Meinung
16.10.2018

Frauenverachtung im Netz kennt keine politische Farbe

Warum Solidarität über alle Parteigrenzen hinweg wichtig ist und hier ein gemeinsames Ziel im Fokus steht. Ein Kommentar.

Es passiert täglich und es passiert so gut wie jeder Frau irgendwann, wenn sie sich in sozialen Medien bewegt: Hasserfüllte Nachrichten, zumeist mit sexistischen Übergriffen gespickt - im schlimmsten Fall Vergewaltigungsdrohungen - landen im Postfach oder in den Kommentaren. Das ist nicht mehr hinzunehmen und das ist nicht einfach zu schlucken und das ist nicht totzuschweigen. Darauf gibt es nur eine einzige Antwort: Es muss aufhören.

Eine, die den Kampf gerade an vorderster Front kämpft, ist die Ex-Grünen-Abgeordnete Sigi Maurer. Glücklicherweise erlebt sie - trotz vorläufigem, nicht rechtskräftigen Gerichtsurteil gegen sie - derzeit eine Welle der Solidarität und man darf hoffen, dass der Fall am Ende doch noch anders ausgeht. Der Kampf, den Sigi Maurer hier sehr unerschrocken kämpft, ist nicht nur einer für sie selbst, sondern einer, der alle Frauen, ja alle Menschen etwas angeht: Denn die sexuellen Übergriffe im Netz, der Hass, die Beleidigungen kennen keine politische Farbe und kein ideologisches Lager - sie betreffen alle Frauen und sie kommen von überall her.

Auch ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger sieht sich aktuell mit sexistischen und verächtlichen Übergriffen konfrontiert. Im Gespräch mit der futurezone zeigt sie sich auch solidarisch mit Maurer und spricht von einem “unverständlichen Urteil” gegen sie. Man kann nur hoffen, dass sich weitere politische Vertreter, insbesondere seitens der Regierung, ebenso klar positionieren und den Worten auch Taten folgen lassen. Denn, dass wir hier ganz offensichtlich mit einer Gesetzeslücke konfrontiert sind, die es dringend zu schließen gilt, wird außer überzeugten Sexisten mittlerweile wohl niemand mehr in Abrede stellen wollen.

Wenn sich also endlich etwas ändern soll und wir als Gesellschaft solche Niederträchtigkeiten hinter uns lassen wollen, müssen wir ein gemeinsames Ziel im Auge haben und gemeinsam dafür kämpfen - das gilt für die Zivilgesellschaft und das gilt für die Politik. Sexismus ist ausnahmslos zu verurteilen, die Zeit der Relativierungen ist vorbei. Jene, die Frauen mit Übergriffen belästigen, jene, die Frauen bedrohen und beschimpfen, müssen endlich begreifen, dass sie damit nicht mehr durchkommen können. Es darf nicht mehr reichen zu sagen: “Ich wars nicht.”