Hyäne

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© Photo by Alan J. Hendry on Unsplash

Meinung

Hyänen passen sich an die Klimakrise an – warum nicht auch wir?

Wissenschaftler*innen orten einen Beleg für die allgemein hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Tüpfelhyänen an ein verändertes Umfeld

Die neueste Meldung der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) macht unmissverständlich klar: Die Klimakrise ist angekommen. Wir sprechen nicht mehr von Geschehnissen, die uns möglicherweise ereilen könnten, wenn wir bis 230 unsere Emissionen nicht reduzieren. Wir sprechen von Ereignissen, die bereits stattgefunden haben: Im Jahr 2021 haben vier von sieben Schlüsselindikatoren für den Klimawandel Rekorde gebrochen. Treibhausgaskonzentration, Anstieg des Meeresspiegels, die Erwärmung und die Versauerung der Ozeane waren so hoch wie nie zuvor.

Lassen wir uns nichts mehr vormachen. Spürbare Veränderungen auf unsere Ökosysteme und auf unser alltägliches Leben werden wir selbst dann nicht stoppen können, wenn wir jetzt die überlebensnotwendige Vollbremsung hinlegen. Wir stehen nicht nur vor der Herausforderung, die Klimakrise aufzuhalten, sondern wir müssen auch lernen, mit ihren Auswirkungen zu leben. Das betrifft nicht nur die Menschheit, sondern die gesamte Flora und Fauna. Im Gegensatz zu uns, den angeblich intelligentesten Lebewesen, stecken manche Spezies schon mittendrin in der Klimawandelanpassung.

Rote Eichhörnchen

Die niedlichen Nager sind von den Auswirkungen der Klimakrise besonders bedroht. Die globale Erwärmung wirkt sich nämlich nicht nur auf ihr Nahrungsangebot aus, sondern auch auf ihre DNA. Forscher*innen in den USA fanden heraus, dass das wärmer und trockener werdende Klima Weißfichten dazu anregt, mehr Zapfen zu produzieren. Dieses temporär hohe Futterangebot sorgt dafür, dass die Eichhörnchen ihre Jungen um einige Tage früher zur Welt bringen. Die Forscher*innen schreiben einen Teil dieser Verschiebung genetischen Veränderungen zu, die über Generationen vererbt wurden. Die höheren Temperaturen regen allerdings auch den Stoffwechsel der kleinen Nagetiere an, wodurch sie mehr Kalorien verbrauchen und deshalb mehr Futter benötigen.

Tischkorallen

Korallen reagieren sehr empfindlich auf Temperaturänderungen im Ozean. Höhere Temperaturen können zur gefürchteten Korallenbleiche führen, weil Korallen dann die bunten Algen abstoßen, die in ihrem Gewebe leben. Diese Algen geben Korallen jedoch Nährstoffe im Austausch für Schutz, daher kann das Ausbleichen ein Todesurteil sein. Tischkorallen könnte gegen die zunehmende Erwärmung der Ozeane die Evolution zur Rettung kommen, denn wie eine Studie bereits 2014 zeigte, können sie sich anpassen, um in wärmeren Gewässern dem Ausbleichen zu widerstehen. Auf der Insel Ofu in Amerikanisch-Samoa lebt die Korallenart sowohl in heißen als auch in kühlen Lagen. Im Labor testeten die Forscher*innen Korallen aus beiden Umgebungen, um zu sehen, wie sie auf erhöhte Hitze reagierten. Sie fanden heraus, dass nur 20 Prozent der Korallen aus den heißen Becken gebleicht wurden, verglichen mit 55 Prozent aus den kühlen Becken. Korallen aus der kühleren Umgebung, die ein Jahr lang in heiße Becken verpflanzt wurden, entwickelten den Anpassungsvorteil – nur mehr 32,5 Prozent von ihnen wurden in den Labortests gebleicht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Art über das notwendige genetische Material verfügt, um sich an die Hitze anzupassen und zu überleben.

Tüpfelhyänen

Neueste Ergebnisse von Beobachtungen im Serengeti-Nationalpark zeigen, dass Tüpfelhyänen ihr Abendessen auch dann finden, wenn es sich nicht mehr am gewohnten Ort befindet. Veränderte Niederschlagsmuster sorgen dafür, dass die Herden an Pflanzenfressern ihre Wanderungen in der Serengeti später beginnen. Das würde die Vermutung nahelegen, dass die Hyänen weitere Strecken von ihren Höhlen weg zurücklegen müssten auf der Suche nach Beute und seltener zu ihren Jungen zurückkehren könnten. Die Forscher*innen stellten jedoch keine Veränderungen in der Zeit fest, die säugende Hyänen mit ihren Jungen in diesen Höhlen verbringen, was darauf hindeutet, dass sie keine Probleme haben, ihre Beute auch auf den veränderten Routen zu lokalisieren. Wissenschaftler*innen sehen in dieser Studie einen Beleg für die allgemein hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Tüpfelhyänen an ein verändertes Umfeld.

Evolution durch Kooperation

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der anpassungsfähigen Hyänen liegt darin, dass sie sich durch soziales Lernen weiterentwickeln. Ihr Geheimrezept lautet Kooperation. Sie bilden Jagdgruppen, teilen das Wissen um die veränderten Beuteplätze mit anderen im Rudel und sie lösen Aufgaben in Experimenten durch Zusammenarbeit. Dabei sind sogar schneller, wenn sie in Teams mit unterschiedlich erfahrenen Mitgliedern zusammengesetzt werden und somit voneinander lernen müssen. Diese Eigenschaften machen sie flexibel und überlebensfähig, auch angesichts der Veränderungen, die die Klimakrise mit sich bringt. Da können wir Menschen uns von den Tüpfelhyänen einiges abschauen! Wer weiterhin nicht bereit ist, an der Klimawende mitzuarbeiten und stattdessen rücksichtslos auf eigene Vorteile durch fossile Klimakiller setzt, hat noch immer nicht kapiert, dass Evolution durch Kooperation stattfindet und dass nicht die überleben, die sich für Stärker als alle anderen halten, sondern die Anpassungsfähigsten. Die Zukunft gehört denen, die fähig sind, von Wissenschaft und Klima-Pionier*innen zu lernen.

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Tina Wirnsberger

Tina Wirnsberger ist Trainerin für nachhaltige Wirtschaft & Politik und Sozialpädagogin. Sie war bis Jänner 2019 Grüne Stadträtin für Umwelt und Frauen in Graz.

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