Ford F-150 vs. Tesla Cybertruck. Wer gewinnt? Das Weltklima sicher nicht

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Meinung
12/16/2019

Warum Tauziehen mit Teslas ziemlicher Blödsinn sind

Duelle zwischen muskulösen Straßenpanzern werden fieberhaft verfolgt. Siege dabei bedeuten in der Praxis aber nichts Gutes.

von David Kotrba

"Bei diesem Wettbewerb ging es mehr um die Physik der Haftung als um Motorleistung", twitterte Neil deGrasse Tyson, nachdem Tesla seinen gerade erst präsentierten Cybertruck gegen den beliebtesten Pick-up-Truck der USA, den Ford F-150, im Tauziehen antreten ließ. Der elektrisch angetriebene Cybertruck schien dabei keine Mühe zu haben, seinen Kontrahenten selbst bergauf zu ziehen, während dessen Reifen hilflos durchdrehten.

Vergleichbarkeit

In den Tagen darauf wurde wild diskutiert. Tesla-Fans jubelten über die scheinbare Unbesiegbarkeit von Elektromotoren mit ihrem vom Stand weg überlegenen Drehmoment. Ford schmollte und wollte eine Revanche - später dann doch nicht. Halbwegs unparteiische Stimmen wie jene des bekannten Astrophysikers Neil deGrasse Tyson wiesen auf die Tücken des Tauziehens hin: Im Duell mit dem Cybertruck drehten sich nur die Hinterreifen durch, der F-150 hatte also lediglich Heckantrieb, der einem Allradantrieb natürlich unterlegen sei.

Außerdem wisse niemand das genaue Gewicht des Cybertruck-Prototyps, das natürlich deutlich höher sein könnte als jenes des F-150. Die Motorstärke sei außerdem nicht ausgewogen und überhaupt müssten die Ladeflächen beider Fahrzeuge für den Vergleich voll sein. Gleichwertig müssten für einen faires Duell außerdem die Reifen sein. Um den Nachteil des niedrigeren Drehmoments beim fossil betriebenen F-150 auszugleichen müsste man Vollgas geben und dann beim Los-Signal das Kupplungspedal hochschnalzen lassen.

Praxisfern

Selbst wenn man einen komplett fairen Wettkampf inszeniert, was bedeutet das eigentlich in der Praxis? Wie das Finanzmagazin Barron's schreibt, werden Pick-up-Trucks in Realität kaum dazu verwendet werden, um andere Autos am Heck durch die Gegend zu ziehen. Wofür sie aber etwa verwendet werden, ist, um Boote auf Anhängern über Rampen zu Wasser zu lassen. Wer sich bei einem solchen Vorgang einen Wasserschaden bei seinem Tesla einhandelt, hat keinen Garantieanspruch. Tesla will derzeit nicht beantworten, ob dies auch beim Cybertruck so bleibt. Was die reine Zugkraft anbelangt, etwa zum Transport eines Wohnwagens: Da sollte jeder Pick-up-Truck genügend Kraft haben.

Das gefühlte Gute

Klar, so ein Kräftemessen ist lustig, auch auf andere Arten, etwa beim "Drag Race". Auch in dieser Disziplin will Tesla den Ton angeben. Der Porsche Taycan scheint ein ebenbürtiger Gegner. Noch dazu kann hierbei eher Apfel mit Apfel bzw. E-Auto mit E-Auto verglichen werden. Klar sieht man sich gerne solche Wettkämpfe an. Die Vehemenz, mit der über die exakten Details gestritten wird, ist menschlich. Schließlich debattiert auch das halbe Internet über die Farbe eines Kleides auf einem Foto oder über den genauen Reiseverlauf eines 16-jährigen Mädchens im deutschen Bahnnetz. Also einen Unterhaltungsfaktor hat so ein Tauziehen ganz bestimmt.

Das Schlechte

Was ist es denn genau, was wir bei einem solchen Tauziehen beobachten? Zwei Pick-up-Trucks mit hunderten kW bzw. PS. Egal, welcher Antrieb drin steckt, Pick-up-Trucks fressen enorme Mengen Energie, sind schwer und ineffizient. Gerade in den USA sind sie äußerst beliebt. Vom Ford F-150 wurden in den vergangenen 60 Jahren (ja, er existiert schon länger) über 40 Millionen Mal verkauft. Alleine im vergangenen Jahr waren es in den USA 900.000 Stück. Hierzulande sind Pick-ups nicht dermaßen beliebt, aber auch in Österreich steigt ihre Verbreitung. Beim nächsten Exemplar, das einem auf der Straße begegnet, könnte man sich übrigens fragen: Liegt da wirklich etwas auf der Ladefläche? Oder steckt der Mehrwert für den Besitzer in anderen Eigenschaften?

Das Ungeheuerliche

Welche Botschaft wird der Allgemeinheit vermittelt, wenn ein Wettkampf zwischen rollenden Kraftpaketen aus Stahl und Aluminium deutlich mehr Aufmerksamkeit erhält als die Frage, ob die Menschheit solche Fahrzeuge wirklich braucht? Während Wissenschaftler rund um die Welt immer wieder vergeblich darauf hinweisen, wie dringend das Problem der Erderwärmung wird, während Staatenverbunde Ziele zur Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen festsetzen und Länder wie Österreich diese Ziele nicht annähernd erreichen, jubeln wir über den Sieg im Tauziehen zwischen rund zweieinhalb Tonnen schweren Maschinen, die im Alltag enorme Luftwiderstände für den Transport von durchschnittlich 1,3 Personen überwinden? Die Richtung stimmt da ganz bestimmt nicht.