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07/03/2019

Zelda Link's Awakening angespielt: Link als Funko-Pop-Figur

Das erste Handheld-Zelda kehrt auf die Switch zurück und überbrückt die Wartezeit auf das neue Breath of the Wild.

Mario, Pokémon, Donkey Kong, Star Fox, Metroid: Kaum ein anderer Videospiel-Konzern hat dermaßen viele erfolgreiche Marken in seinem Besitz wie Nintendo. In den vergangenen vier Jahrzehnten haben sich dabei auch einige Titel hervorgetan und Legendenstatus erreicht. Unter ihnen war auch „The Legend of Zelda: Link’s Awakening“, für viele Zelda-Fans der Einstieg in die Spielereihe. Denn der 1993 veröffentlichte Game-Boy-Titel erlaubte es erstmals, Zelda auch unterwegs zu spielen.

Der Titel entstand aus einem heimlichen Hobby-Projekt von Zelda-Miterfinder Takashi Tezuka und erwies sich als wegweisend für das Action-Adventure. Story, Spielmechanik und viele andere Elemente prägten die Nachfolger maßgeblich. Daher überraschte es nur wenige, als Nintendo im Februar eine Neuauflage für die Switch ankündigte. Dass diese aber bereits nahezu fertig ist und ab 20. September in den Geschäften stehen wird, war aber selbst für Nintendos Verhältnisse unerwartet flott. Die futurezone durfte den Titel ausprobieren und fühlte sich dabei in die Neunzigerjahre zurückversetzt.

Dass sich Nintendo ausgerechnet Zelda zuwendet, macht durchaus Sinn. Breath of the Wild war einer der größten Erfolge auf der Switch. 50 Prozent aller Switch-Spieler besitzen eine Kopie von Breath of the Wild, viele davon haben noch nie zuvor einen Zelda-Titel gespielt. Doch gerade jene, die mit Breath of the Wild eingestiegen sind, dürfen sich bei Link‘s Awakening auf eine Überraschung gefasst machen.

Denn die Neuauflage hält sich geradezu penibel genau an das Original, beispielsweise durch eine isometrische Perspektive. Auch der Stil der 3D-Spielwelt erinnert an das 8-Bit-Original: Zelda wird nicht realistisch dargestellt, sondern als liebenswürdiges kleines Wesen mit Knopfaugen, das eher eine Funko-Pop-Figur ähnelt. Wie der direkte Vergleich zeigt, hat Nintendo die Spielwelt nahezu perfekt nachgebaut, jedes Detail wurde in der neuen Optik nachempfunden.

Neulinge müssen umdenken

Ein großer Vorteil gegenüber dem Original: Das Schild ist dauerhaft ausgerüstet, es nimmt keinen Item-Slot im Inventar mehr ein. Das vereinfacht vor allem den Kampf, in dem man stark darauf angewiesen ist. Wenn mehrere Moblins - die Schweine-ähnlichen Gegner - in größerer Zahl auf Link zukommen, kann es aber hin und wieder durchaus knifflig werden. Moblin mit Schild müssen beispielsweise gezielt geblockt werden, wenn sie zuschlagen, um sie aus der Deckung zu locken.

Im Gegensatz zu Breath of the Wild muss man zudem auch mit Einschränkungen beim Erkunden der Spielwelt leben. Obwohl beide Titel theoretisch eine frei erkundbare Spielwelt bieten, sind die von den Entwicklern vorgegebenen Grenzen in Link's Awakening deutlicher spürbar. Bereits in der Demo stieß ich mehrmals auf Barrieren, die ich aufgrund fehlender Gegenstände nicht überwinden konnte. So fehlte mir beispielsweise die Greifenfeder, mit der Link auch springen kann - eine Fähigkeit, die für viele moderne Spieler wohl als selbstverständlich angesehen wird. Doch diese Einschränkungen und das ungewohnt lineare Spieldesign haben auch ihren Charme, denn so muss man sich des Öfteren dazu zwingen, die liebevoll gestaltete Spielwelt zu erkunden.

Alles beim Alten

Diese hat einiges zu bieten, vor allem für Serienfans. Wer das Original kennt, wird viele Details wiederentdecken. So ist es beispielsweise auch möglich, im Geschäft Waren zu stehlen. Üblicherweise muss Link Gegenstände zur Kassa bringen und dort bezahlen. Doch mit etwas Geschick kann man die Tatsache ausnutzen, dass sich der Kassier mit einer Verzögerung bewegt und ohne zu bezahlen das Geschäft verlassen. Dafür muss man aber auch mit den Konsequenzen leben: Kehrt man in das Geschäft zurück, wird Link vom Eigentümer getötet. In meinem kurzen Hands-on wollte mir dieses Kunststück nicht gelingen, doch andere Spieler haben es bereits erfolgreich geschafft.

Auch die Minispiele aus dem Original feiern eine Rückkehr, beispielsweise das Fischen und der Wunderkran. Letzteres ist im Grunde genommen ein Spielautomat, bei dem man für 5 Rubine einen Kran steuern und versuchen kann, einen Gegenstand zu erbeuten. Beide Minispiele haben das Kunstwerk vollbracht, optisch in die Gegenwart vorzustoßen und dennoch eine nahezu unverändertes Spielgefühl zu bieten.

Überraschendes Ruckeln

Die detailverliebte Gestaltung der Stadt führte auch dazu, dass ich im Zuge der Demo nur wenig Zeit im Wald und Dungeon verbringen konnte. Hier zeigte sich aber bereits, dass man auf altbekannte Stärken setzt und auch die Puzzle des Originals eins zu eins kopiert hat. Das Verschieben von Steinen, um an seltene Gegenstände zu kommen, blieb exakt gleich und dürfte Spielern der Vorgänger keinerlei Probleme bereiten.

Ungewöhnlich war jedoch, dass die Bildrate hin und wieder spürbar einbrach. Vor allem wenn viele Charaktere oder animierte Landschaft im Bild zu sehen war, kam es zum leichten Stottern. Das Problem überrascht vor allem, wenn man bedenkt, dass der Titel in weniger als drei Monaten erscheinen wird – und die Probleme im Docking-Modus auftraten, in dem die Switch eigentlich leistungsfähiger ist.

Vorfreude auf mehr

Neuauflagen sind eigentlich ein Zeichen für kreative Schwäche. Doch Nintendo vollbringt immer wieder das Kunststück, zeitlose Klassiker mit Würde und Anspruch einer neuen Generation zugänglich zu machen. Dieses Kunststück scheint auch mit Link’s Awakening gelungen zu sein. Das Spiel ist Element um Element dem Original nachempfunden ohne eine plumpe Kopie zu sein. Die bislang angekündigten Anpassungen senken den Frustfaktor des Titels etwas, erfahrene Spieler dürften sich aber dennoch nicht langweilen. Der Titel dürfte die Wartezeit auf den Breath-of-the-Wild-Nachfolger ab 20. September erfolgreich überbrücken.