Netzpolitik
25.10.2018

Big Brother Awards für Gesichtsscanner in Apotheke und CDU-Politiker

Der Negativpreis für Datenschutzverletzungen wird alljährlich in verschiedenen Kategorien verliehen.

In insgesamt fünf Kategorien wurden am Donnerstagabend die Big Brother Awards 2018 verliehen. Die vom Verein quintessenz verliehenen Negativauszeichnungen werden an Firmen und Institutionen vergeben, die mit besonders fahrlässigem Umgang mit dem Datenschutz und anderen netzpolitischen Themen auffallen.

Gesichtsscanner für Werbung

In der Kategorie "Kommunikation und Marketing" wurden Bayer Austria und der Tabakkonzern Philip Morris wegen ihren Plänen ausgezeichnet, Werbung mithilfe von Gesichtsscannern in Apotheken und Trafiken an Zielgruppen zu bringen. Bei den Pilotprojekten erfasste die installierte Kamera Geschlecht und Altersspanne der Kunden und zeigte dann passende Werbung an.

Ähnliches versuchte der Tabakkonzern Philip Morris in zwei Trafiken in Wien. Er passte die beworbenen Marken an die per Scan analysierten Trafik-Kunden an.

CDU-Politiker Axel Voss und Wiener Magistrat

Ebenfalls "ausgezeichnet" wurde der CDU-Politiker Axel Voss in der Kategorie "Politik". Der Urheberrechtsverhandler der EU war bereits im September mit dem "Scheiß Internet"-Preis bedacht worden. Abgesehen vom umstrittenen Gesetzesentwurf, der unter anderem Upload-Filter und Leistungsschutzrecht beinhaltet, fiel zudem mit einem peinlichen Interview auf, in dem er überraschend ahnungslos hinsichtlich der von ihm ausverhandelten Materie wirkte.

Mit einem Big Brother Award bedacht wurde zudem die Wiener Magistratsabteilung 67, die für die Parkraumüberwachung in der österreichischen Bundeshauptstadt verantwortlich zeichnet. Sie gewann den Preis in der Kategorie "Behörden und Verwaltung" für das elektronische Parkpickerl, das bei einer Verlängerung oder einem Neuantrag automatisch zugesandt wird. Damit sei es möglich, ein ziemlich genaues Bewegungsprofil für alle im öffentlichen Raum abgestellten Autos zu erhalten, kritisierten die Initiatoren.

Facebook und Herzschrittmacher-Firma Medtronic

Mit der Firma Medtronic wurde ein Hersteller von Herzschrittmachern in der Kategorie "Business und Finanzen" mit einem Big Brother Award ausgezeichnet. Trotz einer über 1,5 Jahre bekannten Firmware-Schwachstelle, die theoretisch auch ausgenutzt werden kann, weigerte sich Medtronic ein Update bereitzustellen. Auf Nachfrage von Journalisten antwortete die Firma, dass das Risiko ohnehin nur gering sei.

In der Kategorie "Weltweiter Datenhunger" kam - wenig überraschend - Facebook zu seinen zweifelhaften Ehren. "Facebook steckt in einem Strudel von Skandalen, und das soziale Netzwerk kommt immer mehr in Erklärungsnot, warum die Nutzer ihm überhaupt noch vertrauen sollten", fassten die Initiatoren die diversen Vorkommnisse vom Cambridge-Analytica-Datenskandal bis hin zu versehentlich angezeigten Daten von 14 Millionen Nutzern zusammen.