© Wien Energie/Ian Ehm

Digital Life
12/13/2019

Wien Energie nimmt Stromspeicher in Betrieb

Der Quartierspeicher der Energiegemeinschaft im Viertel Zwei soll das Stromnetz entlasten.

Im zweiten Wiener Gemeindebezirk hat Wien Energie im vergangenen Jahr eine der ersten Energy Communities Europas ins Leben gerufen. Mithilfe einer Photovoltaikanlage produzieren die Bewohner im so genannten Viertel Zwei selbständig Strom, den sie selbst verbrauchen können. Überschüssige Energie können sie innerhalb der Energiegemeinschaft weiterverkaufen oder an der Strombörse handeln.

Ziel ist es, möglichst wenig zusätzliche Energie über das öffentliche Netz zu beziehen und den Strom gleich dort zu verbrauchen, wo er erzeugt wird. Bei Wien Energie geht man davon aus, dass auf diese Weise der einzelne Haushalt doppelt so viel Sonnenenergie selbst nutzen kann und sich das Energiemanagement dadurch wesentlich umweltfreundlicher gestalten lässt.

Energiespeicher in Betrieb genommen

Nun hat der Energieversorger den ersten Quartierspeicher in Betrieb genommen. Der Quartierspeicher sei ein wesentlicher Bestandteil des Energie-Feldversuchs, der die Nutzung von lokal erzeugtem Sonnenstrom optimieren soll, heißt es von Wien Energie. Während ein Haushalt in einem gewöhnlichen Mehrparteienhaus rund ein Drittel seines Jahresstrombedarfs mit Sonnenstrom aus der hauseigenen Photovoltaik-Anlage decken kann, soll der Anteil in der Energiegemeinschaft, mittels Handel in der Community und Speicher, auf zwei Drittel gesteigert werden.

Der Wien Energie Lehrpfad führt im Viertel Zwei vor Ort durch die Energiezukunft. Hier testen derzeit rund 100 Bewohnerinnen und Bewohner, was in wenigen Jahren in ganz Europa Alltag sein soll. Sie erzeugen ihre Energie selbst, teilen, speichern und verkaufen diese lokal vor Ort. 

Alle, die sich an der Energiegemeinschaft beteiligen, nutzen Strom der eigenen Photovoltaik-Anlagen von den Dächern des Viertels. Ist Strom übrig oder sind die BewohnerInnen über längere Zeit außer Haus, können sie den überschüssigen Sonnenstrom entweder im Quartierspeicher zwischenspeichern oder ihn innerhalb der Gemeinschaft teilen. Das funktioniert mithilfe neuer Technologien wie Blockchain.

Damit Strom verbraucht und gehandelt werden kann, muss er zuerst produziert werden. Auf den Dächern im Viertel Zwei sind daher Photovoltaik-Module angebracht. Der lokale Sonnenstrom soll in Zukunft zwei Drittel des Jahresstromverbrauchs der BewohnerInnen decken.

Wenn der vor Ort produzierte Sonnenstrom nicht benötigt wird und ein Überschuss besteht, kann dieser lokal gehandelt –  oder im Quartierspeicher gespeichert werden. Mit dieser gespeicherten Energie können Zeiten überbrückt werden, in denen die Photovoltaikanlage keinen Strom produziert. Also zum Beispiel am Abend oder in der Nacht. So wird noch mehr Sonnenstrom vor Ort genutzt und muss nicht ins allgemeine Netz eingespeist werden.

Zukünftig wird der Energiegemeinschaft auch eine weitere Möglichkeit haben, ihren nicht benötigten Sonnenstrom sinnvoll einzusetzen: Er kann für die E-Ladestellen in den Tiefgaragen freigegeben werden. So können E-Autos geladen werden und die wertvolle Energie geht nicht verloren. 

Der Anfang Dezember installierte Quartierspeicher hat eine Kapazität von rund 70 kWh. Das entspreche dem Tagesverbrauch von mehr als zehn Haushalten im Viertel Zwei, schreibt Wien Energie in einer Aussendung: "Der Speicher ermöglicht die Nutzung des lokal erzeugten Sonnenstroms auch in den Abend- und Nachtstunden beziehungsweise zu sonnen-ärmeren Zeitpunkten und vergrößert so den Eigenverbrauch."

Spitzen im Stromverbrauch abflachen

Für das Netz bedeute der Speicher eine Entlastung, da die Verbrauchskurve geglättet wird. Der Akku ermögliche das so genannte "peak shaving": Anstatt Strom aus dem Netz zu beziehen, kann während des Spitzenverbrauchs der gespeicherte Strom aus der der Batterie entnommen werden, wodurch Spitzenlasten "abrasiert" werden können.

Künftig könnte der Speicher auch als aktiver Teilnehmer am Energiemarkt eingesetzt werden, um überschüssigen Strom als Regelenergie zur Netzstabilisierung zu verkaufen.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit Wien Energie.