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Assassins Creed Valhalla im Test: Blut, Schweiß und Rap-Battle

Nach Origins und Odyssey präsentiert Ubisoft mit Valhalla eine würdige Weiterentwicklung des Assassins-Creed-Konzepts. Mit der oder dem wahlweise männlichen oder weiblichen Eivor erkunden wir Englaland (nein das ist kein Tippfehler), Norwegen und Asgard. Ich habe die weibliche Eivor gewählt, man kann das Geschlecht aber jederzeit wechseln. Eivor ist Vikinger, verlor auf tragische Weise ihrer Eltern und sinnt auf Rache. So viel zur Ausgangssituation.

Die Rache wird relativ schnell befriedigt und anschließend brechen wir gemeinsam mit unserem Bruder Sigurd und einigen Siedlern auf, um ein neues Leben in Englaland zu beginnen. Dort sind bereits viele Vikinger gelandet, unter anderem die Söhne des legendären Ragnar Lodbrok. 

Irgendwas mit Assassinen

Sigurd macht sich selbst zum Oberhaupt der neuen Siedlung, baut sich ein Langhaus und haut dann ab. Zuvor übergibt er uns nur einige kleine Aufgaben: Baue die Siedlung auf, sorge dafür, dass jedes umliegende Gebiet von einem Vikinger regiert wird oder setze einen angelsächsichen König als Marionette ein. Sigurd macht derweil nicht viel und man fragt sich die meiste Zeit, warum man nicht selbst die Chefin ist. 

Die Assassinen wurden ein bisschen in die Geschichte gezwungen. Sigurd bringt Basim und Haytham von seinen Reisen mit, von denen Eivor dann die versteckte Klinge bekommt, als Mitbringsel sozusagen. Nachdem in der Siedlung ein Büro für Haytham errichtet wurde, lernt Eivor noch den "Leap of Faith", mit dem sie sich dann in Heu- und Laubhaufen stürzen kann. Dann tötet man ein paar Anhänger des feindlichen Orden der Alten und das wars. 

Rauben und siedeln

Neben der etwa 50 Stunden langen Hauptstory, dürfen wir einen Abstecher nach Valhalla machen und an der Seite der Götter kämpfen. Lange, ausführliche Nebenquests wie in früheren Assassins-Creed-Spielen entfallen sonst. Stattdessen gibt es kleinere Aufgaben, die Eivor unterwegs begegnen. Hier müssen wir etwa Tiere aus brennenden Häusern retten oder jemandem beim Tragen einer schweren Apfelkiste helfen. Das mag langweilig klingen, es hat für mich die Spielewelt aber lebendiger gemacht.

Mir gefällt das deutlich besser als nur Wegpunkte abzuarbeiten. Das nervige “Banditenlager”-Problem der Vorgänger, das uns für mageres Loot gefühlt 1.000 Lager überfallen ließ, wurde nun unterhaltsam und nützlich gestaltet. So kann man jederzeit einen Raubzug starten, und dann ein Lager, Kloster oder eine Festung stürmen - so wie wir es aus dem Fernsehen von den Wikingern kennen. Bis nicht alles lodert und brennt, geht man nicht nach Hause. 

Die so erbeuteten Schätze steckt man dann in den Ausbau der eigenen Siedlung. Das schaltet neue Möglichkeiten frei, etwa Fischen, das Jagen mystischer Wesen oder das Sammeln römischer Artefakte. Zudem lernen wir neue Charaktere kennen, die kleine Aufgaben für uns haben. So müssen wir etwa den Bruder der Jägerin Petra finden und den Streit zwischen 2 Künstlern schlichten. 

Mittelalter Rap-Battle

Scheinbar ist jeder Open-World-Entwickler verpflichtet, ein merkwürdiges und unnötig kompliziertes Karten- oder Würfelspiel zu erfinden. Das gibt es hier auch. Mir hat es überhaupt keinen Spaß gemacht und eine Runde zieht sich. Viel lieber habe ich kurze Trinkspiele gespielt, so lässt sich der Geldbeutel füllen. 

Oder ich habe am Spottstreit (orig. "flyting") teilgenommen. Das hat mir tatsächlich sehr viel Spaß gemacht, obwohl es ein wenig absurd und vor allem unfreiwillig komisch ist. Wir stellen uns in einer Art poetischem Rap-Battle unserem Kontrahenten. Der legt mit einem kessen Spruch vor und wir müssen entscheiden, welche der 3 Antwortmöglichkeiten passt. Es muss sich reimen, die Silbenzahl sollte übereinstimmen und inhaltlich sollte es den Gegner kontern. Das sieht (in gekürzter Version) so aus: 

Die lange Suche nach dem Loot

Viel zu tun also in der Spielwelt. Sie ist noch stärker als zuvor der Hauptdarsteller des Spiels. Denn egal ob alte oder neue Konsolengeneration oder PC - sie ist wunderschön. Zudem wird man fast gezwungen, sie genauer zu bestaunen, denn viele Orte und Welt-Events werden nicht wirklich auf der Karte angezeigt. Zwar sehen wir ein gelbes Leuchten, wenn es etwas zu plündern gibt, oder ein blaues, wenn eine kleine Quest wartet - aber finden müssen wir das schon selbst.

Der Blick von oben mithilfe des schlauen Raben hilft ein bisschen, aber nicht viel. Er zeigt zwar den genauen Ort an, doch der ist oft unter der Erde oder in einem Haus. Wie man dort hin kommt, muss man selbst herausfinden. 

Wenn man schnell spielen möchte oder kein Interesse an Rätseln hat, dann wird das eine ziemlich anstrengende Angelegenheit. Manchmal war ich gute 30 Minuten beschäftigt, bis ich endlich eine wertvolle Truhe öffnen konnte. Da müssen 2 Schlüssel gefunden und gesammelt werden, Türen werden gesprengt und Blockaden in einem Tunnellabyrinth verschoben.

Übermächtiger Bogen

Die Kritik an Odyssey, zu viel unnützes Loot zu finden, hat man sich zu Herzen genommen. So findet man nur eine kleine Auswahl an Ausrüstung. Ich habe fast das gesamte Spiel über meine erste Rüstung benutzt. Beim Schmied kann man diese verbessern und so die Werte und die Optik aufpolieren. Die Rohstoffe dafür sind aber rar. 

Statt viele verschiedene Rüstungen zu verbessern, habe ich in einen guten Satz Waffen investiert. Die kommen nicht zu knapp zum Einsatz und beeinflussen den Kampfstil. So kann man etwa mit Waffe und Schild oder einer großen Waffe spielen. Schreitet man im riesigen Fähigkeitenbaum voran, kann man sogar die Fähigkeit freischalten, zwei Einhandwaffen zu nutzen.

Das Free-Flow-Kampfsystem wurde gut aufpoliert. Hier kommt nur ein Rollen-Parieren-Schlagen-Prinzip zum Einsatz (Souls-Liebhaber rollen aber die Äuglein). Das macht den sehr blutigen Kampf schwerer und wuchtiger. Je nach Ausrüstung ist man dabei flink oder behäbig.

Völlig übermächtig ist ausgerechnet der Bogen. Setzt man hier genug Erfahrungspunkte für den Fernkampf, kann man gleich mehrere Gegner auf einmal damit ausschalten. Hat man das Kampfsystem verstanden und wechselt gewandt zwischen Bogen, Langaxt und Schild hin und her, sind die Gegner auch dann kein Problem, wenn man ein bisschen unterlevelt ist. Aber wehe man gerät in Brand (und das passiert häufig): Das bedeutet vor allem in der ersten Spielzeit den sicheren Tod.

Fazit

Die ewige Frage "Ist das noch Assassin’s Creed?" beantworte ich mit Ja, denn es ist die logische Weiterentwicklung der Spielereihe. Wem das Spielprinzip der Teile 1-3 besser gefällt als die offene Welt aus Origins und Odyssey, wird sich auch mit Valhalla schwer tun. Zwar nimmt die Geschichte inhaltlich Bezug auf Assassin’s Creed III, aber nicht genug um Veteranen zu locken.

Für mich bleibt Odyssey der beste Ableger der Reihe und mit Valhalla wurde ein gelungener Nachfolger geliefert, der lange Zeit Freude macht. Hier kann man locker 60, 80, wahrscheinlich 100 Stunden versenken, ohne sich zu langweilen. 

Die schlechteste Eigenschaft findet man im Ubisoft-Shop, wo neben dem Season Pass auch jede Menge teures Loot oder Schatzkarten für die Shop-eigene Währung (also mein echtes Geld) gekauft werden können. Das erspart Leuten Zeit. Aber das Pay-to-Win-Prinzip halte ich bei Single-Player-Spielen für eine unguten Schachzug. Zumal das Spiel selbst nun wirklich genug Vereinfachungen an die Hand gibt. Da wird den Leuten einfach nur das Geld aus der Tasche gezogen. Schade.

Assassin's Creed Valhalla ist für Xbox One und Series X/S, PS4 und PS5 und PC erschienen. 

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Franziska Bechtold

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