Netzpolitik
23.09.2018

Aktivisten sabotieren mit gefälschtem Passbild Gesichtserkennung

Um vor dem zunehmenden Einsatz von Gesichtserkennung zu warnen, haben deutsche Politaktivsten ein gefälschtes Bild in einen Reisepass geschmuggelt.

Das Foto zeigt eine deutsche Politaktivistin, aber auch EU-Außenbeauftragte Frederica Mogherini und befindet sich seit kurzem in einem offiziellen deutschen Reisepass. Hergestellt wurde es von einer vom deutschen Peng!Kollektiv entwickelten Software, die zwei Passbilder miteinander „morpht“, also verschmelzen lässt. Von einem Berliner Bürgeramt wurde es akzeptiert, wie „Spiegel online“ berichtet.  

Mit der Aktion wollen die Politaktivisten auf den zunehmenden Einsatz von Gesichtserkennung aufmerksam machen. In Deutschland können seit dem vergangenen Jahr nicht nur Strafverfolger, sondern etwa auch Geheimdienste und der Zoll auf in den Meldeämtern gespeicherte Bilder zugreifen.

Umfassende Überwachungsmöglichkeiten

In Kombination mit Gesichtserkennungstechnologie ergeben sich für die Behörden damit umfassende Überwachungsmöglichkeiten. Sie werden, wie etwa die Bildauswertung von Videomaterial von Protesten gegen den G20-Gipfel im vergangenen Jahr zeigt, auch bereits genutzt. Die Privatsphäre der Bürger droht dabei auf der Strecke zu bleiben. Datenschützer schlagen Alarm.

Wenn man stets fürchten müsse, dass man erkannt wird, sobald man etwa auf eine Demonstration gehe oder am falschen Ort von einer Kamera gefilmt werde, dann greife vorauseilender Gehorsam, sagt die Peng!-Aktivistin zum Spiegel Online. Automatisierte Gesichtserkennung ermögliche eine solche Totalüberwachung.

Wie Gesichtserkennungssoftware auf das „gefälschte“ Passbild der Aktivistin reagieren wird, ist offen. Die Politaktivisten hoffen jedenfalls, dadurch eine Diskussion über die zunehmende Überwachung mittels automatisierter Gesichtserkennung zu entfachen.

Fehlinformationen in Datenbanken

Das Peng!Kollektiv will seine Software auch dazu nutzen, um Datenbanken mit Fehlinformationen zu fluten und die automatische Erkennung quasi ad absurdum zu führen. Das Programm stellen die Aktivisten im Rahmen ihrer Aktion Mask.id auch öffentlich bereit. Jeder kann damit sein Passbild mit anderen Porträts verschmelzen. Mit dem solcherart manipulierten Bild zum Meldeamt zu gehen, empfehlen die Aktivisten aber vorerst nicht . Ob es legal sei, solche Bilder als Passfoto zu nutzen, wisse man nicht, da ein solcher Fall noch nicht vor Gericht verhandelt worden sei.