Produkte 20.11.2015

Dyson: „Die Zukunft des Staubsaugers ist kabellos“

Dysons erster Staubsauger-Roboter ist vorerst nur in Japan erhältlich © Bild: REUTERS/HANNIBAL HANSCHKE

Im Interview mit der futurezone geben Dyson-Ingenieur Matt Kelly und Dyson-Österreich-Geschäftsführer Peter Pollak Einblick in die Zukunftsvisionen des britischen Herstellers.

Staubsauger ohne Beutel, Händetrockner ohne Heißluft und Ventilatoren ohne Rotorblätter: Der britische Geräte-Hersteller Dyson hat in den vergangenen 25 Jahren mehrfach bewiesen, dass auch Haushaltsgeräte spannend und innovativ sein können. Trotz der hochpreisigen Produktstrategie hat sich die Firma rund um Erfinder James Dyson in vielen Regionen zum Marktführer hochgearbeitet – so auch auf dem österreichischen Staubsaugermarkt. Neben der Entwicklung eines Staubsauger-Roboters setzt Dyson derzeit vor allem auf Akku-betriebene Geräte.

Mehr Akku-Geräte verkauft

„Die Zukunft des Staubsaugers ist kabellos“, sagt Peter Pollak, Geschäftsführer Dyson Österreich, im Gespräch mit der futurezone. Zur Untermauerung der Aussage verweist er auf die aktuelle Geschäftsentwicklung: 2015 wird Dyson erstmals mehr Akku-Staubsauger als Modelle mit Kabel verkaufen. Wer dabei an kleine Handstaubsauger denkt, liegt jedoch falsch. Dyson hat aktuell vier große Modelle im Angebot, die den eigenen kabelgebundenen Geräten das Wasser reichen sollen.

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Die Handlichkeit hat allerdings ihren Preis: 20 bis 25 Minuten kann das Gerät verwendet werden, bevor es wieder aufgeladen werden muss. Die Ladezeit beträgt 3,5 Stunden. „Die Akkulaufzeit wirkt auf den ersten Blick vielleicht nicht so lang. Unsere internen Auswertungen haben aber ergeben, dass kabellose Staubsauger ganz anders verwendet werden – nämlich anlassbezogen öfter, dafür aber kürzer. Im Normalfall reicht die Zeit gut aus, zumal das Gerät durch den mit dem Zeigefinger bedienbaren Ein/Aus-Knopf nur läuft, wenn man tatsächlich Staub saugt“, erklärt Dyson-Ingenieur Matt Kelly gegenüber der futurezone.

Investition in Batterien-Start-up

Dass der Hersteller lieber mit noch besseren Akkuleistungen aufwarten würde, liegt auf der Hand. So investierte die Firma zuletzt 15 Millionen Dollar in ein Batterien-Start-up namens Sakti3, das die Laufzeit von Geräten verdoppeln und die Preise drücken soll. Bis dahin rühmt man sich zumindest damit, kabellose Staubsauger anbieten zu können, die trotz geringem Wattverbrauch und vertretbarem Gewicht kaum Abstriche bei der Saugleistung machen sollen.

Verantwortlich dafür ist der in allen Dyson-Geräten verbaute „digitale“ Motor, der aufgrund von einigen ausgesparten mechanischen Teilen und den Einsatz eines Mikroprozessors Drehzahlen bis 104.000 pro Minute erreichen - bei gleichzeitig kleinerer Fläche. Das sind laut Dyson fünf Mal höhere Drehzahlen als ein Formel-1-Auto. Auch das Design der Bürsten wurde für die kabellosen Geräte optimiert.

Warten auf den Roboter

Während sich Dyson bei der Entwicklung im Akku-Staubsaugermarkt zufrieden zeigt, läuft es in einem weiteren Trend-Markt offenbar nicht so rund. Schon im Frühjahr 2015 hätte der auf der IFA 2014 vorgestellte Staubsauger-Roboter Eye 360 in Japan auf den Markt kommen sollen, der Verkauf startete mit einem halben Jahr Verspätung allerdings erst diesen Oktober. Ob der Roboter wie angekündigt im kommenden Jahr auch in anderen Regionen verfügbar sein wird, bleibt abzuwarten. Der Preis ist mit umgerechnet über 1100 Euro ebenfalls eine Herausforderung.

So sieht der Staubsauger-Roboter von Dyson aus
A Dyson employee shows a Dyson 360 Eye robot vacuum cleaner during the IFA Electronics show in Berlin September 4, 2014. REUTERS… © Bild: REUTERS/HANNIBAL HANSCHKE
„Existierende Staubsauger-Roboter fahren zwar viel in der Gegend herum, wirklich gut saubermachen tun sie aber nicht. Neben der Saugleistung geht es auch darum, eine intelligente Navigation im Raum zu gewährleisten, damit Wege nicht doppelt und dreifach befahren werden“, sagt Kelly. Den Dyson-Informationen zufolge ist der eigene Staubsauger-Roboter mit einem 360-Grad-Navigationssystem ausgestattet, das einen Raum visuell erfassen und so die effizienteste Route berechnen kann. Über die an Bord befindlichen Sensoren und die Software merkt sich der Roboter zudem, welche Teile des Raums bereits gesäubert wurden. Statt Rollen setzt Dyson zudem auf Raupentechnologie für die Fortbewegung, da auch diese effizienter sei.

Nicht alles vernetzt

Während der Staubsauger-Roboter naturgemäß per App bedient werden kann, sieht der Dyson-Ingenieur die Diskussion über den vernetzten Haushalt differenziert. „Die Verlockung ist sehr groß, jedes Gerät mit einem Interface auszustatten und über Apps zu vernetzen. Die Frage ist aber, inwiefern das Sinn macht und für den User einen Mehrwert schafft. Das muss man sich bei jedem Gerät und für jeden Anwendungsfall genau überlegen“, sagt Kelly.

Dyson-Ingenieur Matt Kelly
Dyson © Bild: Dyson
Die guten Wirtschaftszahlen – Dyson konnte seinen Umsatz von 2013 auf 2014 um zehn Prozent auf 1,9 Mrd. Euro und seinen Gewinn um 13 Prozent auf 503 Millionen Euro steigern – nutzt der britische Hersteller, um weiter in Forschung und Entwicklung zu investieren. In den kommenden vier Jahren will die Firma eine Milliarde Euro investieren und 1000 Fachkräfte – darunter 300 neue Ingenieure – in einem neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum am englischen Standort Malmesbury im Südwesten des Landes einstellen. Bis zu 3000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, besonderes Augenmerk liegt auf der Beschäftigung britischer und europäischer Talente.

Andere Produktkategorien

Neben den Staubsaugern will Dyson noch stärker auf andere Produktkategorien fokussieren. Die Airblade-Händetrockner, die ohne heiße Luft funktionieren, gibt es in abgewandelter Form nun auch in Wasserhähne integriert. Sensoren schalten je nach Handposition den Wasserstrahl bzw. die Trocknerfunktion ein, die in zwei Seitenarmen der Armatur verbaut ist. Dabei streift ein gefilterter und somit bakterienfreier Luftstrom mit knapp 700 km/h das Wasser von den Händen. Für den Antrieb sorgt ein 1600-Watt-Motor, der mittels digitaler Technologie in 0,7 Sekunden auf 90.000 Umdrehungen pro Minute beschleunigt. Der Trocknungsvorgang dauert zwölf Sekunden. Einige Hotels und Restaurants in Wien haben das System schon im Einsatz, der UVP-Preis liegt bei 1399 Euro.

Die Werbetrommel wird derzeit auch verstärkt für den Luftbefeuchter „humidifier“ gerührt, der Bakterien mit UV-Licht abtötet, sowie einen kleinen Matratzensauger (v6 mattress), der sämtliche Allergene im Bett entfernen soll. Um Hausstaubmilben, deren Ausscheidungen, aber auch deren Futter – abgestorbene Hautzellen – zu entfernen, setzt Dyson auf besonders hohe Saugkraft. Neuland betritt Dyson mit zwei LED-Leuchten, die von Jake Dyson, dem Sohn des Firmengründers entwickelt wurden. Der Fokus steht dabei auf hochwertiges Licht sowie ein neuartiges Wärmeableit-System, mit dem die Lebensdauer der fix verbauten LEDs auf bis zu 37 Jahre verlängert werden soll.

( futurezone ) Erstellt am 20.11.2015