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Netzpolitik
01/16/2020

Akkus drahtlos laden: Der holprige Weg zur einheitlichen Lösung

Die EU will endlich gemeinsame Ladegeräte für Smartphones, Tablets und Wearables. Bisher scheiterte alles an Apple.

von Martin Stepanek

Einmal mehr fordert das EU-Parlament einheitliche Ladegeräte für Handys, Tablets, Smartwatches und andere Elektrogeräte – nicht zuletzt um den 51.000 Tonnen schweren Berg an alten Ladekabeln pro Jahr zu dezimieren. Der Europaparlamentarier Andreas Schwab (EVP) argumentiert, die Zwangsvereinheitlichung könne mit drahtlosen Ladelösungen leicht herbeigeführt werden, da die unterschiedlichen Kabelsteckverbindungen direkt am Handy wegfallen.

Qi hat sich durchgesetzt

Doch welchen Standard beim kabellosen Laden würde die EU überhaupt vorschreiben? Die Antwort könnte der Markt liefern. Zwar existieren immer noch mehrere Lösungen zum kabellosen Laden, darunter Resonant der AirFuel Alliance und NFC für Geräte mit sehr geringem Stromverbrauch. Im Bereich Smartphones und Wearables hat sich zuletzt aber eindeutig der induktive Ladestandard Qi des Wireless Power Consortiums durchgesetzt.

Mitverantwortlich dafür ist Apple, das seit dem iPhone 8, aber auch für die Airpods auf Qi setzt und damit auch andere große Marktplayer auf die Qi-Seite zog. Dass Apple mit an Bord ist, könnte auch der EU-Kommission das nötige Selbstbewusstsein geben, einen drahtlosen Ladestandard für alle Hersteller vorzuschreiben.

Denn Apples Weigerung, seinen proprietären Lightning-Anschluss etwa zugunsten von USB-C aufzugeben, hat zusammen mit geschicktem Lobbying dazu geführt, dass das vor über zehn Jahren getätigte Versprechen nach einem einheitlichen Ladegerät noch immer nicht eingelöst wurde. Und auch weiterhin wird das Anliegen verschleppt. Eine Untersuchung hinsichtlich der möglichen Einführung liegt seit Monaten unter Verschluss, wie Netzpolitik.org recherchierte.

"Einheitliche Lösung sinnvoll"

„Aus Kundensicht wäre es natürlich sinnvoll, eine einheitliche Lösung für alle Geräte zu haben. Grundsätzlich ist sicherzustellen, dass die Temperatur-Regelung, das Erkennen von fremden Objekten wie etwa Münzen auf der Ladematte, aber auch die Interoperabilität in jedem Produkt einwandfrei funktionieren, erklärt Verena Lackner, Wireless-Charging-Expertin bei Infineon auf futurezone-Nachfrage.

Zertifizierte Produkte würden gewährleisten, dass auch Funktionen wie Fast Charging sicher und effizient über Herstellergrenzen hinweg funktionieren. Der Konzern bietet dafür Mikrokontroller, Treiber, aber auch komplette Systemlösungen an. Über entsprechende Authentifzierungen können Geräte auch erkennen, ob es sich bei der Ladematte um ein zertifiziertes Produkt handelt und gegebenenfalls die Leistungsaufnahme drosseln, wenn dem nicht so ist.

Apple Watch lässt sich nicht laden

Wie so oft, liegt der Teufel aber im Detail. Denn die einzelnen Gerätekategorien mögen in sich zwar die gleichen Anforderungen haben – will man mit der gleichen Ladematte aber Smartphones, Smartwatches und später auch Laptops aufladen, wird es schon komplizierter. So lässt sich etwa die Apple Watch, aber auch manche Galaxy Watch nicht auf jeder beliebigen drahtlosen Ladematte aufladen.

Das hat neben kommerziellen Überlegungen – etwa um zertifiziertes Zubehör verkaufen zu können - auch damit zu tun, dass die genaue Positionierung des Geräts beim Drahtlos-Laden eine wichtige Rolle spielt und auch die Versorgung des Akkus mit der optimalen Leistung über ein dezidiertes Gegenstück ein Thema ist. Für 15 Watt sind größere Spulen in einer Ladematte verbaut – die für eine Smartwatch benötigten 2 Watt Ladeleistung werden aber über kleinere Spulen realisiert, die beim Auflegen des Geräts genau getroffen werden müssen.

Wie komplex die Entwicklung einer Universalmatte ist, mit der man parallel mehrere unterschiedliche Geräte aufladen kann, zeigt das seltene Scheitern Apples an dem Unterfangen. Bis heute ist es dem Konzern nicht gelungen, seine 2017 angekündigte AirPower auf den Markt zu bringen.

Künftig auch Laptops mit Qi laden

Da in absehbarer Zeit auch Laptops mit Ladeleistungen zwischen 30 und 60 Watt über den Qi-Standard geladen werden sollen, könnte dies die Anforderungen an eine Gesamtlösung weiter verkomplizieren. Dieses Thema ist mittlerweile auch bei den Ladegeräten angekommen, wo sich der USB-C-Standard mit Ausnahme der iPhones sowohl bei Smartphones, als auch vielen Notebooks durchsetzt.

Die Frage ist auch hier, wie die EU bei einer anvisierten Lösung vorgehen soll. Schreibt sie Ladegeräte für einzelne Produktkategorien wie etwa Handys vor, die für das Laden von Notebooks aber zu wenig Leistung bieten oder ewig lange Ladezeiten bedeuten. Oder setzt sie gleich auf entsprechend leistungsstarke Ladegeräte, die Notebooks, Tablets und Handys laden können. Das Problem dabei wäre aber, dass diese größer ausfallen müssten – was in puncto unnötigem Materialverbrauch und Elektroschrott ebenfalls zu berücksichtigen ist.

Ob das EU-Parlament und die EU-Kommission dieses Mal ihr Versprechen und ihre Ankündigungen einhalten können, wird sich zeigen. Angesichts der über zehnjährigen Untätigkeit der Kommission ist dies zumindest zweifelhaft. Ende Jänner soll das Europäische Parlament über die gemeinsame Vorgangsweise abstimmen. Die EU-Kommission hat angekündigt, in den nächsten Tagen die bereits im Vorjahr in Auftrag gegebene Studie zur Durchführbarkeit einer einheitlichen Ladelösung zu veröffentlichen.