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Games
09/26/2019

Borderlands 3 im Test: Auf Pandora spritzt wieder das Blut

Der dritte Teil des Loot-Shooters macht nichts bahnbrechend neues. Muss er auch nicht, denn das Spielprinzip geht weiterhin auf.

von Franziska Bechtold

Gearbox hat sich 7 Jahre Zeit gelassen, bis sie ihren exzentrischen Loot-Shooter in die dritte Runde geschickt haben. Zur Überbrückung gab es ein halbherziges "Pre-Sequel" und das überraschend gelungene Telltale-Adventure "Tales from the Borderlands". Nun erschien Borderlands 3 für Playstation 4, Xbox One und im Epic-Store für PC. Der Shooter macht viel richtig, wenig neu und - meistens - immer noch Spaß.

Einsteigerfreundlich

Was Borderlands immer noch gut kann: Anfänger und Fans gleichermaßen abholen. Das Töten-und-Überfahren-Intro, das die vier spielbaren Charaktere einführt, bekam im neuen Teil einen eigenen Song von The Heavy spendiert (Put it on the line). Kompromisslos haut man hier auf den Tisch: Borderlands 3 ist ein ganzes Stück brutaler als seine Vorgänger. Der unschuldige Cell-Shading-Comic-Look wurde grafisch deutlich aufgewertet und verfeinert - auch, damit die Gegner besonders spektakulär zerplatzen, wenn sie vor die Schrotflinte laufen.

Wie gewohnt stehen zu Beginn vier Kammerjäger zur Auswahl: Bestienmeister und Roboter Fl4k, Sirene Amara, Schützin Moze mit ihrem Mech Iron Bear und Zane mit seinem Gadget-Spielzeug. Für ein Solo-Spiel eignen sich Fl4k und Moze besonders gut. Beide bieten ein neues Spielerlebnis. Fl4k wird von einem seiner drei kampfwütigen Haustiere permanent begleitet. Moze kann ihren Mech Iron Bear mit einem großen Waffenarsenal ausrüsten und sich Gegnerhorden so vom Hals halten.

Amara und Zane sind die am wenigsten innovativen Charaktere, die eher im gemeinsamen Spiel als allein funktionieren. Zane kann eine Drone und ein Schild ausrüsten, Sirene Amara hebt mit ihrer "Phaselock"-Faust einzelne Gegner in die Luft, um sie zum Abschuss freizugeben. Nach einem Tutorial, dass es in wenigen Minuten schafft, die Freude über ein Wiedersehen mit dem redebedürftigen Roboter Claptrap in puren Hass zu verwandeln, geht die Geschichte los.

Zu Beginn kann zwischen vier Kammerjäger-Klassen gewählt werden.

Fl4k hat wahlweise einen Skag, eine Spiderant oder einen Jabber an seiner Seite, die fleißig mitkämpfen.

Moze kann ihren Mech Iron Bear zu Hilfe rufen und ihn mit verschiedenen Waffen ausrüsten.

Zane besitzt Gadgets wie ein Schild, eine Drone und kann einen Klon von sich erzeugen.

Amara ist eine Sirene, die Gegner mit ihren Energie-Fäusten festhalten und in den Boden stampfen kann.

Man hat ein bisschen das Gefühl, Gearbox arbeitete für Borderlands 3 eine Liste mit Verbesserungswünschen minutiös ab. Die Level waren nicht abwechslungsreich genug? Hier habt ihr vier völlig unterschiedliche Planeten. Es gibt zu viel sinnlose Laufarbeit? Ihr könnt euch jetzt jederzeit zu Schnellreisepunkten und Fahrzeugen beamen. Freundschaften zerbrachen am Streit, wer das Loot bekommt? Jetzt bekommt jeder Spieler seine eigenen Drops. Story, Lore und Charaktere sind euch wichtig? Da habt ihr so viel Geschichte, wie es nur geht. 

Tod durch Munitionsmangel

Der Kritik, Borderlands 2 sei im mormalen Modus zu leicht gewesen, hat man sich aber eher halbherzig angenommen. Gegner halten nun deutlich mehr aus und die Munition wird schnell knapp. Das führt insbesondere im Solo-Spiel zu frustrierenden Toden aus Mangel an Patronen. 

Die meisten Schrauben wurden am Skill-System gedreht. Es ist vor allem ziemlich kompliziert geworden. Das man sich zu Beginn leicht verskillt, liegt eher an fehlenden Erklärungen, als an Komplexität. Der Fähigkeitenbaum gliedert sich in drei Bereiche, die jeweils mit einem Actionskill belegt sind, das man ausrüsten kann. Zusätzlich gibt es drei Fähigkeitenslots, mit denen der Actionskill aufgebessert werden kann. Sie schalten sich frei, indem man auf dem jeweiligen Skilltree Punkte vergibt. Wie man sie kombinieren kann oder soll, bleibt offen für Interpretation.

Gegner und Welten sind deutlich abwechslungsreicher als noch in den Vorgängern. 

Munitionsknappheit ist bei Borderlands ein neues Problem.

Gegner halten deutlich mehr aus als zuvor.

Fahrzeuge wurden überarbeitet und können aufgerüstet werden.

Hat man das System verstanden, kann man die Punkte einfach zurücksetzen und neu vergeben. Tatsächlich lassen sich über die drei Skill-Trees völlig neue Spielerlebnisse erschaffen. Spielt man mit Freunden im Team, kann man den Fokus auf aggressives Spiel oder Support-Funktionen legen. Im Einzeldurchlauf achtet man eher auf Heilungsmöglichkeiten. 

Zur Freude aller wurde die Fahrzeugsteuerung überarbeitet. Nun macht es tatsächlich Spaß, mit einem Bike oder Sprinter über die Maps zu rasen. Kapert man Fahrzeuge von Gegnern und liefert sie in einer Catch-a-Ride Station ab, kann man neue Fahrzeugteile sammeln. Ein kleines Feature, das aber langfristig Spaß macht und Sammelleidenschaften befriedigt.

Die Calypso Zwillinge sind nervig und damit das größte Manko des Spiels.

Die Gegnerdesigns sind gelungen - die Kinder der Kammer sind trotzdem keine überzeugenden Gegner.

Kill-Fluencer sind keine würdigen Gegenspieler

Der Versuch, den Shooter mit mehr Hintergrundgeschichte zu füttern, resultiert in permanentem Gelaber mitteilungsbedürftiger NPCs - gern auch mal gleichzeitig und durcheinander. Das macht Unterhaltungen im Koop schwierig. Absolviert man eine Mission und ist bereits am Ziel, kämpft aber noch gegen Gegnerhorden, werden die Auftraggeber nicht müde, das Missionsziel alle 5 Sekunden zu wiederholen. 

Die Bösewichte sind dieses Mal die Calypso Zwillinge Troy und Tyreen und ihre treu ergebene Gefolgschaft, die Kinder der Kammer. Sie sind wenig bedrohlich, dafür besonder nervig. Die Fußstapfen des Vorgänger-Antagonisten und charismatischem Berufspsychopaten Handsome Jack zu Füllen, ist schwer. Die Zwillinge scheitern daran kläglich. Sie sind eine missglückte Parodie auf Social-Media-Stars, denen es vor allem an Persönlichkeit mangelt. Dafür drehen sie schlecht geschnittene Videos ihrer Schandtaten, die man in regelmäßigen Abständen immer und immer wieder ansehen muss. Cool. Was sie eigentlich wollen und warum, erschließt sich nicht, viel schlimmer aber: es interessiert auch nicht.

Fazit

Borderlands 3 ist ein gelungener Nachfolger der Reihe. Er macht allein und im Team Spaß und steht als Koop-Loot-Shooter mit interessanter Story immer noch allein auf weiter Flur. Die Locations sind abwechslungsreich und wirklich schön anzusehen. Die Charaktere sind liebenswert, die Witze sind flach und die Waffenauswahl ist umfangreich. Die Gegnerdesigns, insbesondere bei Bosskämpfen ist fordernd und kreativ. 

Bahnbrechendes darf man nicht erwarten, muss man aber auch nicht. Manchmal reicht schon ein zerplatzender Gegner und ein lustiges Easteregg von One Punch Man oder Rick und Morty, um Spieler langfristig bei der Stange zu halten. Das gelingt Borderlands 3 so problemlos, dass die Schwachstellen zwar offensichtlich sind, aber nicht davon abhalten, viele Stunden Spielzeit damit zu verbringen. 

Getestet wurde auf der Playstation 4. Bis auf nachladende Texturen, wenige insignifikante Bugs und kleine Latenzen in Menüs gab es keine negativen Erlebnisse. Anders bei der PC Version, die zum Start mit massiven Performance-Problemen zu kämpfen hatte. Ein Hotfix hat soll die gröbsten Probleme bereits behoben haben.