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06/24/2019

Amabrush-Zahnbürste wird trotz Pleite wieder verkauft

Die vermeintliche Wunderzahnbürste des Wiener Start-ups wird seit wenigen Tagen wieder online verkauft, obwohl ein Insolvenzverfahren läuft.

Die Amabrush-Zahnbürste soll Zähne in nur zehn Sekunden reinigen und damit die klassische Zahnbürste ersetzen. Mit diesem Versprechen ging das Start-up Amabrush des Gründers Marvin Musialek an den Start. Zahnärzte und diverse Testberichte beurteilten diese Versprechen in der Vergangenheit allerdings weitgehend negativ.

Das führte zur Insolvenz des Unternehmens. Das Ende sei „ungeplant“ gewesen, heißt es. Man sei 2019 aufgrund einer Klage gezwungen worden, eine professionelle PR-Agentur anzuheuern sowie Anwälte. Das seien "zusätzliche Kosten" gewesen und man sei dann zu dem Schluss gekommen, dass dadurch der Fortbestand des Unternehmens nicht mehr möglich gewesen sei, hieß es Anfang Juni.

"Kleine Chance" der Rettung

22 Mitarbeiter sind von der Pleite betroffen. Den Gläubigern soll ein Sanierungsplan mit 20 Prozentquote angeboten werden. Das Produkt verschwand bereits wenige Tage zuvor aus dem Webshop. Nun gibt es seit wenigen Tagen die Amabrush wieder online zu kaufen. „Es gibt eine kleine Chance, das Unternehmen zu retten und noch einen Investor zu finden. Das ist auch im Interesse der Gläubiger“, erklärt Rechtsanwalt Stephan Riel, der als Masseverwalter im Insolvenzverfahren tätig ist, im Gespräch mit der futurezone, den Schritt.

Es sei die Pflicht des Insolvenzverwalters, zu überprüfen, ob die Fortführung eines Unternehmens möglich sei, so Riel. „Das Unternehmen versucht mit der neuesten Charge aus Fernost wieder einzusteigen. Ich werde überprüfen, ob die Kunden das annehmen“, sagt Riel. Man werde sehen, wie der Markt reagieren werde, so der Masseverwalter.

Forderungen anmelden wenig sinnvoll

Bei Insolvenzverfahren sei das üblich, auch dann, wenn bei manchen Produkten „Kunden nicht durchgängig zufrieden“ gewesen seien, sagt Riel. Bei Amabrush hatten sich zahlreiche Kunden darüber beschwert, dass ihre Zahnbürste nicht wie angekündigt funktioniert und die Zähne nicht sauber geputzt werden.

Für die meisten Kunden zahlt es sich jedoch nicht aus, ihre Forderungen anzumelden. „Im Insolvenzverfahren kann man Forderungen gegen die Amabrush GmbH anmelden. Die Gerichtsgebühren betragen dafür 23 Euro. Amabrush will eine Quote von 20 Prozent erreichen. Bei einem Kaufpreis von 150 Euro wären das nur 30 Euro. Es ist also fraglich, ob sich diese Anmeldung wirtschaftlich lohnt“, sagt etwa der Verbraucherschutzverein zu der Causa. Dem stimmt auch der Masseverwalter zu. „Wenn es einen Sanierungsplan gibt, muss das Unternehmen diese Summe auch an alle zahlen, die sich nicht angemeldet haben“, so der Masseverwalter.

Strafverfahren

In einem eigenen Strafverfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft jedoch neben dem Insolvenzverfahren „gegen eine Reihe von Personen, die hinter Amabrush stehen“, sagt der Verbraucherschutzverein. „Ein Privatbeteiligungsanschluss bleibt daher weiter sinnvoll“, so der Verbraucherschutzverein, der auf seiner Website darauf hinweist, wie man sich diesem anschließen kann. Derzeit wurden rund 2700 Beschwerden gegen Amabrush eingesammelt.

Hinweis zur Insolvenz fehlte kurzfristig

Aufgrund des Insolvenzverfahrens wurde die Amabrush-Zahnbürste zwischenzeitlich nicht mehr verkauft. Das hat sich nun vor wenigen Tagen wieder geändert: Auf der Website kann die Amabrush jetzt in der Zwischenzeit aber wieder bestellt werden.

Der Hinweis über die Insolvenz, der in zwei Blogeinträgen erfolgt war, war kurze Zeit zudem von der Website verschwunden. Auf Nachfrage der futurezone wurden die beiden Blogpostings zur Insolvenz wieder online gestellt. Das sei ein „Missverständnis“ gewesen, sagt der Masseverwalter.

Crowdfunder vielleicht ohne Ansprüche

Kunden, die das Produkt bestellt und nie erhalten haben, sollten aber nicht hoffen, dass sie es jetzt noch bekommen: „Die in der Vergangenheit etwas bezahlt haben, müssen sich in Geduld üben“, erklärt Riel. Nur bei Crowdfundern wisse er noch nicht so genau, ob diese überhaupt Ansprüche anmelden könnten. Hier gelte des US-Recht, so der Masseverwalter. 2017 finanzierte Amabrush die Entwicklung via Crowdfunding. Rund 3,2 Millionen Euro von 28.000 Crowdfundern konnte über die Kickstarter-Kampagne eingesammelt werden. Auf Indiegogo waren es 1,5 Millionen US-Dollar und 11.254 Unterstützer. Amabrush selbst spricht von 37.000 Unterstützern insgesamt.