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11/12/2019

Cowboy E-Bike im Test: Das "Tesla" unter den Fahrrädern

Das belgische Start-up Cowboy verkauft sein stylisches, mattschwarzes E-Bike nun auch in Österreich. Wir haben es getestet.

von Thomas Prenner

Auch wenn beim Thema Elektromobilität meistens zuerst von Elektroautos gesprochen wird, ist es eine andere Art von Fortbewegungsmittel, die den Markt dominiert: E-Bikes: Laut Zahlen des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) wurden alleine im Vorjahr 150.000 Elektro-Fahrräder in Österreich verkauft. Insgesamt sind mehr als 600.000 Elektrofahrräder aktuell unterwegs. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl sind E-Bikes in Österreich auch deutlich beliebter als etwa in Deutschland oder in der Schweiz

Nun wagt sich ein Neueinsteiger auf den österreichischen Markt: Cowboy. Das Unternehmen dahinter wurde 2017 in Brüssel gegründet und konnte insgesamt zehn Millionen Euro Risikokapital aufstellen.

Überzeugen will man in erster Linie durch ein modernes Design. “Wir wollten ein E-Bike für Jüngere schaffen”, erklärt Brand Marketing Director Bob Eck im Gespräch mit der futurezone. Dazu passend hat man auch eine Smartphone-App entwickelt, über die das Fahrrad nicht nur in Betrieb genommen, sondern im Falle eines Diebstahls auch geortet werden kann. Dazu sind ein GPS-Empfänger sowie eine SIM-Karte fix in das Bike integriert.

Künftig soll das Fahrrad auch laufend mit Over-The-Air-Updates aktualisiert werden. “Wir arbeiten hier nach dem Tesla-Modell”, so Eck. Käufer bekommen demnach lebenslangen Software-Support, wie es heißt. 

Wir waren mit dem 1990 Euro teuren Cowboy-Ebike einige Tage lang unterwegs:

Der Rahmen und die Reifen

Bis auf wenige Ausnahmen können aktuelle E-Bikes mit vielem punkten, aber nicht mit Design. Oftmals ist der Akku deutlich sichtbar am Rahmen montiert und das Fahrrad in einem möglichst konventionellem Stil gehalten. Cowboy will das anders machen und setzt auf eine Optik, die ehesten an aktuelle Single-Speed-Fahrräder oder Fixies erinnert. Wie jene hat übrigens auch das Cowboy-E-Bike keine Gangschaltung. Der Riemenantrieb hat eine Übersetzung von 3,1:1. Der Akku befindet sich hinter dem Sitzrohr und ist relativ nahtlos in den Aufbau integriert. Zum Laden kann er abgenommen werden.

Der Rahmen selbst wird als “M/L-Größe” angegeben. Laut dem Hersteller ist das Fahrrad optimal für Fahrer mit einer Körpergröße zwischen 170-195 cm geeignet. Mit meinen 183 Zentimetern ist das Fahrgefühl durchaus zufriedenstellend, wenngleich der Lenker bei korrekt eingestelltem Sitz gefühlsmäßig eine Spur zu niedrig ist.

Die Verarbeitung ist sauber und bietet keinen Raum für Kritik. Ausgeliefert wird das Bike mit individuell angefertigten Gravelking-Reifen des japanischen Herstellers Panaracer mit einer Breite von 42mm. 

Mit 16,1 Kilogramm samt Akku siedelt sich das Cowboy E-Bike eher im unteren Bereich für Pedelecs an. Sofern man das Fahrrad nicht regelmäßig mehrere Stockwerke tragen muss, empfinde ich das Gewicht auch für den Alltag angenehm. Es ist mit überschaubarer Anstrengung möglich, das Bike in einen Fahrradkeller zu tragen, falls das notwendig ist.

Anstatt einer gewöhnlichen Kette setzt Cowboy auf einen Zahnriemenantrieb. Das spart Gewicht und ist wartungsärmer sowie langlebiger, allerdings macht es Reparaturen komplizierter, da man für einen Austausch die exakte Riemenlänge benötigt.

Antrieb und Akku

Für die Unterstützung ist ein von Cowboy selbstgefertigter 30Nm bzw. 250W Motor in das Hinterrad integriert. Während die Leistung exakt dem entspricht, was man auch von zahlreichen anderen E-Bike-Motoren kennt, fällt der maximale Drehmoment im Vergleich zur Konkurrenz gering aus. Das spürt man auch bei der Fahrt - mehr dazu im Abschnitt “Fahrgefühl”.

Der Akku separat wiegt 2,4 Kilogramm und hat eine Kapazität von 360 Wh und 10 Ah. Geladen wird über ein 100-Watt-Ladegerät mit einer Ladezeit von dreieinhalb Stunden. Das dazugehörige Ladegerät ist relativ kompakt.

Die Reichweite gibt Cowboy mit 70 Kilometern an. Wie weit man wirklich kommt, hängt aber sehr stark von der Strecke sowie von den Fahrgewohnheiten ab. Fährt man etwa dazwischen mit mehr als 25km/h wird kein Strom verbraucht, da die elektrische Unterstützung (wie vom Gesetz vorgeschrieben) dann aussetzt. Viel Strom braucht hingegen häufiges Abbremsen und wieder Beschleunigen. 

Bei einer ausgiebigen Testfahrt, bei der ich zuerst über einen weiten Teil des Wiener Gürtels und anschließend einen Großteil der Donauinsel abgefahren bin, konnte ich die Herstellerangabe sogar übertreffen. Nach 69 Kilometer zeigte das Rad noch eine verbleibende Akkukapazität von 24 Prozent an. Grund dafür dürften aber auch die teils langen, ohne Unterbrechung gefahrenen Teile auf der Donauinsel sein. 

Beleuchtung und Bremsen

Das Fahrrad ist mit zwei fix integrierten LED-Lichtern ausgestattet, die über den internen Akku gespeist werden. StVO-konform ist das Frontlicht in Österreich allerdings nicht, weil es nicht stark genug leuchtet. Das Rücklicht hat noch eine Sicherheitsfunktion integriert, indem es beim Bremsen oder Verlangsamen stärker leuchtet.

Cowboy liefert in Österreich externe und StVO-konforme Lichter übrigens standardmäßig mit. Jene müssen am Rahmen bzw. am Lenker montiert werden und per USB geladen werden. Außerdem liegen dem Rad sämtliche laut StVO notwendige Reflektoren und eine Klingel bei.

Damit man auch sicher und rechtzeitig zum Stehen kommt, sind zwei hydraulische Tektro-Scheibenbremsen verbaut. 

App und Diebstahlschutz

Zentrales Bedienelement für das Bike ist die App, die für Android und iOS verfügbar ist. Über sie kann das Fahrrad in Betrieb genommen, das Licht ein- und ausgeschaltet sowie die elektrische Unterstützung wahlweise deaktiviert werden. Auch das gesetzlich vorgeschriebene elektronische Geschwindigkeitslimit von 25km/h kann deaktiviert werden, allerdings darf man nur mehr auf Privatgelände damit fahren. Die App hat außerdem eine Navigationsfunktion integriert. 

Das Fahrrad hat einen Bluetooth-Chip, dadurch erkennt das Handy samt App, sobald man sich in der Nähe befindet. Entsperrt wird das Bike durch einen simplen Longpress auf das Schloss-Symbol. Wobei “Sperre” eigentlich zu viel gesagt ist, da man das Rad auch in “gesperrtem” Zustand fahren kann - nur eben ohne Unterstützung durch den Elektromotor. 

Um das Rad im Falle eines Diebstahls tracken zu können, muss man die entsprechende Funktion in der App aktivieren. Anschließend bekommt man laufend die GPS-Position des Fahrrades.

Fahrgefühl

Bei anderen E-Bikes ist es üblich, zwischen verschiedenen Fahrmodi auswählen zu können. Jene bieten etwa unterschiedliche Beschleunigungsstufen und haben dadurch auch unterschiedlichen Stromverbrauch. Bezeichnungen wie “Eco” bis “Turbo” sind etwa gebräuchlich. All das gibt es beim Cowboy E-Bike nicht. Es gibt nur einen Fahrmodus, der sich - zumindest - so das Versprechen des Unternehmens - an den Fahrer anpasst. Das macht er, indem er den persönlichen Fahrstil kennenlernt und analysiert, wie es heißt. Wie gut das tatsächlich funktioniert, ließe sich allerdings vermutlich nur durch einen Langzeit-Test eruieren. 

Für ein E-Bike ist das Cowboy-Fahrrad erstaunlich wendig. So kann man damit auch problemlos enge Innenstädte und scharfe Kurven auf schmalen Radwegen passieren. Für ein noch besseres Fahrgefühl hätte ich mir etwas schmalere Reifen gewünscht. Das würde allerdings auf Kosten der Fahrstabilität gehen, die sehr gut ist. 

Gefühlsmäßig bewegt sich das Cowboy-Ebike mit seinem Antrieb eher im Eco-Bereich. Aufgrund des eher geringen maximalen Drehmoments ist auch nicht viel mehr möglich. Der “Ruck”, den man bei E-Bikes beim Anfahren kennt ist dadurch auch sehr sanft, manchmal merkt man kaum, dass man nicht völlig durch eigene Kraft fährt.

Das ändert sich etwas, wenn es steiler wird. Dann muss man selbst per Muskelkraft etwas mithelfen, allerding ohne die Unterstützung von Gängen. Im Wiener Stadtverkehr reichte der Antrieb für mich aber durchwegs aus, um nicht ins Schwitzen zu kommen.

Fazit

Cowboy will sich als cooles E-Bike für eine junge, städtische Zielgruppe positionieren und schafft das auch recht gut. Das Rad sieht einfach deutlich besser und “schnittiger” aus, als man es von anderen Pedelecs kennt. Wer bislang Scham davor hatte, mit einem E-Bike gesehen zu werden, kann den mit dem Cowbow-Ebike getrost ablegen. 

Bei der Bedienung geht Cowboy nach dem Konzept “It just works” - und das tut es auch. Man kann entsperren und losfahren, ohne sich groß Gedanken machen zu müssen. Das ist für den täglichen Arbeitsweg perfekt, wer längere Touren plant, dem werden die Einstellungen, die die App bietet, wohl zu wenig sein. 

Auch wenn der Antrieb eher dezent ankommt, reicht er aus, um auch längere Strecken in der Stadt ohne große Anstrengungen fahren zu können und auch das passt eigentlich in das Konzept von Cowboy. 

Etwas mehr hätte ich mir in Sachen Diebstahlschutz gewünscht. Gerade ein optisch so auffälliges Bike dürfte auch diesbezüglich Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eine Alarmfunktion oder eine mechanische Blockade der Reifen wären hier etwa wünschenswert. Immerhin plant Cowboy - wie Eck im futurezone-Gespräch ankündigt - eine Versicherung in Österreich anzubieten. Für zehn Euro im Monat sollen sämtliche Schäden sowie Diebstahl abgedeckt sein, sofern man ein gutes Schloss einer bestimmten Widerstandsklasse verwendet. 

Der Preis des Fahrrades liegt bei 1990 Euro. Damit bewegt man sich im mittleren bis oberen Segment bei E-Bikes.