Netzpolitik
07.11.2013

Tim Berners-Lee verurteilt Geheimdienst-Überwachung

Der "Vater des WWW" kritisiert die Abhör-Programme der britischen und US-Geheimdienste schwer und lobt die Arbeit von Informanten wie Edward Snowden.

Der Web-Pionier Tim Berners-Lee hat die Spähprogramme von britischen und US-Geheimdiensten kritisiert und die Arbeit von Informanten ("Whistleblowern") wie Edward Snowden gelobt. "Wir brauchen mächtige Behörden, um kriminelle Aktivitäten online zu bekämpfen", sagte Berners-Lee dem "Guardian" (Donnerstag).

Geheimdienste legen Rechenschaft ab

"Aber jede mächtige Behörde braucht Überprüfung und Ausgleich, und die Enthüllungen der letzten Zeit haben gezeigt, dass die derzeitigen Prüf- und Ausgleichssysteme nicht funktionieren." Menschen, die zu Enthüllungen bereit seien, sowie verantwortlich arbeitende Medien spielten deshalb eine wichtige Rolle, sagte Berners-Lee.

Am Donnerstag stand in Großbritannien die erste öffentliche Übertragung eines parlamentarischen Ausschusses an, vor dem regelmäßig die Chefs der drei Geheimdienstsparten MI5, MI6 und GCHQ Rechenschaft ablegen. Bisher waren diese Sitzungen nicht öffentlich.

Keine Überraschung

Berners-Lee hatte 1989 die grundlegenden Web-Standards HTML und HTTP entwickelt und gilt deswegen als "Vater des World Wide Webs". Er forderte eine offene Debatte über die Überwachungsmöglichkeiten des Staates. Viele der jüngsten Enthüllungen hätten ihn nicht grundsätzlich überrascht, erklärte Berners-Lee. Er habe aber nicht mit solchen Ausmaßen gerechnet.