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Netzpolitik
12/16/2019

Android-Smartphones in der Türkei künftig ohne Google-Apps

Wegen Unstimmigkeiten mit der türkischen Regierung werden Android-Handys künftig ohne Google-Apps verkauft.

Google wird für neue Android-Smartphones auf dem türkischen Markt keine Google Apps bereitstellen, wie Reuters berichtet. Die Entscheidung resultiert aus einem anhaltenden Disput des Unternehmens mit der türkischen Regierungen. 2018 hatte die Wettbewerbsbehörde Google mit einer Strafzahlung von umgerechnet 14,27 Millionen Euro (93 Millionen Lira) belegt, da deren Software-Verkäufe gegen das türkische Wettbewerbsgesetz verstoßen.

Das Unternehmen hatte sechs Monate Zeit, um entsprechende Änderungen mit seinen Vertragspartnern auszuhandeln. Am 7. November hatte die Türkei diese Änderungen als ungenügend eingestuft. Nun sagte ein Google-Sprecher: "Wir haben unsere Vertragspartner darüber informiert, dass wir zukünftig nicht mehr in der Lage sind, mit ihnen an neuen Android-Smartphones für den türkischen Markt zu arbeiten". Bereits erschienene Geräte können weiterhin uneingeschränkt genutzt werden.

Google und Türkei suchen gemeinsame Lösung 

Google gibt an, an mit der Türkei an einer Problemlösung zu arbeiten. In der Türkei nutzen laut der türkischen Zeitung Habertürk 83,6 Prozent der Menschen Android-Smartphones. Für 2019 wird eine Verkaufszahl von 11 Millionen Handys erwartet, die mit dem Google-Betriebssystem ausgestattet sind. Insgesamt schätzt man, dass 40 Millionen Türken Android nutzen und nur 8 Millionen iOS.

Eine Auflage der Wettbewerbsbehörde sei es, dass Kunden die Standard-Suchmaschine von Android wechseln können. Derzeit ist nur die Nutzung von Google möglich, wogegen der russische Konkurrent Yandex Beschwerde eingelegt hatte. Laut Habertürk soll Google in einem Brief vom 12. Dezember an seine Vertragspartner die Kontaktdaten des türkischen Handelsministers und der Wettbewerbsbehörde geteilt haben. Die Partner seien darin aufgefordert worden, Druck auf die Türkei auszuüben. 

Google bestimmt den Markt 

Im Januar hatte die Wettbewerbsbehörde eine weitere Untersuchung gestartet. Dabei geprüft werden, ob der Suchalgorithmus, der für Suchen und gezielte Werbung verwendet wird, gegen das Wettbewerbsgesetz verstößt. Google habe "seine marktbeherrschende Stellung missbraucht und erschwere die Bemühungen anderer Firmen", so die Wettbewerbsbehörde.

Android-Kunden in der Türkei könnten nun ähnliche Hindernisse wie Nutzer der neuesten Huawei-Smartphones erleben. Aufgrund des Handelskriegs zwischen den USA und China wurden die neuen Geräte wie das Mate 30 ohne Google Apps ausgeliefert.