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Digital Life
06/09/2020

Wieso fallen Mobilfunknetze in ganz Österreich aus?

Defekte Hardware sorgt laut der österreichischen Mobilfunker am häufigsten für Netzausfälle.

von Franziska Bechtold

Erst vergangene Woche hatte A1 mit dem Ausfall des mobilen Netzes zu kämpfen. In ganz Österreich konnten Nutzer nicht mehr mit dem Smartphone online gehen. Doch wie kann es überhaupt sein, dass bei den großen Mobilfunkern das gesamte Netz landesweit lahmgelegt wird? Wir haben nachgefragt, was die häufigsten Ursachen für solche Ausfälle sind.

In dem aktuellen Fall war die Ursache dafür ein Hardware-Fehler, der innerhalb von 3 Stunden behoben werden konnte. Solche technischen Fehler können laut A1 immer wieder vorkommen: „Das A1-Netz besteht aus einer Vielzahl an Hardware- und Softwarekomponenten. Hardware kann, wie auch im privaten Umfeld, trotz vorsorglicher Checks und Wartungen, einfach defekt werden“, heißt es gegenüber der futurezone.

Wetter und Bauarbeiten häufige Problemherde

Die 3 großen Mobilfunker A1, Drei und Magenta nennen weitere Ursachen für Netzstörungen. dazu gehören etwa wetterbedingte Schäden. So kann laut Drei der Richtfunk, bei dem Daten drahtlos übertragen werden, von Schneefall beeinflusst werden. Als weitere Ursachen für Netzausfälle werden Stromausfälle, Brände und Bauarbeiten genannt, etwa wenn bei Grabungen eine Leitung durchtrennt wird. Laut den drei Anbietern wird das Netz rund um die Uhr überwacht, um mögliche Probleme schnell zu identifizieren.

Manchmal könne so ein Fehler aus der Ferne behoben werden, wie ein Magenta-Sprecher der futurezone mitteilt. Handelt es sich beispielsweise um einen Stromausfall, muss man warten, bis die Energieversorgung wiederhergestellt wird. Muss ein Problem vor Ort behoben werden, also ein Bauteil repariert oder ausgetauscht werden, müssen die Techniker ausrücken – der Ausfall kann daher mehrere Stunden dauern. Man habe immer ausreichend Ersatzteile der Netzwerkkomponenten vorrätig, sagt ein A1-Sprecher gegenüber der futurezone. So können die Techniker, sollte etwas kaputtgehen, den Schaden umgehend beheben.

Beispiele dafür, welche Hardwarekomponenten häufiger ausfallen, wollte keiner der drei Telekombetreiber nennen. Von anderen Anbietern weiß man, dass das manchmal recht banale Gründe sein können. Bei Google brach etwa die Plastikrolle eines Server-Regals. Das Regal kippte nach vorn und die Wasserkühlung wurde beeinträchtigt. In Estland hatten etwa Ratten ein Erdkabel zwischen zwei Datenzentren angenagt. 

Überlastung laut Mobilfunker keine Ursache

Eine Überlastung des Netzes soll bei allen 3 Anbietern keine Ursache für einen Ausfall darstellen, heißt es seitens der Mobilfunker. So sei auch während der deutlich gestiegenen Nutzung während der Corona-Maßnahmen genügend Kapazität vorhanden gewesen. Im österreichischen Netz stieg während des Lockdowns die Telefonie um 82 Prozent, der Datenverbrauch ist um 30 Prozent gestiegen.

Um diese Auslastung stemmen zu können, habe man Techniker eingesetzt, die während besonders starker Belastungszeiten, vor allem abends zwischen 19 und 21 Uhr, die Kapazitäten erhöhen konnten. So wurde zusätzliche Rechenleistung aufgestockt oder die erhöhte Nutzungslast besser verteilt. In anderen Ländern, wie Spanien und der Schweiz, sah das anders aus. Spanien forderte die Bevölkerung auf, das Mobilfunknetz nicht unnötig zu belasten. Die Schweiz zog in Erwägung den Videostreaming-Dienst Netflix temporär abzudrehen.

Störungen online melden

Fällt das Mobilfunknetz von A1, Magenta oder Drei aufgrund eines Hardwarefehlers aus, sind meistens auch andere Mobilfunker betroffen, die deren Netzinfrastruktur nutzen. Fällt A1 aus, werden yesss!-Kunden kein Netz haben. Bei Magenta fällt auch HoT aus und bei Drei werden Kunden von spusu Probleme haben.

Plattformen wie allestoerungen.at und netzausfall.at sammeln die Meldungen von Nutzern, die gerade Probleme bei einem Dienst bemerken. So kann ein plötzlicher, sehr deutlicher Ausschlag darauf hinweisen, dass tatsächlich ein Fehler im Netz vorliegt. Haben noch Tausende weitere Menschen kein Netz, wird sehr wahrscheinlich ein Ausfall vorliegen. Sind es weniger als 100 Störungsmeldungen, wird das Problem vermutlich beim Anwender liegen.

Allerdings werden die Meldungen nicht auf ihre Wahrhaftigkeit geprüft, weshalb sie nur eine Orientierungshilfe bieten, so ein Magenta-Sprecher gegenüber der futurezone. Tritt bei einem Anbieter eine Störung auf, wird auf den Plattformen meist auch eine Störung für andere Anbieter angezeigt: „Falls ein Mitbewerber einen Netzausfall hat, kann ein Magenta-Kunde einen Kunden dieses Mitbewerbers telefonisch nicht erreichen. Der Magenta-Kunde kann natürlich nicht wissen, dass es beim Mitbewerber einen Netzausfall gibt und annehmen, es liege am Magenta-Netz. So kann es zu einer Störungsmeldung auf diesen Seiten kommen, in der Magenta-Kunden sagen, es gäbe Störungen mit dem Magenta-Netz“, heißt es seitens Magenta. Um sicher zu gehen, sollten sich Kunden direkt bei ihren Anbietern melden. Jedenfalls informieren die Mobilfunker ihre Kunden meist über ihre Facebook- und Twitter-Kanäle, wenn es einen Ausfall gibt.

Internet-Blockade als Waffe

In Krisenregionen kann das Ausfallen des Mobilfunknetzes politische Gründe haben. So blockierte die indische Regierung den Internetzugang für die Region Kaschmir. Zwischen August 2019 und Januar 2020 hatte man der Bevölkerung den Internetzugang verwehrt, um den Bundesstaat zu schwächen. Nach mehr als 150 Tagen ohne Internet, hatte man erst nach und nach wieder begonnen, den Zugang – zumindest zu Low-Speed-Internet – wieder freizuschalten. Mit der Blockade hatte die indische Regierung versucht zu verhindern, dass sich die Aufständigen organisieren und informieren können. Während des Blackouts hat Indien der Kaschmir-Region ihren autonomen Sonderstatus aberkannt.