Netzpolitik 31.03.2018

Aus für Geoblocking: Inhalte von Mediatheken bleiben gesperrt

© Bild: Gregor Gruber

Trotz der neuen EU-Streaming-Regelung werden ORF, ARD und die ProSiebenSat.1-Gruppe ihre Inhalte weiterhin beschränken.

Während bezahlpflichtige Streaming-Anbieter wie Netflix aufgrund einer EU-Verordnung ab 1. April garantieren müssen, dass EU-Bürger ihre Abonnement auch bei Reisen im EU-Ausland nutzen können, ziehen die öffentlich-rechtlichen Sender, aber auch private Fernsehstationen in Österreich und Deutschland nicht nach, wie die futurezone erfahren hat. Die in den Mediatheken von ORF, ARD, aber auch der ProSiebenSat.1-Gruppe gesperrten Inhalte, wenn man sich nicht im Ursprungsland befindet, bleiben trotz der Anti-Geoblocking-Verordnung gesperrt.

Möglich macht dies ein Passus, der Gratis-Streaming-Services von der Regelung ausnimmt. Und sei es jetzt die ARD-Mediathek, die ORF TVthek oder die Streaming-Angebote von ProSiebenSat.1: All diese Dienste sind - sieht man von den Rundfunkgebühren ab - kostenlos und im Fall von ORF und ARD auch ohne User-Account nutzbar. Dieser ist Voraussetzung, damit der Nutzer zu dem Land, für das der Streaming-Anbieter seine Rechte erworben hat, zugeordnet werden kann.

ORF und ARD sehen keinen Handlungsbedarf

Sowohl beim ORF als auch bei der ARD verweist man auf Anfrage der futurezone darauf hin, dass der Großteil der in der Mediathek sowie der TVthek angebotenen Inhalte ohnehin weltweit abrufbar sei. "Die EU-Verordnung zur grenzüberschreitenden Nutzung von kommerziellen Streaming-Diensten betrifft ausdrücklich nicht die kostenlosen Mediatheken der Fernsehanbieter, hat also keine Auswirkung auf die TVthek. Alle ORF-Eigenproduktionen, insbesondere die ORF-Nachrichtensendungen sind und bleiben innerhalb der bestehenden Rechtelage weltweit über die TVthek abrufbar", erklärt ORF-Sprecher Rudolf Fehrmann. Eine Ausweitung des Angebots sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant.

Auch die ARD bezieht sich auf die Ausnahmeregelung und argumentiert zudem mit anfallenden Kosten. "Für geblockte Inhalte von unentgeltlichen Anbietern wie der ARD sieht die Portabilitätsverordnung eine Opt-in-Möglichkeit vor. Die ARD macht von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch. Die Herstellung von Portabilität für die geblockten Inhalte würde für die ARD die Errichtung einer technischen Infrastruktur erfordern, die mit ganz erheblichen Kosten verbunden wäre, und vor allem die Art und Weise, wie die ARD-Inhalte angeboten werden, ganz maßgeblich verändern würde", teilt SWR-Unternehmenssprecher Wolfgang Utz der futurezone mit.

Auch ProSiebenSat.1 verzichtet

ProSiebenSat.1 hingegen teilt auf Anfrage mit, dass der kostenpflichtige Streaming-Dienst Maxdome "selbstverständlich ab 1. April auch im EU-Ausland ohne Einschränkungen genutzt werden kann". Wer TV-Sendungen wie Germany's Next Top Model im Urlaub außerhalb von Deutschland, Österreich oder der Schweiz sehen will, hat hingegen weiter Pech gehabt.

Das Streaming von bereits gezeigten Sendungen von Sendern der Gruppe, wie ProSieben, Sat.1 und kabel eins, bleibt ebenso blockiert wie das Live-Streaming von Sendungen, für das man sich mittlerweile über einen 7Pass-Account einloggen muss. Wie eine Unternehmenssprecherin auf futurezone-Anfrage mitteilt, prüfe man diese Option für die Zukunft. Aktuell sei aber in dieser Hinsicht ebenfalls nichts geplant.

( futurezone ) Erstellt am 31.03.2018