hand man are using a fax machine in the office. Business concept

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Digital Life

Wo in Österreich noch gefaxt wird

Das Fax ist eine Technologie aus dem 19. Jahrhundert, dennoch wird es in vielen Bereichen in Österreich immer noch eingesetzt. Wie viele Faxgeräte noch im Umlauf sind und wie viele Faxe täglich verschickt werden, weiß man jedoch nicht. Weder die Regulierungsbehörde RTR, noch Mobilfunkanbieter wie A1 haben dazu Zahlen und Erhebungen. „Wir erkennen nicht, ob es sich um ein Fax oder um einen Telefonanruf handelt“, heißt es seitens A1.

Ärzt*innen faxen

Ein Rundruf in diesem Land zeigt jedoch, wie verbreitet das Fax auch im Jahr 2021 noch ist: „Befundanforderungen, Rezeptbestellungen, diverse Meldungen an die Behörden, eine unendliche Flut an Datenschutzerklärungen“ verschickt etwa eine Wiener Ärztin aus ihrer Gruppenpraxis täglich per Fax. Patient*innen wiederum geben an, auf diesem Weg Rezepte bei Kinderärzt*innen zu bestellen, oder sich die Zeitbestätigung vom Ärzt*innenbesuch in die Firma faxen zu lassen. „Ich hatte vergessen, danach zu fragen. Die Zahnärztin hat kein E-Mail“, so eine Patientin zur futurezone.

Andere Patient*innen wiederum haben sich während der Corona-Pandemie ihre telefonischen Rezeptbestellungen per Fax von der Praxis in die Apotheke schicken lassen. Diese Methode kam vor allem bei jenen zum Einsatz, die sich von der elektronischen Gesundheitsakte ELGA abgemeldet hatten. Bei den anderen Patient*innen wurde das Rezept automatisch auf der eCard gespeichert.

Corona-Ausnahme

Das unverschlüsselte Verschicken von derart sensiblen Gesundheitsdaten ist eigentlich per Gesundheitstelematikgesetz verboten, doch seit der Corona-Krise gibt es hier eine Ausnahmeregelung. Gesundheitsdaten dürfen seither wieder per Fax oder E-Mail übermittelt werden. „Das Fax ist aber nur die Ausnahme, wenn man die anderen Kommunikationskanäle nicht nutzen kann“, erklärt Franz Leisch, Geschäftsführer der ELGA Gmbh, der futurezone.

Zusätzlich zu ELGA gibt es auch noch ein eigenes elektronisches Befundversandsystem, über das Patientenbefunde von Fachärzt*innen verschlüsselt übertragen werden. Die Radiologie-Bilder dazu gibt es aber nach wie vor auf physischen Datenträgern wie CDs. „Um das umzustellen, bräuchte man Geld. Die Konzepte dafür liegen bereits seit Jahren in der Schublade“, sagt Leisch. In Krankenhäusern wird allerdings noch viel gefaxt, berichten betroffene Patient*innen. Das wurde auch in den Niederlanden so gehandhabt, doch dort ging es dem Fax jetzt an den Kragen.

Faxe seien generell „problematisch“, meint Nikolaus Forgo, Universitätsprofessor für Technologierecht an der Uni Wien. „Es ist eine veraltete Technologie und wenn es um sensible Gesundheitsdaten geht, wirklich heikel.“

„Das Fax ist aber nur die Ausnahme, wenn man die anderen Kommunikationskanäle nicht nutzen kann."

Nikolaus Forgo | Rechtsprofessor und Institutsvorstand an der Uni Wien

Anwält*innen und Ämter

Doch auch innerhalb des Rechtssystems sei das Verschicken von Faxen noch recht gebräuchlich, meint Forgo. „Rechtsanwälte schicken gerne Faxe“, so der Uni-Professor. „Faxgeräte sind eher Gewohnheitssache, aber nicht mehr wirklich vorgeschrieben“, so Manuel Boka, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Eversheds Sutherland. In der Kommunikation mit Gerichten und Ämtern findet die Kommunikation vor allem über den elektronischen Rechtsverkehr statt, ein eigenes System des Bundesrechenzentrums (BRZ).

„Ich wüsste niemanden, der mir in den letzten zwei bis drei Jahren ein Fax geschickt hat“, sagt Michael Enzinger, Präsident der Rechtsanwaltskammer. „Mit der elektronischen Kommunikation erspart man sich Papier, Briefporto und hat keine Probleme mit Zustellungen“, so Enzinger. „Diese ist auch wesentlich effizienter und sicherer“, meint Enzinger. Die Kommunikation mit Klienten erfolge zu 90 Prozent über E-Mails.

Doch manche Behörden haben noch immer ein Faible für Faxe. Laut Boka hätte das Österreichische Patentamt bis vor ein paar Jahren noch „sehr gerne gefaxt“, ebenso wie das Europäische Amt für Geistiges Eigentum. „Manche Ämter bestehen darauf, dass alle möglichen Dinge gefaxt werden“, so Boka. Wenn in ihrer Kanzlei ein Fax eintreffe, sei das jedoch meistens aus Deutschland. Denn dort ist faxen noch wesentlich verbreiteter als bei uns. Laut dem Branchenverband Bitkom nutzen dort noch vier von zehn Unternehmen „häufig bis sehr häufig“ Faxe.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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