Digital Life
05.09.2018

Uber: Wer zu schlecht bewertet ist, darf nicht mehr mitfahren

Wer einen Mindestwert unterschreitet, darf künftig kein Uber mehr nutzen oder muss eine Nachschulung durchlaufen.

Der Fahrtdienst Uber verweigert künftig Kunden die Mitfahrt, deren Bewertung zu schlecht ausfällt. Das gab Uber in einem Blogpost bekannt. Vorerst beschränkt sich die neue Regel auf Australien und Neuseeland. Wer ab 19. September eine durchschnittliche Bewertung von weniger als vier Sternen aufweist, riskiert die Deaktivierung des Uber-Accounts. Uber warnt jedoch Kunden im Vorfeld, wenn sie die dieser Bewertung zu nahe kommen. Zudem können Fahrgäste eine „kurze erzieherische Maßnahme“ durchlaufen, um ihr Konto reaktivieren zu lassen. Uber verrät jedoch nicht, in welchem Rahmen diese Art der „Nachschulung“ durchgeführt wird.

Laut Uber sei Australien und Neuseeland erst die zweite Region weltweit, in der diese Regel angewandt wird. Auf Anfrage der futurezone teilte Uber mit, dass eine Einführung in Österreich vorerst nicht geplant sei. Bislang gab es lediglich eine Mindestdurchschnittsbewertung für Fahrer. Diese variiert, wie Uber betont, „aufgrund kultureller Unterschiede“ von Stadt zu Stadt – in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia liegt der Grenzwert beispielsweise bei 4,8, in vielen anderen Städten wiederum bei 4,6. Der Fahrer wird aber ebenfalls vor dem Unterschreiten der Mindestbewertung zuvor mehrmals gewarnt.

Hoher Druck auf Fahrer

Ubers Bewertungs-System ist eine Kernfunktion des Fahrtdienstes. Fahrer und Fahrgäste können einander auf einer Skala von einem bis fünf Sternen bewerten. Die daraus gewonnenen Daten werden für mehr als eine einfache Durchschnittswertung genutzt. Bewertet ein Fahrgast einen Fahrer mit drei Sternen oder weniger, bekommt der Fahrgast diesen Fahrer beispielsweise nie wieder zugewiesen. Im Vorjahr ergänzte Uber die Bewertungsfunktion und bat Fahrgäste, die Gründe für eine Bewertung mit weniger als fünf Sternen zu nennen.

Hat ein Fahrgast mindestens fünf Fahrten mit Uber durchgeführt, bekommt er ebenfalls eine Durchschnittsbewertung zugewiesen und in der App angezeigt. Zahlreiche Uber-Nutzer zeigen sich verwundert, wenn sie herausfinden, dass ihre Durchschnittsbewertung oftmals dem Grenzwert von 4,0 zu nahe kommt. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich durch meine niedrige Bewertung meine Liebenswürdigkeit als Person nicht in Frage gestellt hätte“, so eine von der New York Post befragte Uber-Kundin. „Ich war nie betrunken in einem Uber unterwegs, hätte versucht bei einer Fahrt zu essen oder zu trinken oder einen Hund mitzubringen.“

Worauf man als Fahrgast achten sollte

Tatsächlich seien aber laut Uber-Fahrern Unpünktlichkeit und schwer erreichbare Abholorte die ausschlaggebenden Gründe für eine schlechtere Bewertung. Auch andere offensichtliche Faktoren, wie schlechte Hygiene, unhöfliches Verhalten sowie der Versuch, zu viele Fahrgäste auf den Rücksitz zu quetschen, können zu Abzügen führen. Obwohl das System gewisse Vorzüge hat und Fahrern dabei hilft, mögliche Unruhestifter vorzeitig zu identifizieren, weckt die Umsetzung Erinnerungen an die Science-Fiction-Serie Black Mirror.

In dieser wird in einer Episode eine Gesellschaft gezeigt, in der Menschen einander ständig bewerten. Die durchschnittliche Bewertung hatte wiederum Auswirkungen darauf, welche Dienste Menschen nutzen konnten und ob sie beispielsweise einen Kredit zu besseren Konditionen erhalten. China hat bereits ein ähnliches „Social Credit“-System eingeführt, bei dem Bürger für negatives Verhalten eine schlechtere Bewertung erhalten und von gewissen Bereichen der Gesellschaft, beispielsweise dem Reisen, ausgeschlossen werden.