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iPhone 12 Pro Max im Kameratest

Nachdem wir die neuen iPhones getestet haben, haben wir uns die Kamera und die Fotoqualität des iPhone 12 Pro Max genauer angesehen.

Welches Smartphone hat die beste Kamera? Eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt, denn die Beurteilung von Smartphone-Kameras hängt von zahlreichen Aspekten ab. Auch die subjektive Bewertung, ob ein Foto im Auge des Betrachters gut aussieht oder nicht, spielt eine wesentliche Rolle.

Wir haben uns die Kamera des iPhone 12 Pro Max genauer angesehen und wollten herausfinden, ob die Kamera des 1.250 Euro teuren Apple-Flaggschiffs mit der Android-Konkurrenz mithalten kann.

iPhone 12 Pro Max

Die Kamera

Vorweg die Spezifikationen: Die Kamera des iPhone 12 Pro Max besteht aus insgesamt 3 Linsen und einem zusätzlichen ToF-3D-LiDAR-Sensor: Die 12 MP Hauptkamera mit f/1,6, 26mm, 1,7µm; das 12 MP Teleobjektiv mit f/2,2, 65mm, 1,0µm und 2,5-fachem optischen Zoom, die 12 MP Weitwinkelkamera mit f/2,4, 13mm.

Labortests haben wir keine gemacht. Da verlassen wir uns auf Experten mit den entsprechenden Tools, beispielsweise jene von DxOMark. Dort belegt das iPhone 12 Pro Max den 5. Platz, hinter dem Huawei Mate 40 Pro+, dem Mate 40 Pro, dem Xiaomi Mi 10 Ultra und dem Huawei P40 Pro. Somit zählt die iPhone-Kamera zu den besten überhaupt.

Doch bei Blindtests konnte die Kameraqualität des iPhone noch nie wirklich überzeugen. Bei den alljährlichen Tests des YouTubers Marques Brownlee ist das iPhone jedes Mal in der ersten Runde ausgeschieden. Dabei haben die iPhones sogar gegen wesentlich günstigere Mittelklasse-Smartphones verloren. Aber wie passt das nun zusammen?

Das Original (links), leicht manuell überarbeitet (rechts)

Langweilige Bilder mit dem iPhone

Fotografiert man mit dem iPhone 12 Pro Max fällt schnell auf, dass die Bilder oft etwas langweilig wirken: Die Farben sind etwas blass, Kontrast und Sättigung sind vergleichsweise niedrig.

Am deutlichsten sticht dies so manches Mal beim Nachtmodus ins Auge. Die Kamera beziehungsweise dessen Software hellt zwar das Bild entsprechend auf und stellt es detailreich dar, ein entsprechendes Ambiente fehlt den Bildern aber oft gänzlich.

Hier ist es zunächst wichtig, dass man die reine Qualität der Bilder von der automatischen Bildbearbeitung per Software unterscheidet. Nicht selten wird bei günstigeren Smartphones versucht, durch automatisch bearbeitete Fotos Schwächen bei der Kamera zu überdecken. 

Beispielbilder

Während die Konkurrenz die Fotos meist automatisch stark aufbessert und ihren Usern damit eindrucksvollere, bereits vorgekaute Bilder vorlegt, hält sich Apple bei der automatischen Behübschung der Bilder mehr zurück als die Konkurrenz.

iPhone-Bilder eignen sich bestens zum Bearbeiten

Das bedeutet eben noch lange nicht, dass ein günstigeres Mittelklasse-Phone, das dem Nutzer ein kontrastreiches, farbstarkes Bild ausspuckt, eine bessere Kamera hat als das teurere iPhone 12 Pro Max.

Es mag zwar praktisch sein, wenn man als User ein "fertiges" Foto per Knopfdruck erhält. Es kann aber auch extrem frustrierend sein, weil die Kamera-Software bei der automatischen Bearbeitung auch nicht immer richtig liegt und eine manuelle Bearbeitung dieser Bilder schnell an die Grenzen stößt.

In diesem Fall kommen einem die "faden" Fotos des iPhone zu Gute. Denn zum individuellen Bearbeiten im Nachhinein eignen sich die iPhone-Fotos deutlich besser. Wer ein paar Minuten in das Anpassen des Kontrasts, der Sättigung, der Belichtung, der Highlights und Shadows investiert, wird von der Fotoqualität des iPhone 12 Pro Max bestimmt nicht enttäuscht sein.

Kleiner Photoshop in der Foto-App

Zoomt man in die Fotos hinein und sieht sich die Details genauer an, wird man schnell feststellen, dass die Kamera des iPhone 12 Pro Max ganz bestimmt zu den besten Smartphone-Kameras zählt. Aufnahmen bei schlechtem Licht oder bei Nacht enthalten beispielsweise deutlich mehr Details als die Mittelklasse-Smartphones, gegen die das iPhone im Blindtest verloren hat.

In diesem Sinne ist auch die Kamera- beziehungsweise Foto-App von Apple aufgebaut. Anders als bei den meisten Androiden verfügt nämlich die Foto-App von Apple über einen vollwertigen Editor, mit dem man nahezu alle Feinheiten der Fotos manuell bearbeiten kann. Hobbyfotografen können hier auf jeden Fall auf Photoshop verzichten.

Unverständliche Einschränkungen

Gerade mit dem iPhone 12 Pro Max will Apple all jene ansprechen, die sich mit Fotografie beschäftigen. Doch dabei ist Strategie von Apple etwas widersprüchlich. Der iPhone-Hersteller ist bekannt dafür, für die User zu entscheiden, welche Optionen sinnvoll sind und welche nicht. Anstelle den Nutzern größtmögliche Wahlfreiheit zu geben, beschränkt Apple die Möglichkeiten und versucht damit die User immer wieder an sein eigenes Ökosystem zu binden. 

Während die Kamera-App zum Aufnehmen von Fotos zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten bereithält, bringen andere Einschränkungen wohl so manchen Fotografen zum Verzweifeln. Beispielsweise sind die Informationen, die das iPhone zu den einzelnen Fotos bereithält mehr als spärlich.

Dass das Farbspektrum nicht angezeigt wird, können vermutlich die meisten iPhone-User verkraften. Unverständlich ist allerdings, dass es nicht einmal die Möglichkeit gibt, die Dateigröße in der Foto-App anzuzeigen.

Umständlich und Widersprüchlich

Entweder man bleibt - so wie es Apple am liebsten hätte - im iOS-Universum, nutzt die iCloud und installiert sich eine eigene Metadaten-App. Oder man überträgt die Fotos an einen Rechner, um Dateigröße, Blendenzahl, Belichtungszeit und andere Metadaten sehen zu können. Im Finder oder Explorer sind dann allerdings die Bilder im .HEIC-Format (High Efficiency Image File Format) hinterlegt.

Natürlich ist das Dateiformat kein Problem, wenn man direkt vom iPhone ein Bild auf Facebook, Instagram oder Twitter hochladen will. Vom Rechner aus ein .HEIC-Foto irgendwo hochzuladen, ist jedoch bei kaum einem Service möglich. Und ein Foto-Archiv mit .HEIC-Dateien aufzubauen, ist auch nicht die beste Idee. 

Die einzelnen Aufnahme-Modi

Der Portrait-Modus aktiviert standardmäßig den 2,5-fachen Zoom. Wem das zu nahe ist, der kann auch den Zoom deaktivieren. Portrait-Modus im Weitwinkel ist nicht möglich.

Außerdem kann im Portrait-Modus der Beleuchtungseffekt eingestellt werden. Die besten Resultate liefert das "Natürliche Licht". Es macht eigentlich kaum Sinn, eine andere Beleuchtungsvariante zu wählen, da man diese auch im Nachhinein hinzufügen und ändern kann.

Mit seinem LiDAR-Sensor sticht der Portrait-Modus beim iPhone 12 Pro Max besonders positiv hervor. Er erkennt die Objekte im Vordergrund ausgezeichnet und stellt die Hintergründe entsprechend unscharf dar. Manchmal stößt aber auch der ToF-Sensor an seine Grenzen und macht bereits Hauben, Haare oder Kopfhörer unscharf.

Da man auch die Blendenzahl und somit die Unschärfe im Nachhinein ändern kann, können derartige Fehlgriffe in Sekundenschnelle behoben werden.

Nachtmodus

Der Nachtmodus kann nicht einfach so aktiviert werden. Das iPhone entscheidet selbst, wie lange die Belichtungszeit sein muss, um ein optimales Ergebnis zu erreichen. Ist die Verschlusszeit aufgrund der schlechten Lichtbedingungen erhöht - sprich Nachtmodus - wird das in der Kamera-App angezeigt.

Wie oben beschrieben, lässt der Nachtmodus detailreiche Bilder entstehen und kann eine dunkle Szenerie stark aufhellen. Die entsprechende Atmosphäre verleiht die Software den Nachtbildern oft nicht. Dafür kann aber eben der Editor in der Foto-App genutzt werden.

Wie bei allen Smartphone-Kameras nimmt die Fotoqualität im Weitwinkelmodus spürbar ab. Bei optimalen Lichtbedingungen fällt dies nicht besonders negativ auf. Ist es etwas dunkler, sollte man im Hinblick auf die Bildqualität auf den Weitwinkel verzichten.

Was gibt es sonst noch über das iPhone 12 Pro Max zu sagen

Wie schon in unseren aktuellen futurezone-Tests - das iPhone 12, das iPhone 12 Pro und das iPhone 12 Mini - haben wir festgestellt, dass die aktuellen Apple-Handys in den allermeisten Belangen überzeugen können. Das gilt auch für das Flaggschiff iPhone 12 Pro Max.

Das Design ist zwar nicht neu, dafür aber eine willkommene Abwechslung zum sonst üblichen Einheitsbrei. Die Leistung ist mehr als ausreichend und auch sonst gibt es kaum etwas auszusetzen.

Das 6,7 Zoll große OLED-Display ist von hoher Qualität. Schade ist jedenfalls, dass der Bildschirm keine erhöhte Refresh-Rate hat und dass die iPhones immer noch mit einem derart riesigen Balken-Notch kommen. Das ist einfach nicht schön.

Verzweiflung am fehlenden Ladegerät

Dass Apple seinen iPhones kein Ladegerät mehr beilegt, ist mittlerweile allseits bekannt und wird von der Konkurrenz schon nachgeahmt. Als ich das iPhone zum ersten Mal aufladen wollte, erwies sich das fehlende Netzteil als ziemliches Problem.

Denn das beigelegte Kabel ist Lightning auf USB-C. Die allermeisten Netzteile haben aber lediglich einen USB-Type-A-Anschluss und mein älteres MacBook hat noch keinen USB-C-Eingang. Erst nach einem Tag konnte ich dann doch noch irgendwo ein entsprechendes Ladegerät finden und das iPhone aufladen.  

Akku hält lange durch und braucht lange zum Laden

Der Akku hält lange durch und steht trotz seiner geringeren Kapazität von 3.687 mAh der Android-Konkurrenz um nichts nach. Nur beim Aufladen könnte man sich von Apple etwas mehr Power erwarten. Denn hier ist das iPhone 12 Pro Max langsamer unterwegs als die vergleichbare Konkurrenz.

Bei 0 Prozent an die Steckdose zeigte die Akkuanzeige nach 10 Minuten 19 Prozent. Nach insgesamt 30 Minuten war der Akku zu 57 Prozent aufgeladen. 87 Prozent zeigte das iPhone 12 Pro Max nach insgesamt 60 Minuten.

Schnelleres Internet durch 5G 

Die 5G-Fähigkeit verleiht den aktuellen iPhones natürlich einen Speedboost. Wir haben das iPhone 12 Pro Max vom Mobilfunker Drei mit einer passenden 5G-SIM-Karte zur Verfügung gestellt bekommen. Gegenüber meinem früheren 5G-Test aus dem Sommer dürfte das 5G-Netz in Wien und Umgebung mittlerweile etwas feinmaschiger geworden sein.

Zumindest stand im Lockdown bedingten stark eingeschränkten Bewegungsradius fast immer eine 5G-Verbindung zur Verfügung. Im Alltag konnten regelmäßig 5G-Verbindungsgewschwindigkeiten um die 100 Mbps gemessen werden. 

Pro & Contra

Pro

  • Eine der besten Smartphone-Kameras
  • Kamera nimmt detailreiche Bilder auf
  • Umfangreicher Foto-Editor direkt in der Foto-App
  • Leistungsstark
  • Akku hält lange durch
  • Spitzen-Display
  • Anspruchsvolles Design

Contra

  • Fotos wirken manchmal langweilig, können aber gut bearbeitet werden
  • Keine Metadaten zu den Fotos in der Fotos-App
  • Display ohne erhöhter Refresh-Rate
  • Riesiger Balken-Notch
  • Hoher Preis - 1.250 Euro

Fazit

Dass das iPhone 12 Pro Max auch beim diesjährigen Blindtest durchgefallen ist, wundert mich nicht. Die Fotos, die das 1.250 Euro teure Smartphone standardmäßig ausspuckt, wirken schon etwas langweilig. Da können zahlreiche Mittelklasse-Smartphone mit poppigeren Farben und hohen Kontrasten auf den ersten Blick deutlich mehr überzeugen.

Wer sich aber 3 Minuten Zeit nimmt und sich ein wenig mit der Bildbearbeitung spielt, wird aus einem iPhone-12-Pro-Max-Foto wesentlich mehr herausholen können, als bei einem günstigen Android-Phone.

Alles in allem bietet Apple mit dem iPhone 12 Pro Max eine der besten Handy-Kameras, die es derzeit zu kaufen gibt. In Sachen Details und Dynamikumfang kommt kaum ein anderes Smartphone an das Apple-Handy heran.

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Florian Christof

FlorianChristof

Großteils bin ich mit Produkttests beschäftigt - Smartphones, Elektroautos, Kopfhörer und alles was mit Strom betrieben wird.

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