Symbolbild. Ein Amazon Echo Dot.

© AP/Elaine Thompson

Netzpolitik
08/09/2019

Amazons Echo-Lautsprecher werden von Schülern in Nachtarbeit gebaut

Foxconn hat Lehrer bezahlt, damit diese die Schüler überzeugen, Überstunden und Nachtarbeit zu leisten.

Amazons Echo-Lautsprecher werden von Jugendlichen in China bei Überstunden und Nachtarbeit hergestellt. Das beweisen Dokumente von Amazon-Zulieferer Foxconn, die unlängst geleakt sind.

 Firmeneigene Schlafräume

Der chinesische Zulieferer Foxconn hat über 1.000 Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren angestellt, um die Amazon-Lautsprecher für den Sprachassistenten Alexa herzustellen, wie "The Guardian" berichtet. Mehrere Interviews belegen, dass die Schüler ihre Dienste in Nachtarbeit tun und Überstunden leisten sollen. Dafür seien ihnen firmeneigene Schlafräume zur Verfügung gestellt worden. 

Die Jungarbeiter wurden den Dokumenten zufolge von Schulen in der Stadt Hengyang rekrutiert und als „Praktikanten“ beschäftigt. Foxconn soll zudem Lehrer bezahlen, um jene Schüler von Nachtschichten und Überstunden zu überzeugen, die sich dagegen wehren.

„Ich habe meinem Vorgesetzten gesagt, dass ich keine Überstunden machen möchte." Daraufhin habe dieser seinen Lehrer über den mangelnden Arbeitswillen informiert. "Mein Lehrer meinte, wenn ich die Überstunden nicht mache, würde ich einerseits eine schlechtere Note bekommen und andererseits bei Foxconn rausgeworfen werden. Ich hatte keine Wahl“, erzählt ein Schüler.

Gegen das Gesetz

Das Anstellen von Jugendlichen ab 16 Jahren ist chinesischen Unternehmen grundsätzlich erlaubt. Gesetzeswidrig ist jedoch deren Leisten von Überstunden und Nachtschichten. Foxconn beruft sich darauf, den Praktikanten die Möglichkeit geboten zu haben, praxisnahe Erfahrung zu sammeln, „die ihnen nach dem Abschluss helfen, einen Job zu finden“.

Das Unternehmen hat jedoch auch zugegeben, mit der Handhabe gegen das Gesetz verstoßen zu haben und den Missstand beheben zu wollen. Grund für diesen Patzer seien unzulängliche Kontrollen seitens des lokalen Managements im Umgang mit den Praktikanten gewesen. Die Schüler seien dafür angemessen entlohnt worden.

Amazon kritisiert Foxconn: „Wir tolerieren keine Gesetzesverstöße, besonders wenn sie im Zusammenhang mit Jugendlichen stehen“, sagt ein Sprecher. Man sei dabei, die Situation zu bessern.