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Netzpolitik

Wie ein Corona-Selbsttest zum offiziellen Nachweis werden könnte

Seit Montag werden in den heimischen Apotheken kostenlose Corona-Antigen-Tests ausgeteilt. Selbsttests für Zuhause dienen aktuell aber nur der eigenen Klarheit und Risikoabschätzung. Offiziell zugelassen – etwa beim Friseur – sind sie nicht. Denn sie weisen ein hohes Fälschungspotenzial auf. Einerseits lässt sich nicht nachweisen, wer den Test tatsächlich durchgeführt hat, andererseits kann das Test-Stäbchen beispielsweise in ein Glas Wasser gehalten werden, sodass der Test automatisch negativ ausfällt. Auch Anwendungsfehler und somit falsche Resultate sind möglich.

Laut Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) könnten "Wohnzimmertests" künftig dennoch zur offiziellen Zutrittsmöglichkeit werden. Das westliche Bundesland wird aufgrund der besseren Infektionslage im Vergleich zum Rest Österreichs ab 15. März mit Lockerungen in der Gastronomie sowie im Sport- und Kulturbereich starten. 

Auswertung im Labor

Um sie überprüfbar zu machen, sollen sie etwa "digital hochgeladen" werden können, wie er im Ö1-“Morgenjournal“ am Dienstag vorgeschlagen hat. Laut dem Landeshauptmann könne die Lockerung in Vorarlberg nur funktionieren, wenn das Gesundheitsministerium die Wohnzimmertests als Zutrittsmöglichkeit zulasse und das auch rechtlich abgesichert werde. Wie die Pläne dazu aber konkret aussehen, bleibt noch ein großes Fragezeichen.

Tests, die man zuhause durchführen kann und die als offizieller Nachweis dienen, gibt es zwar, sie müssen aber an ein Labor zur Auswertung geschickt werden, da es sich hierbei um PCR-Tests handelt. Auch bei der Polizei hat man in der Anfangsphase von COVID-19 damit Erfahrungen gemacht, wie ein Sprecher des Innenministeriums auf futurezone-Anfrage schildert. Zum Einsatz kam der Gurgeltest des Wiener Unternehmen Lead Horizon. Auf Wunsch könne ein Zertifikat als offizielle Bestätigung bei Behörden ausgestellt werden.

Videokontrolle

Kontrolliert wird das Verfahren über Video. Dabei hält man einen Ausweis in die Handy-Kamera und filmt sich selbst beim Gurgeln. Das Video wird anschließend hochgeladen. Bei diesem Verfahren wird die Probe innerhalb von 3 Stunden per Post an ein Labor geschickt – das Ergebnis liegt innerhalb von 24 Stunden vor. Auch die futurezone hat ihn getestet.

Flächendeckend wurde der Gurgeltest bei der Polizei aber nicht eingesetzt. Aktuell würden normale PCR-Tests durchgeführt, heißt es.

Sicher gegen Missbrauch

Denkbar wäre, dass auch für Schnelltests ein ähnliches Verfahren per Video mit einem amtlichen Lichtbildausweis angeboten wird, um vor Missbrauch zu schützen. Konkrete Informationen zur technischen Umsetzung will man auf futurezone-Anfrage aber nicht geben. Bis kommenden Freitag oder Anfang nächster Woche wolle man aber schon eine Lösung vorschlagen.

Dass man einfach einen negativen Test beim Eingang herzeigt, wird es jedenfalls nicht geben, wie ein Sprecher des Landeshauptmanns der futurezone mitteilt. "Denn es wird eine Kontrolle geben müssen", sagt er. Möglichkeiten, die Tests zu überprüfen, würden gerade noch ausgearbeitet.

Mit Zeugen

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hat in einem in Auszügen vorab veröffentlichten Interview mit dem Sender oe24.TV ankündigt, dass die in den Apotheken gratis erhältlichen „Wohnzimmertests“ auch als Eintrittstests für die Gastronomie gültig sein werden. Sie merkte aber ebenfalls an, dass dies nur bei Kontrolle durch eine unabhängige Person möglich sein wird: „Wir haben uns mit dem Gesundheitsministerium darauf verständigt, dass es die rechtlichen Voraussetzungen zur Verfügung stellt, dass ein Reintesten mit den Wohnzimmertests in der Gastronomie möglich sein wird. Es wird aber eine zweite Person brauchen, die das validiert, dass es die Abstrichabnahme gegeben hat“, zitierte oe24.TV die Ministerin.

Aus dem Gesundheitsressort hieß es dazu gegenüber der Presseangentur APA, Selbsttests kommen nur unter Kontrolle durch eine „offizielle Person“ oder ein Labor für Zutrittstestungen beim „Pilotprojekt“ Vorarlberg in Frage. Wie das genau funktionieren soll, ist noch offen. Die Details dazu werden „aktuell erarbeitet“, dies betreffe sowohl die Antigentests als auch PCR-Tests (wie etwa die Gurgeltests). Wichtig dabei sei ein regelmäßiges zwei bis dreimal wöchentliches Testen „und der niederschwellige Zugang“, hieß es aus dem Gesundheitsministerium.

Schnelltest per Smartphone

An Selbsttests wird generell weitergeforscht. Eine neue Möglichkeit liefern Forscher der Universität Lille in Frankreich. Sie haben den Corona-Schnelltest namens CorDial-1 entwickelt, der eine 90-prozentige Genauigkeit aufweisen soll. Eine Auswertung im Labor sei nicht nötig, wie TRT World berichtet. Nutzer müssen einen Nasenabstrich machen, der in Folge auf eine Art Dongle aufgetragen wird. Der wird in den USB-Anschluss des Handys gesteckt.

Da das Spike-Protein den elektrischen Strom verändert, wird dessen Fluss analysiert. Die Höhe des Signals gibt Aufschluss darüber, ob der Test negativ oder positiv ist. Das Ergebnis liegt innerhalb von 10 Minuten direkt am Display vor. Zugelassen ist der Test aber noch nicht. Aktuell wird das Testverfahren mit mehr als 1.000 Probanden 3 Monate getestet.

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Andreea Iosa

Andreea Iosa beschäftigt sich mit neuesten Technologien und Entwicklungen in der Forschung – insbesondere aus Österreich – behandelt aber auch Themen rund um Raumfahrt sowie Klimawandel.

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