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08.08.2017

Drei baut TV-Dienst aus und macht Netflix Konkurrenz

Drei will seinen TV-Dienst ausbauen und setzt dabei auf ein umstrittenes Feature: den Cloud-Rekorder. Aufnahmen werden künftig wie bei Netflix aufbereitet.

Kabel-TV ohne Kabelanschluss: Mit diesem Versprechen ging der Mobilfunker “Drei” vor einem halben Jahr unter die Fernsehanbieter. “3TV” sollte insbesondere den Platzhirschen UPC und A1 sowie DVB-T2 alias “simpliTV” Konkurrenz machen. Nun zieht man erstmals Bilanz: Die 3TV-App, die für alle gängigen Plattformen - unter anderem iOS und Android, aber auch für Apple TV, Android TV, Fire TV und Samsungs Tizen - verfügbar ist, wurde mehr als 20.000 Mal heruntergeladen. Wie viele zahlende Kunden 3TV hat, verrät der Mobilfunker nicht. Die ersten Monate seien aber ohnedies nur eine Soft-Launch-Phase gewesen. Erst jetzt will man in die Offensive gehen und den Dienst aktiv bewerben.

Aufnahmen werden aufbereitet

Die ersten Kunden haben wertvolles Feedback geliefert, wie Christian Haspl, verantwortlich für TV und VOD bei Drei, im Gespräch mit der futurezone erklärt. So habe man vor allem die Benutzeroberfläche umgestaltet, die nun das Umsortieren der Senderliste, Teletext und TV-typisches “Zappen” erlaubt. Neben der Senderliste gibt es nun ein eigenes Aufnahme-Menü für den Online-Videorekorder.

Dieser nimmt automatisch das komplette TV-Programm der vergangenen sieben Tage auf und speichert es in der Cloud. Statt einer rein chronologischen Sortierung, gibt es auch einen aufbereiteten Überblick. Highlights der vergangenen sieben Tage werden in acht verschiedene Kategorien, wie Spielfilme, Dokumentationen, Serien oder Sport, eingeordnet. So will man mit dem Cloud-Rekorder eine Alternative zu Netflix und Co bieten.

Im Graubereich

Die Inhalte werden mithilfe von Technologie des US-Unternehmens Gracenote aufbereitet. Künftig könnte das Angebot auch personalisiert oder mit VOD-Inhalten von Drei ergänzt werden. Ein echter Netflix-Konkurrent will man aber dennoch nicht sein: “Es werden ja nur sieben Tage aufgezeichnet. Wir bauen hier keine Videothek auf, die anderen Konkurrenz macht”, so Haspl. Die theoretisch möglichen 6720 Stunden an Inhalten (inklusive Werbung) sind aber im Vergleich zur österreichischen Netflix-Bibliothek, die derzeit 2705 Titel zählt, durchaus konkurrenzfähig. Lediglich das für TV-Serien typisch Bing-Watching wäre hier nur schwer möglich.

Rechtlich gesehen bewegt sich Drei,wie auch Konkurrent A1 Now, immer noch in einem Graubereich. Man sei aber weiterhin in Verhandlungen mit den “Rechteinhabern”, um eine Einigung zu finden. Verständnis für den Widerstand bringt man jedoch nicht wirklich auf: “Wir haben alle unsere Dienste in der Cloud. Warum sollte nicht auch das Fernsehen in der Cloud möglich sein?” Live-TV und Aufnahmen können aber weiterhin nur in Österreich wiedergegeben werden.Vom “Aus für Geoblocking” sind TV-Anbieter wie 3TV explizit ausgenommen.

Kein Zero Rating, aber 4K-Tests

Eine Zero-Rating-Lösung - Datenguthaben wird für einen bestimmten Dienst nicht verrechnet - sei derzeit nicht angedacht. Der Mobilfunker zeigt sich vorerst zurückhaltend, da derartige Zero-Rating-Tarife nach den neuen EU-Bestimmungen auf wackeligen Beinen stehen. Sollte es eine gesetzliche Anpassung geben, sei man aber dafür offen. Bei der Frage nach der GIS-Pflicht verweist man weiterhin an den Gesetzgeber. Hier müsste wohl vor allem die Frage, ob ein Streaming-Stick oder eine App ein “Empfangsgerät” darstellt, geklärt werden.

Den Fokus will man weiterhin auf die Verbesserung der Software legen, sodass die Wiedergabe auch bei schwankender Bandbreite gewährleistet ist. Mindestvoraussetzung bleibt derzeit 2,5 Mbit/s. Die maximale Auflösung ist vorerst auf 720p beschränkt, auch da die Signale keine bessere Qualität liefern. Erste Tests mit 4K-Signalen wurden aber bereits durchgeführt.

Kooperation mit Apple

Ein Problem lässt sich vorerst nicht lösen: Die hohe Latenz. Da Drei ein Satellitensignal abgreifen und über seine Datennetze weiterleiten muss, kann es gegenüber Antennen- und Satelliten-Fernsehen bis zu 13 Sekunden Verzögerung geben. Während die Nachbarn beispielsweise bereits über ein Tor jubeln, läuft bei 3TV noch der Konter. “Das Problem werden wir mit 4G nicht so schnell in den Griff kriegen. Da braucht es schon 5G”, meint Haspl. Die Verzögerung dürfte aber wohl auch hier bei einigen Sekunden bleiben, da die Latenz vonseiten des Netzwerks nur einen Bruchteil einer Sekunde ausmacht.

Mit einem Alleinstellungsmerkmal habe man bereits die Aufmerksamkeit von Apple auf sich gezogen: “Wir sind derzeit die einzige App, die echtes Fernsehen für Apple TV anbietet.” Der US-Konzern zeige sich auch gegenüber Drei “sehr offen” gegenüber Kooperationen im TV-Bereich. Man rechne daher damit, dass Apple seine Bemühungen in diesem Bereich in den kommenden Monaten verstärken wird.