz Europa“ genutzt werden können, damit ähnliche Betreiber*innen auch damit arbeiten können. Vogel betont außerdem, dass es weitere Projekte mit Großwärmepumpen gibt, die ebenfalls dazu beitragen werden.

Insgesamt will Wien Energie bis 2027 eine Milliarde Euro für den Gas-Ausstieg in die Hand nehmen und bis 2040 das Fernwärmenetz gänzlich klimaneutral machen. Damit das gelingt, werden aber neben der Therme noch viele weitere Wärmequellen benötigt. Wien Energie hat dazu bereits einige Projekte gestartet, doch es werden noch weitere hinzukommen.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit Wien Energie.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

mehr lesen
Barbara Wimmer

Kommentare