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Das ist Österreichs bestes Mobilfunknetz 2020

2020 war auf vielen Ebenen ein Jahr, das sich so niemand erwartet hätte. Die Geschehnisse rund um die Pandemie hatten Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens - auch auf die Handynetze. Die futurezone hat es sich dennoch nicht nehmen lassen, die Mobilfunkinfrastruktur hierzulande auch heuer - im achten Jahr in Folge - unter die Lupe zu nehmen.

Wie jedes Jahr stand im Fokus, die Netze so abzubilden, wie die Kundinnen und Kunden sie erleben. Dazu haben die Testfahrzeuge Tausende Kilometer zurückgelegt und 300.000 Messungen in mehreren Kategorien durchgeführt (Details zum Testablauf, siehe rechts). In jeder Kategorie wurden anhand der Werte Punkte vergeben, mit denen schließlich der Gesamtsieger bestimmt wurde.

Die Ergebnisse

Das beste Endergebnis konnte dieses Jahr A1 abräumen. Von 300 möglichen Punkten erreichte Österreichs größter Mobilfunker 285. Dahinter folgte Drei (268 Punkte) vor Magenta (258 Punkte). 

Bei der Netzabdeckung muss sich keiner der drei Bewerber verstecken, sie alle bieten auf weite Strecken einen guten Empfang. Unterschiede gibt es dennoch. Am stärksten konnte etwa A1 beim Datentransfer über 4G bzw. LTE punkten. In den Tests wurden bei A1 die höchsten Geschwindigkeiten gemessen, sowohl im Down- als auch im Upload. 5G wurde heuer noch nicht berücksichtigt - zu den Gründen weiter unten.

Die höheren Datenraten schlugen sich auch auf Tests der Praxisanwendungen wie Surfen oder Videostreaming nieder. A1 konnte zwar auch in diesen Kategorien als Sieger hervorgehen, die Unterschiede in der Punktzahl fallen aber geringer aus, als bei der reinen Geschwindigkeitsmessung.

Dass reine Geschwindigkeit bei Datentests nicht alles ist, zeigt auch das Duell auf den beiden hinteren Plätzen. So liegt Magenta bei den Datentransferraten zwar leicht vor Drei, beim Browsen und bei YouTube hat Drei aber wiederum die Nase vorne. Grund dafür ist, dass die Netze für verschiedene Anwendungen unterschiedlich optimiert sind. So kann es zum Beispiel sein, dass eine Datei vom Firmenserver in einem Netz schneller heruntergeladen ist, das YouTube-Video aber dafür bei einem anderen Provider schneller startet.

Belastung

Die Corona-Pandemie hat auch bei den gemessenen Werten ihre Spuren hinterlassen. Die Netze waren aufgrund von Ausgangsbeschränkungen und des damit einhergehenden Anstiegs an Home Office und Videostreaming-Diensten deutlich belasteter als im Vorjahr. Das spiegeln auch die gemessenen Werte wider: Man merkt, dass die Netzauslastung deutlich gestiegen ist“, so Testleiter Jürgen Dalmus. „Der höchste durchschnittliche Datendownload liegt bei 21 Mbit/s. Das ist im Vergleich mit dem, was wir sonst hatten, unterirdisch“, sagt Dalmus. 

Für die zusätzliche Belastung sind nicht nur Smartphones verantwortlich. So haben die Mobilfunker in den vergangenen Jahren auch ihr Angebot an mobilem Breitband stark ausgebaut und entsprechend beworben. Nutzt man ein solches Produkt, geht der WLAN-Router zu Hause über dasselbe Netz online, wie das Handy in der Hosentasche. Ist man dann also per Laptop den ganzen Tag im Videocall und streamt am Abend Netflix, belastet das auch die Handynetze.

„Wir haben uns sozusagen angesehen, wie ein Netz in Extremsituationen funktioniert“, fasst Dalmus zusammen und sagt: „Angesichts der Umstände hat in Österreich alles weiterhin gut funktioniert. Die Netze haben die Belastungsprobe bestanden.“ Nach wie vor gelte in Österreich, dass alle Betreiber eine gute Qualität liefern und somit auch entsprechend nah beieinander liegen, erklärt Dalmus. 

Baustelle 5G

Der neue Standard 5G wurde beim diesjährigen Test noch nicht berücksichtigt, auch, wenn die Mobilfunker nicht müde werden, die Werbetrommel dafür zu rühren. „5G deckt einfach noch nicht genug ab“, sagt Dalmus. Die Technik befinde sich  erst im Ausbau, die Verfügbarkeit ändere sich ständig. Ein großflächiger Test - wie es der futurezone Netztest ist - sei hier nicht zielführend. „Etwas zu messen, was sich noch im Rollout befindet, macht keinen Sinn.“

Dazu kommt, dass die Verbreitung 5G-fähiger Endgeräte in Österreich noch gering ist.  5G ist für Endverbraucher derzeit einfach noch kein allzu großes Thema. Der Ausbau des Netzes für die nächste Mobilfunkgeneration wird aber  von A1, Drei und Magenta stark vorangetrieben. Im kommenden Jahr könnte der neue Mobilfunkstandard also auch die Karten beim futurezone-Netztest neu mischen.

So wurde getestet

Die Pandemie hat den Testablauf heuer erschwert, unter anderem weil das Testteam zum Teil aus Deutschland angereist war. Dennoch ist es wieder gelungen, auf 7.000 Kilometern über 300.000 Messungen von 20.000 Funkzellen durchzuführen. Unterwegs waren die Tester sowohl auf Autobahnen, aber auch abseits der Hauptverkehrswege. Im Fokus stand, die Netze so zu zeigen, wie sie auch Endnutzer erleben. „Wir wollen knallhart aus Kundensicht messen“, erklärt Testleiter Jürgen Dalmus. „Das heißt, keine zusätzlichen Antennen, oder zusätzliche Hardware, wie sie bei anderen Tests manchmal zum Einsatz kommt. 

Damit die Mobilfunknetze möglichst praxisnah getestet werden können, kommen beim futurezone-Netztest gewöhnliche Smartphones zum Einsatz, wie sie auch von Tausenden Menschen hierzulande verwendet werden. Dabei handelt es sich bewusst nicht um die neuesten High-End-Modelle, sondern um ältere Geräte, da jene üblicherweise in der größten Stückzahl verbreitet sind. Heuer sind bei den Tests überwiegend Handys vom Hersteller Samsung (konkret Galaxy S7 und Galaxy S8) verwendet worden. 

Auf den Handys ist eine spezielle App installiert, die die Aufzeichnungen vornimmt. Hinter der Software steht die britische Firma Metricell. Sie wird auch von Netzbetreibern zur Qualitätssicherung eingesetzt. Die App führt automatisiert zum Beispiel Up- und Downloads durch und startet ein voreingestelltes YouTube-Video. Dabei wird aufgezeichnet, wie zuverlässig und schnell das funktioniert. Außerdem werden Ladezeiten auf die Millisekunde genau aufgezeichnet. So kamen Tausende Testwerte zusammen, die anschließend ausgewertet wurden.

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Thomas Prenner

ThPrenner

Beschäftigt sich mit Dingen, die man täglich nutzt. Loggt sich gerne ein. Checkt sich gerne ein. Wäre gern überall dabei. Hätte gern alles sofort. Möchte Altes mit Neuem verbinden. Mag Spotify genauso gern wie seine Schallplatten. Fotografiert am liebsten auf Film, manchmal aber auch mit dem Smartphone.

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