Journalists take a selfie in a corridor of stopped third reactor at the Chernobyl nuclear power plant in Chernobyl

© REUTERS / GLEB GARANICH

Digital Life
10/07/2019

Tschernobyl öffnet Desaster-Kontrollraum für Touristen

Besucher können in Schutzanzügen erstmals den Kontrollraum des 1986 zerstörten Reaktor 4 betreten.

Seit 2011 können Touristen die Schauplätze einer der größten nuklearen Unfälle der Geschichte rund um das Kraftwerk Tschernobyl in der Ukraine besuchen. Bisher geschlossen war allerdings der Kontrollraum von Reaktor 4, dem Zentrum der Katastrophe. Der verstrahlte Raum soll nun aber für Besucher geöffnet werden, wie CNN berichtet. Wer hinein will, muss einen Schutzanzug, Mundmaske und Helm anlegen. Der Aufenthalt ist zeitlich begrenzt und nach dem Hinausgehen wird man zwei Strahlungstests unterzogen, um die Radioaktivitätswerte im Körper zu ermitteln.

Tourismus-Offensive

Die Öffnung des Kontrollraums ist nur eine Maßnahme, um den Tourismus in Tschernobyl anzukurbeln. Das Kraftwerk ist ohnehin seit Jahren eines der beliebtesten Ziele für "Schwarzen Tourismus", soll nun aber noch attraktiver werden. Unterstützt vom ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj - dessen Telefonat mit US-Präsident Trump vor Kurzem große Bekanntheit erlangte - soll dem Gebiet neues Leben eingehaucht werden. "Bis jetzt war Tschernobyl ein negativer Teil der Marke Ukraine. Es ist Zeit das zu ändern", meint Selenskyj.

Neuer Metallbehälter

Rund um das Atomkraftwerk sollen etwa neue Touristen-Routen, unter anderem auf Wasserwegen, entstehen. Es soll neue Checkpoints geben und Gebäude sollen restauriert und ausgebaut werden. Die Ankündigung der Tourismus-Offensive geschah im Rahmen einer Eröffnungszeremonie für einen neuen Metallbehälter, der den zerstörten Reaktor umgibt und Strahlungslecks verhindern soll. Die Konstruktion ist 108 Meter hoch, 36.000 Tonnen schwer und hat 1,5 Milliarden Euro gekostet. 45 Ländern haben den Bau finanziell unterstützt, der zumindest ein Jahrhundert lang halten soll.

Das Tschernobyl-Desaster ist auch Kern der aktuellen Serienproduktion "Chernobyl", die im Mai bei Sky gestartet ist.